Staffel 4 - Stagnation auf sehr überzeugenden Niveau

Erstaunt stellte ich an dieser Stelle fest, wie gut es zur Geltung kommt, wenn man anstatt 23 oder 24 Episoden lediglich 17 für eine Staffel nutzt. Das wurde natürlich nicht ganz freiwillig umgesetzt durch den damaligen Autorenstreik. Dennoch ist es eine effektive Maßnahme und meiner Meinung nach könnte man das ruhig immer so machen. Nun ist nämlich kein Platz für Füllerstorys oder unnötig wirkende Streckungen der Geschichten. Man merkt das Bemühen der Serienmacher, alles Wichtige in der Staffel präsent zu machen und gut abzurunden. Somit ist man mit der Qualität und der Geschlossenheit beinahe auf dem Staffel 1 - Niveau zurückgelangt. Aber nur beinahe, da man das Schema der Serie schon kennt und es daher nicht mehr so frisch wirkt. Insbesondere das Staffelgeheimnis ist dieses Mal leichter zu durchschauen. Doch insgesamt ist es ein düsteres, emotionales Geheimnis, das man den Zuschauern hier präsentiert.
Konsequenter Verlauf nach Ausschreitungen

© 2008 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved.
Ich will mal mit der biestigen, verruchten und manipulativen Edie starten. Traurig empfinde ich es irgendwo, zu sehen, dass man Edie so schnell in die alte charakterliche Form gebracht hat. Von der sympathischen Edie, die einfach mal mehr mit einem Mann aufbauen will, nämlich mit Carlos aus dem letzten Teil der Staffel 3, ist nicht mehr viel zu sehen. Sehr makaber wird ihr Selbstmord-Versuch, der Cliffhanger zum Staffelwechsel, aufgelöst. Makaber, da ein Streit über Mülltonnen sie dann doch beinahe das Leben gekostet hätte. Dabei wollte Edie nie sterben, sie wollte nur in Carlos Schuldgefühle wecken, was eine sehr krasse Aktion ist, um ein Mann an sich zu binden. Edie wirkte bislang oft recht kühl, abgebrüht und so überzeugt von sich und ihrem Leben. Doch Carlos hat es ihr so richtig angetan, sodass sie mit allen Mitteln versucht, ihn bei sich zu haben. Dabei geht sie jedoch einfach falsch vor. Wie kommt sie auch darauf, dass Lügen und Intrigen, dazu Fiesheit, Liebe in einem Partner (neu) erwecken soll? Da handelt Edie wirklich unbesonnen aus reiner Verzweiflung. Kreativ ist die Gute ja durchaus, denn immer wieder fällt ihr eine neue Fiesheit ein, die sie dann auch eiskalt durchführt. Aber für die Liebe ist das einfach kein Mittel um diese erneut in Carlos zu entfachen.
Im weiteren Staffelverlauf wird Edie aber nicht wirklich schlauer, denn sie intregiert weiter bis sich die Balken verbiegen. Von Carlos nimmt sie dann zwar unfreiwillig Abstand, aber dann nimmt sie schon den nächsten verheirateten Mann ins Visier. Wieso kann sich Edie nicht einfach mal eigene Männer suchen? Übt das einen besonderen Reiz auf sie aus, die Männer ihrer Freundinnen zu verführen? Oder hat sie einfach schon alle Männer rund um die Wisteria Lane gehabt? Ich denke, das kann man wenig nachvollziehen. Hier merkt man einfach eher die Bestrebung der Autoren, immer wieder neue Konflikte einbringen zu können. Mit einem recht scharfen Charakter wie Edie, die sehr schlagfertig und eben fies wirkt, klappt das auch. Nach Streitigkeiten mit Susan und Gabrielle wird nun Bree diese Ehre zuteil. Beide Frauen sind ja ziemlich gerissen, wenn es um Intrigen und Boshaftigkeiten geht. So lächelte ich natürlich, als man zu sehen bekommt, wie Bree Edies Immobiliengeschäfte sabotiert. Umgekehrt widerfährt einem ein Schauer, als man zusieht, wie eiskalt Edie darin agiert, jemanden zu erpressen. Manche haben da vielleicht doch ein schlechteres Gewissen oder eine gewisse Sensibilität auf Lager, aber nicht Edie. Im Kampf ist die Frau beeindruckend, doch diesmal gibt es die Quittung für sie. Die schon kurz erwähnte Konfrontation mit den Hausfrauen und Edie würde ich als eines der Highlights der Staffel nennen. Es ist recht emotional inszeniert, denn man versteht Susan, Bree, Gabrielle und Lynette sehr gut. Okay, Lynette hatte noch keinen größeren Stress mit Edie, doch sie zeigt sich da eben solidarisch. Man kann also verstehen, dass sie genug von Edies Ausschreitungen haben und ihr eine Grenze setzen wollen. Doch gleich auf diese heftige Weise, das steckt auch eine Edie nicht so einfach weg. Komisch, aber in dem Moment hatte ich doch Mitleid mit Edie, die doch auch immer Freundinnen gewinnen wollte. Aber auf diese Weise klappt es halt nicht. Und jeder weiß ja, dass man sich besser die eigenen Partner suchen soll und nicht die Ex von Freunden. Wobei man diesen Punkt sicher ausführlich diskutieren könnte.
Kriegerische Ausmaße und dessen Folgen

© 2007 American Broadcasting Companies, Inc.. All rights reserved
Schon zum Ende der vorherigen Staffel, blickte ich mit großen Erwartungen der Fortsetzung im verkomplizierten Gespann Victor-Gabrielle-Carlos-Edie entgegen. Die große Storyline dominiert nun auch sehr die erste Hälfte von Staffel 4 und nimmt ein sehr spannendes Ausmaß an. Das konnte deswegen funktionieren, da man den Charakter des Victors mit einer gewissen Unberechenbarkeit geschrieben hat. So ist die neue Zusammenkunft von Gabrielle und Carlos alles andere als harmonisch. Mir gefällt, wie man Stück für Stück vorgeht, um auf die große Eskalation hinzuarbeiten und es werden besonders von Gabrielles Seite herrliche Spitzen gegen Edie geschossen. Carlos und Gaby in der heimlichen Affäre zu erleben, ist irgendwie auch ironisch und seltsam. Ich musste beispielsweise Schmunzeln in dem Moment, als Carlos sich im Schrank verstecken muss. Carlos steht da nun an der Stelle von John und weist ähnlich wie er einst sensible Seiten dazu auf. Er sieht schließlich ein, dass diese Weise falsch ist und sie ehrlich sein sollten gegenüber Edie und Victor. Doch zu spät ist es da bereits, denn Edie erkennt ja schnell, was hinter ihrem Rücken abläuft. Und Victor darf dank Edie auch vom Betrug seiner Gaby mit Carlos auf der anderen Seite erfahren.
Tja und dann kommt es zu den heftigen Momenten mit Victor und Edie. Sei es der Bootsausflug mit Victor, der nicht ohne Gewalt auskommt oder dann zur Tornado-Katastrophe Gabys Kampf mit Edie, der für die Solis' eine noch viel größere Katastrophe als den Tornado bereit hält: Kein Geld mehr, da die wichtigen Papiere im Sturm hinfort gerissen werden. Die Eskalation des Handlungsbogens finde ich toll gelöst, weil es so spannend ist mit Victors Neigung zu Gewalt und Mord. Er schreckt nicht zurück und wird den Solis' sehr gefährlich, was das temperamentvolle Paar in die Klemme bringt. Der Tornado kann da für die Zwei als "Glücksfall" bezeichnet werden, da er für Victor das Ende bedeutet. Der Moment, in dem Victor von einer Zaunlatte durchbohrt wird, ist wirklich heftig. Ungeschoren kommen die Solis' aber auch nicht davon, da ja Carlos erblindet und das Geld erst einmal futsch ist und Gaby nichts von Victors Nachlass vererbt bekommt. Eigentlich ist nur Edie recht fein aus der Sache rausgelangt, allerdings mit dem Verlust ihres geliebten Carlos.
Sehr gut ist, dass die Autoren nicht müde darin wurden, den Solis' weitere gute Storylines zuzuordnen. Die Blindheit Carlos' und Gabys Arrangement hierzu wird sehr gut an den Zuschauer herangetragen. Das muss eine sehr große Veränderung sein und ich finde es gut, dass auch die Ängste und Bedenken beider Eheleute thematisiert werden. Auf Gabys Seite zwar verstärkt wieder auch mit fieseren oder eigennützigen Maßnahmen, aber man muss der Frau auch stark die charakterliche Reifung anerkennen. War sie früher fast nur egoistisch auf ihren Vorteil bedacht, ist nun die Fürsorge einem anderen Gegenüber sehr gewachsen. Sie hält an Carlos fest und steht ihm bei, was echt viele süße Momente ergibt. Carlos' Blindheit wird in einem angenehmen und ziemlich emotionalen Rahmen thematisiert und von einer erneut spannenden Story abgelöst. Die Drogen-Dealerin Ellie Leonard einzubringen, die Ärger ins Solis-Haus bringt, ist ein cleverer Einfall. Hier gefällt mir vor allem, dass die Darstellerin Justine Bateman sehr sympathisch spielt. So war ich mir auch lange nicht sicher, wie man mit der Frau umgehen sollte. Klar sie dealt mit Drogen, was keine gute Sache ist, dennoch ist sie nett und fürsorglich, sodass man sie ungerne verpetzen und der Polizei ausliefern möchte. Wild ist ja ihr Ableben am Ende durch den eiskalten Wayne Davis. Da tat mir Ellie wirklich Leid, auch wenn es für die Solis' Entlastung bedeutet und sie so an eine Menge Geld kommen. Ja mit den Storys rund um die Solis' kann man in Staffel 4 ganz happy sein. Durchgehend bleibt es interessant, viele lustige wie auch emotionale und spannende Szenarien kommen hervor.
Zu Teil 2 der Staffel-4-Review von "Desperate Housewives"
Zu Teil 3 der Staffel-4-Review von "Desperate Housewives"
Samuel W. - myFanbase
Kommentare
Links
Meistgelesen
Aktuelle Kommentare

02.04.2025 20:00 von Lena
News: "Grey's Anatomy" sichert sich Trevor Jackson für Staffel 21
Extrem interessantes Casting, ich mochte ihn als Aaron... mehr
04.04.2025 21:20 von Chilli_vanilli
Pulse: Pulse
Na schon jemand reingeschaut? :)Aktuell läuft Episode 2... mehr