Bewertung
Gil Kenan

City of Ember - Flucht aus der Dunkelheit

"Wir geloben ewig Treue zu unserer Stadt. Wir erklären den Erbauern unseren Dank, denn sie haben diesen Ort mit großer Sorgfalt ausgewählt. Wir gedeihen über unserem mächtigen strömenden Fluss. Wir erblühen dank der Kapazität unseres mächtigen Generators, welcher in unserer Mitte schlägt wie ein wundervolles Herz. Fern von Ember erstreckt sich Dunkelheit grenzenlos in jede Richtung. Unser Licht ist das einzige in der Dunklen Welt."

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Inhalt

Millionen Glühbirnen sind das Licht und um sie herum ist nur Dunkelheit. Die Bewohner von Ember haben keine Ahnung, dass es fernab der riesigen Höhle in der sie leben, eine Welt gibt, in der Licht nicht aus Lampen kommt und in der man sich keine Sorgen um einen Generator machen muss. Mehr als 200 Jahre ist es nämlich her, da die Welt vor ihrer größten Bedrohung stand und einige Menschen es für das Beste hielten, ihre Angehörigen, Freunde und sich selbst in einer riesigen Höhle in Sicherheit zu bringen. Alles sollte für die Zeit von 200 Jahre sein und dann sollten die Überlebenden mit Hilfe einer Karte den Weg in die Freiheit finden. Doch unglückliche Umstände sorgten dafür, dass von dieser Karte niemals jemand erfuhr, bis die neugierige Lina (Saoirse Ronan) und ihr Freund Doon (Harry Treadaway) diese in die Hände kriegen und nun hoffen, die Stadt, die kurz vor der entgültigen Dunkelheit steht, zu retten.

Kritik

Was bringt Menschen dazu, in diese Dunkelheit zu ziehen? Ihre Familien mitzunehmen und in eine Stadt zu ziehen, die weit unter der Erde liegt und aus der man Zeit seines Lebens nicht mehr herauskommt? Das mag man sich zu Beginn des Films fragen, doch eine Antwort bekommt man nicht. Kein Weltuntergangsszenerio, kein großer Weltkrieg, keine Naturkatastrophen, nichts. 200 Jahre später ist es nur noch ein Mythos - eine Gerücht -, dass es einen blauen Himmel gibt. Die Menschen haben sich an ihr Schicksal gewöhnt, doch die Rebellion steigt langsam. Die Zeit der Stadt scheint abglaufen, fällt der Strom doch immer wieder aus, wird die Nahrung doch immer knapper und die Rohre halten auch nicht mehr lange.

Es ist eigentlich fast traurig, dass der Film mit einem Budget von 66 Mio. US-Dollar weltweit bisher nur knapp 14 Mio. einspielte und damit als Flop in die Kinogeschichte eingehen wird. Denn obwohl "City of Ember" keineswegs ein Meisterwerk ist und selbst an Filme des gleichen Schlages wie "Narnia" oder "Brücke nach Tarabithia" nicht herankommt, so hat er trotz weniger Höhen und großer Tiefen ein solches Abschneiden nicht verdient. Ebenfalls aus einem berühmten Buch adaptiert erzählt "City of Ember" die etwas andere Überlebensgeschichte einiger Menschen, die nun um ihr Leben kämpfen müssen. Und am Anfang muss man sagen, ist da wirklich eine richtig gute Inszenierung, die wir sehen. Die Dunkelheit ist pechschwarz, das Licht immer künstlich und die Straßen und Häuser wirken wie es für eine solche Stadt sein sollte. Auch die Story ist zu Beginn einfach nur wunderbar originell, beginnt der Film für unsere beiden Hauptcharaktere, Lina und Doon, mit der Berufswahl. Denn während hier heutzutage mit Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen, Studium oder sonst etwas der Weg für die berufliche Zukunft geebnet wird, ist es in Ember ein Griff in einen Beutel des Bürgermeisters, der darüber entscheidet, ob man nun ein Postbote oder ein Rohrarbeiter wird. Die Originalität setzt sich auch weiterhin im Film durch, wenn immer wieder die skurrilsten Figuren, wie Bürgermeister Cole, oder sein Bodyguard auf der Leinwand erscheinen.

Doch während die Story sich immer weiter zu einer Schnitzeljagd à la "Illuminati" für Kinder heranreift und die Bedrohung der Dunkelheit dabei immer größer wird, geht leider die Originalität verloren. Die neuen Kulissen werden zwar immer gewaltiger und die Lina und Doon kommen immer weiter dem Geheimnis von Ember auf die Spur, doch dabei verliert der Film leider seinen Charme der ersten halben Stunde. Da können dann auch weitere Auftritte der wunderbaren Nebenfiguren und ein meterhoher Maulwurf nur noch wenig retten. Was bleibt ist eine spannende Grundstimmung und nach 90 Minuten Film das Gefühl, seine Zeit zumindest nicht komplett verschwendet zu haben.

Für Jungschauspielerin Saoirse Ronan, die mit ihrer großartigen Darstellung der jungen Briony in "Abbitte" für einen Oscar nominiert wurde, war dies die erste große Hauptrolle in einem potenziellen Blockbuster, der immerhin sogar von Tom Hanks mitproduziert wurde. Ihrer schauspielerischen Leistung ist es nicht zu verdanken, dass der Film so hinter den Erwartungen zurückblieb. Denn Saoirse ist gut. Dennoch ist es ihr noch nicht möglich, den ganzen Film zu tragen, was sie aber auch nicht muss. Ihr Filmfreund Harry Treadaway dürfte dem Publikum dabei noch weitgehend unbekannt sein. Neben der großartigen Saoirse weiß er gut zu überzeugen, auch wenn sein Spielen manchmal etwas übertrieben wirkt. Dennoch haben die beiden Jungschauspieler eine wunderbare Chemie auf der Leinwand. Ein wahres Highlight im Film ist aber Bürgemeister Cole, dargestellt von Bill Murray, der einfach herrlich ist. Murray schafft es dabei, einen Charakter mit mehr Ecken und Kanten zu kreieren, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Auch Oscarpreisträger Tim Robbins überzeugt in seiner kleinen Nebenrolle, auch wenn wir doch alle wissen, dass er das besser kann.

Fazit

Was großartig beginnt endet leider in einem mittelmäßigen Science-Fiction-Möchtegern-Abenteuer, das Kinder durchaus überzeugen könnte, aber leider doch sehr kurzlebig bleibt.

Eva Klose - myFanbase
07.03.2010

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