Staffel 3 - Der Pfeil zeigt steil nach oben

Erst die super starke Debütstaffel, dann eine sehenswerte aber deutlich schwächere zweite Staffel. Die Frage war natürlich, was die Zuschauer in der dritten Runde erwarten würde. Vorweg genommen wurde schon im Staffelfinale der zweiten deutlich, dass Orson Hodge gleich dreimal soviel Mystery und Spannung einzubringen scheint als zuvor die Familie Applewhite. Wieso musste er Mike auf so arglistige Weise überfahren? Wird Bree tatsächlich mit dem Psychopathen anbandeln und ihn in ihr Leben lassen? Wie wird es Susan schaffen, mit Mikes "Unfall" zurecht zu kommen? Und landet die Scavo-Ehe, durch die Situation rund um Nora und der unehelichen Tochter Toms, in einem ähnlich trüben Verhältnis wie die der Solis? So viele Fragen gleich zum Beginn einer neuen Season, das konnte nur Gutes heißen. Auf fesselnde Weise verdichtete sich die Erzählweise, die Handlung nahm Fahrt auf und die Erwartungen schraubte dies zweifelsfrei hoch.
"Regeln werden von mir nicht befolgt, sondern aufgestellt!"

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Der große Handlungsbogen des Staffelgeheimnisses wartet nicht nur mit geschickten Wendungen auf, welche das Rätsel noch undurchsichtiger gestalten und somit die Spannung ankurbeln. Ich bin fasziniert davon, wie man hier raffiniert die Charaktere einbindet, dazu teils facettenreich darstellt. Allen voran Kyle MacLachlan als Orson, der die Rolle mit sehr viel Begabung trägt. Er schafft es diesen Charakter von Beginn an einerseits dunkel, bedrohlich und rätselhaft wirken zu lassen. Auf der anderen Seite nimmt man ihm ab, dass Bree und deren Familie ihm wirklich was bedeuten. Da zeigt er sich charmant, einfühlsam und im weiteren Verlauf bekommen wir auch seine sensiblere Seite zu Gesicht, was mich verstärkt zum Mitfiebern anregen konnte, ob nun Orson den wahren Bösewicht darstellt oder nicht. Interessanterweise empfand ich Orson von Beginn weg an sympathisch, doch ging ich mit Distanz an diese Figur ran, da eben ganz lange unklar sein sollte, wozu Orson alles fähig ist. Ich mag seine trockenen Aussagen sehr gerne, gepaart mit einer ordentlichen Prise Humor und Sarkasmus. Dazu schafft es Kyle mich immer wieder mit seiner Mimik zu amüsieren. Beispielsweise als er von Bree erfährt, dass sie Andrew auf die Straße gesetzt hatte. Ach, da gäbe es noch so manche Aufzählmöglichkeiten. Jedenfalls macht mir besonders Orson in der Staffel drei richtig Freude.
Zweifelsfrei hätte ich Laurie Metcalf als Carolyn Bigsby vom Start in die Season eher in die Richtung "der Retter für Bree in der Not" eingestuft. Ich wollte, dass sie es schafft, ihr rechtzeitig die Augen zu öffnen im Bezug zu Orson. Dass Laurie schauspielern kann und wie gut, zeigte sie in manchem Film bereits nur zu deutlich. Und ihren Charakter Carolyn dann in einem verrückterem Ausmaß zu zeigen, passt besonders hervorragend. Mit sehr viel Temperament, Witz und Sarkasmus, spielt Metcalf im ersten Drittel des Staffelgeheimnisses gekonnt auf. Jedenfalls schockt sie auch durch ihre eiskalte Geiselnahme mit gnadenlosen Strafmaßnahmen. Es sind Szenen in denen man gleichzeitig emotional mit den Opfern mitfiebert aber auch sich amüsiert, aufgrund von Carolyns Wutausbruch. Wie sie schnaufend eine Tüte Kekse verdrückt und vor allen ihre Ehe mit Harvey bloßstellt, enthält durchaus viel Witz. Nach ihr reihen sich auf gelungene Weise auch die Nebencharaktere der Alma ein, welche sich dann doch nicht als tot herausstellt und charakterlich sehr verzweifelt und verletzlich wirkt. Aber auf der anderen Seite durchaus selbstbewusst in Erscheinung tritt und offenbar mit der Opferrolle gut zu spielen weiß. Dazu kommt auch noch der Charakter von Orsons Mutter Gloria ins Spiel. Eine schrullige alte Dame, mit Sinn für Humor, dachte ich erst. Doch auch hier sollten sich noch weitere Seiten im charakterlichen auftun. Mit undurchsichtigen Charakteren, die sowohl Charme als auch Boshaftigkeit ausstrahlen können, lässt es sich dann spielend einfach den Zuschauer an der Nase herumführen. Mir gefällt das sehr gut, wenn ich nicht gleich erahne, wohin es mit den eingebrachten Personen hinausläuft.
Doch auch storytechnisch muss man punkten und das gelingt den Autoren hier im Staffelgeheimnis mit effektiven Wendungen bravourös. Anfangs scheinen Bree, Alma und die ermordete Flugbegleiterin Monique als klare Opfer. Orson der neue Mörder in der Wisteria Lane. Carolyn als Heldin, die alle aufklärt. Und irgendwo mischt Mike ebenfalls noch als Verdächtiger im Bunde mit. Es überzeugt mich einfach sehr, wie man den Handlungsbogen dann ganz anders verlaufen lässt. Die große Geheimnisfrage steckt ja darin, wer die beiden Frauen Alma und Monique ermordet hat. Aber auch darin, was es mit Orson selbst genau auf sich hat. Und warum Mike da mit verdächtig ist. Wer Monique überhaupt ist, ist ebenfalls interessant herauszufinden. Viele, viele Fragen, die nach und nach belichtet werden ohne, dass der Zuschauer sie sofort erraten kann. Besonders die dann wieder auftauchende Alma überrascht sehr und ab dann wird es so richtig rätselhaft bei der Frage was Sache ist. Der Zuschauer wird quasi dazu gezwungen der Story zu folgen und so stelle ich mir ein gutes Staffelgeheimnis vor. Bree wird in das Ganze ziemlich schwarzhumorig eingestrickt. Im Grunde ist es sie, die sich das Unglück immer wieder häppchenweise Nachhause oder in die Umgebung der Wisteria Lane holt. Schwindelerregend schnell heiratet sie Orson, gibt Carolyn Informationen, die zur Eskalation führen. Oder heißt auch Gloria und später Alma willkommen. Es ist amüsant dem zu folgen und Bree brachte mich wirklich oft in dieser Season zum Lachen. Sei es die Frage vor dem Altar, ob Orson nicht eventuell doch Alma ermordet habe. Oder auch ihr verbissene Aktion Mutter Gloria und Sohn Orson versöhnlich zu vereinen. Am meisten freut es mich bei Bree sie in Momenten zu erleben, in denen sie so untypisch handelt. Also aus ihrem Schema herausbricht und etwas veranlasst, was man von ihr nicht erwartet. Ein Highlight ist ihre schlagfertige Weise Alma gegenüber, nachdem diese mit Orson den Sex erzwungen hatte, inklusive des Abtransportes Orsons per Schubkarre. Letzteres hätte ich ja zu gern gesehen. Schade, dass man dies nicht mit einbrachte.

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Schön ist auch die Wiederkehr Andrews, der wie ausgewechselt scheint, nach seiner Erfahrung auf der Straße. In einem schönen Dialog mit Bree erhält man mehr Einblick, weswegen er zuletzt so dermaßen rebellierte. Diese Rolle scheint an Danielle diesmal übergegangen zu sein, die jedoch mehr nervig anstatt überzeugend ist wie einst Andrew. Susan nimmt auch noch eine kleinere Rolle in der großen Storyline ein rund um Orson. Hauptsächlich durch ihre Gefühle zu Mike, den sie einfach nicht in Haft überlassen kann. Susan gefiel mir in Staffel eins schon sehr gut in der Verstrickung im Staffelgeheimnis. Doch zugegeben ist es bei Bree noch ein Tick interessanter. Bree bringt durch ihre steifere Art, dann in schockierenden und spannenden Momenten, überraschendere und auch mehrere Emotionen zum Ausdruck. Susan kommt da zwar meist tollpatschig zur Geltung aber wie die typische Detektivin, dennoch ziemlich professionell. Bereichernd und emotional mitreißend finde ich die Überschneidung der beiden Situationen von Bree und Susan, die dann in einer unschönen Auseinandersetzung landen und die Freundschaft der beiden Housewives auf die Kippe stellt. Sowohl Susan kann man verstehen, die Mike retten will, einfach weil sie ihn liebt. Auf der anderen Seite Bree, die Orson nicht aufgeben möchte. Ja, die Männer bringen Frauen schon oft genug in rasende Momente aber ist ja umgekehrt auch nicht anders.
Die Storyline überzeugt mich aber am meisten durch den Spannungsbogen, der schon seit dem Finale zur zweiten Staffel anfängt und erst zur Auflösung des Geheimnisses abgrundet wird. Dazwischen passieren ja wirklich krasse Dinge, allen voran natürlich Carolyns Schießerei im Supermarkt, was schockt und das Highlight darstellt. Dann das Zusammenspiel von Gloria und Alma bei ihrer Vergewaltigung an Orson oder Gloria dann am Ende selbst mit der Idee Bree in der Badewanne zu ermorden. Die Auflösung mit Gloria als Mörderin ist dann absolut krass. Vor allem die Motive dazu sind wirklich arg. Das eine Gebot "du sollst nicht Ehebrechen" nimmt so sehr dermaßen ernst, sodass sie das wichtigere ("du sollst nicht töten") völlig außer acht lässt. Ich denke die Frau ist einfach nicht mehr ganz fit in der Birne. Denn religiösen Antrieb will ich da nicht hinein interpretieren, weil das sonst völlig absurd und widersprüchlich wäre. In der Heldenrolle als Brees Retter hätte ich erst eben Carolyn gesehen, doch weit daneben getippt. Gerne hätte ich dann Susan oder Andrew in diesem Part gehabt. Doch um es schön edel zu gestalten, darf Orson dann die Krone des Helden auf sich nehmen. Ein unerwarteter Ausgang, das gebe ich gerne zu. Mikes Sache zur richtigen Zeit am falschen Ort zu sein, hat durchaus die Spannung gesteigert. Die Autoren wussten schon ganz genau, wie man die Sache weiter rätselhaft machen konnte. Mikes gezeigte Emotionen und seine Reaktion waren wieder ein bisschen holzig und typisch für ihn. Doch empfinde ich jetzt nicht unbedingt als störend hierzu, da mehr Dynamik aufkam.
"Ich versuche ihm zu sagen, dass gegenüber von uns ein Monster wohnt. Doch immer stellt er mich als die Böse hin."
Lynette wird in Staffel drei durchgehend mit tollen Storylines versorgt und kann richtig toll hervorstechen. Ähnliches gilt für Tom, der so gut wie in jeder der Handlungen eingebaut wird. Ihre Ehe wird seit dem Serienbeginn wie ein roter Faden stets weiter beleuchtet, was auch in Staffel drei sehr im Fokus steht. Zusammen ergeben die Beiden ein interessantes Paar ab, mit dem man sehr viel mitfiebert, ob es Bestand haben wird bei all dem Stress. Mir gefällt es sehr gut, dass man die Scavo-Ehe noch mehr näher bringt und wir vor allem von Tom mehr Einblick erhalten in seine Emotionen und Lebensziele. Wie er sich an der Seite von Lynette fühlt, sich mit dem unehelichen Kind Kayla arrangiert und dessen überdrehten Mutter Nora. Dazu nimmt auch die Erfüllung seines Traumes der Pizzeriaeröffnung viel Raum ein im Verlauf der Season. Tom wird nach wie vor als Pantoffelheld dargestellt, obwohl er in wütenden Momenten zumindest ein wenig das Ruder an sich reißen kann. Aber Lynette ist da immer bissiger und ihm überlegen. Es gibt viele Streitereien und Vorkommnisse die zeigen, dass die Scavos mit ihrer Ehe stets auf ziemlich dünnen Eis unterwegs sind. Als Zuschauer ist man direkt beteiligt an der Achterbahnfahrt der Beiden und fragt sich nicht selten, ob eine Ehe wirklich so viel Schweres beinhalten muss und ertragen kann?

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Neben den verstärkt näher gebrachten Scavo-Ehe stehen die Kinder noch ein wenig im Hintergrund. Gerne wird mit diesen eine Story umgesetzt, die sich an die Haupthandlung der Eltern anpasst. Das fiel mir zum Beispiel in der Situation von Parker auf, der nicht mehr Baseball spielen möchte und von Lynette mit harter Hand dazu gedrängt wird. Hier ist die Anspielung zu Tom`s Situation ganz schnell deutlich, der in diesem Moment seinen Traum an Berufung sich greifbar machen will. Lynettes Motivation zu verhindern, dass ihre Kinder ähnlich in weichgesottener Form durchs Leben laufen könnten, kommt da zum Vorschein. Eine richtig tolle Bereicherung bei den Scavos stellt es dar, Nora mit Kayla einzubringen, was die erste überzeugende Storyline definiert. Das sah man im Ausblick auf diese Staffel zukommen, dass dies Druck für die Scavos bedeutet. Die schrille, aufgekratze Nora, die mit Lynette wenig gut klar kommt. Die sich einfach mit der Tochter Kayla inmitten der Scavos reinplatziert, das versprach reizvolle Szenen. Vorallem für Tom versprach dies ein Wechselbad der Gefühle, da er es irgendwie beiden Seiten recht machen musste. Momente mit viel überzeugenden Wortwechsel und einem überforderten Tom inmitten von zwei eher zickigen Gemütern sind die Folge hierzu. Die ganze Sache ergibt um die Scavos sehr viel Fahrt und als Nora gegen die Scavo-Ehe sabotiert und von Lynette beinahe einen Kreuzbruch erleidet, kommen sehr kriegerische Zustände zur Geltung, die ich erwartet habe. Den Höhepunkt stellt dann die Geiselnahme im Supermarkt dar, die für Nora ein böses Ende bedeutet. Hier zeigt sich die Serie von der sehr dunklen und harten Seite. In welcher Weise Carolyn Nora über den Haufen schießt, der Kommentar dazu, ebenso der Blick, das hat wirklich sehr viel schwarzen Humor inne. Und Lynette hat indirekt klar dazu beigetragen, mit einer Enthüllung zum falschen Zeitpunkt, wobei ja Nora damit anfangen musste. Für mich setzt die Lynette-Nora-Szene im Supermarkt einen der dramatisch gelungensten Höhepunkte der Staffel dar. War dabei einfach krass geschockt, dass man mit so konsequenter eiskalter Hand, den Charakter der Nora aus der Serie pfefferte. Klar traurig-schockierend aber auf der anderen Seite aber auch irgendwo beeindruckend von der Machart. So hat man die Story um Nora auf gelungene Weise nicht zu weit ausgedehnt und erinnerungswürdig zu Ende gebracht. Nur unverständlich blieb mir da Lynettes Verarbeitung zur Sache. Von großen Schuldgefühlen ist da im Anschluss nichts bei ihr zu spüren. Sie macht da sogar noch Witze ob Nora wohl nun im Himmel sei. Die Frau ist wirklich eine harte Nuss kann man behaupten.
Lynette bereitet auch dem Umfeld Leid, kann man behaupten, was die nächste Storyline zudem verdeutlicht. Hierbei bin ich dann doch wieder überrascht zu sehen, wie hart diese Frau eigentlich ist. Ich spreche natürlich von der sehr spannenden Storyline um Art Shepherd mittendrin der Staffel, in die Lynette besonders in den Mittelpunkt verstrickt wird. Einen Schock bekam ich als man in Arts Keller all diese Fotos der Kinder zu sehen bekommt. Er wirkt als Person so gediegen und sympathisch und dann dieses Laster. Und die Autoren gingen hier sehr clever vor, damit der Schock noch gesteigert wird. Erst wird Art als Held in die Serie eingebracht, bei dem man schon dazu neigt ihn sympathisch zu finden. Man ist ihm dankbar, dass er Lynettes Leben rettete, dazu sich so liebevoll um seine kranke Schwester kümmert. Und plötzlich wird alles überschattet durch seine angebliche Pädophilie. Ich hoffte, dass das ganze als Irrtum aufgelöst wird, indem Lynette falsche Schlüsse zog und die Nachbarschaft falsch handelte. Aber leider bestätigt sich am Ende noch die Theorie, dass Art ein Pädophiler ist, da er es selbst von sich preisgibt. Einen richtigen Beweis an sich gibt es zum Glück nicht zu sehen, aber so wie er sich ausdrückt ahnt man da sehr Unschönes. Das Opfer wurde ausgerechnet die arme kranke Schwester von Art in der gewagten Story. Ich finde es schade, dass man Art nicht im weiteren Staffelverlauf nochmals zur Geltung brachte und dies mit einer Festnahme von den Behörden gipfelte. So hat es den bitteren Beigeschmack, dass Lynette einen ganz bösen Fehler machte. Derweil empfinde ich hier die Behörden als sehr unbesonnen. Klar ist man erst mehr auf Beweise angewiesen, dennoch hätte zumindest eine Überprüfung folgen müssen. Denn ich denke nicht, dass man einfach so jemanden als pädophile Person bemüht hinzustellen, wenn man nicht einen deutlichen Fingerzeig dazu bekommt. Am besten gefallen hat mir bei der Art-Storyline, dass soviele Nachbarn dann mitmischen und das auf imposante Weise so ein großes Gemeinschaftsgefühl in der Wisteria Lane zur Geltung bringt. Sonst sahen wir bislang öfters die vier Protagonistinnen in geheimnisvollen Fragen zusammen agieren aber viele Nachbarn zusätzlich äußerst selten.
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Samuel W. - myFanbase
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