Nichts als die Wahrheit
Was, wenn einer der grausamsten Mörder der Geschichte beschließt, sich für seine Taten vor einem Gericht verantworten zu wollen?
Inhalt
Der aufstrebende junge Anwalt Peter Rohm (Kai Wiesinger) befasst sich in seiner Freizeit besonders gerne mit Geschichte. Vor allem Dr. Josef Mengele, der als "Todesengel von Auschwitz" in die Geschichte einging, hat es ihm angetan. Rohm sitzt gerade an einem Buch über den diabolischen Arzt, der im Nationalsozialismus verabscheuungswürdige Versuche an Menschen im Konzentrationslager von Auschwitz durchgeführt hatte, doch so recht will er nicht vorwärts kommen.
Eine Tages wird Rohm von einem geheimnisvollen Verleger nach Argentinien entführt, wo er schließlich etwas Unfassbares erlebt: Er trifft auf sein Studienobjekt höchst persönlich. Anders als vermeldet starb Mengele nicht bei einem Badeunfall in Brasilien, sondern setzte sich nach Argentinien ab. Nun, mit über achtzig Jahren und todkrank, will er sich nicht länger verstecken und in seine alte Heimat Deutschland zurückkehren. Vor Gericht will er sich zu seinen Taten äußern und Rohm soll ihn verteidigen. Rohm gerät in eine moralische Zwickmühle: Kann man einen bestialischen Massenmörder ohne Reue und Gewissen wirklich unvoreingenommen verteidigen?
Kritik
Der Film dreht sich um eine interessante Frage: Würden wir heute mit all unserem geschichtlichen Wissen über den Nazionalsozialismus einen der Verantwortlichen für den Mord an Tausenden von Menschen gegenüberstehen, wie würden wir dann reagieren? In einem demokratischen Rechtsstaat hat jeder Mensch das Recht auf eine Verteidigung und gilt solange als unschuldig, bis seine Schuld in einem fairen Prozess bewiesen ist. Doch kann es tatsächlich einen fairen Prozess für eine Person wie Josef Mengele geben? Nach all dem, was wir über seine Person wissen, ist es schwierig, nicht voreingenommen zu sein. Doch wie im Film angeklungen muss im Angesicht des Gesetzes jedes Vorurteil beiseite geräumt werden, so dass Anwalt Rohm letztendlich die richtige Entscheidung trifft und die Verteidigung Mengeles übernimmt. Doch damit beginnt das moralische Dilemma für die Charakter und für den Zuschauer erst.
Götz George brilliert dabei in der Rolle des Dr. Mengele und spielt eindrucksvoll den alten, verbitterten Mann, der sich als Opfer der damaligen Zeit sieht. Doch spätestens dann, wenn er seine grausamen Morde als humanistische Dienste im Sinne der damaligen Medizin zu rechtfertigen beginnt, wird das Monster hinter dem faltigen Gesicht sicht- und für den Zuschauer spürbar. Doch bis auch Rohm zu der Erkenntnis kommt, dass jemand wie Mengele Absolution für seine Taten nicht verdient hat, wird er selbst Opfer der nationalsozialistischen Propaganda und des manipulativen Geschicks seines Mandanten. Plötzlich werden Erklärungsversuche des alten Mannes nachvollziehbar und selbst der Zuschauer tappt beinahe in die propagandistische Falle.
Obwohl historisch nicht immer korrekt, bietet der Film einen kongenialen Einblick in die Psyche eines Mannes, der Moralvorstellung und Gewissen längst über Bord geworfen hat. Die Figur des "Dr. Josef Mengele" dient den Filmemachern dabei lediglich als Paradebeispiel, an dem die Suche nach der Wahrheit eindrucksvoll durchexerziert werden kann. Wie unsere Gesellschaft über 60 Jahre nach dem Fall des nationalsozialistischen Regimes in solch einem spektakulären Fall handeln würde, kann auch der Film nicht klären. Er bietet lediglich eine Möglichkeit, mit der ich mich jedoch sehr gut anfreunden kann.
Bis heute ist der Film einer meiner Lieblingsstreifen, denn neben Spannung und Originalität bietet er für jeden Zuschauer die Möglichkeit, selbst Gewissenserforschung zu betreiben und führt einem eindrucksvoll vor Augen, wie empfänglich man auch heute noch für große Rhetoriker ist, die mit Worten barbarische Taten beschönigen und eloquente Reden schwingen.
Rohm kriegt am Ende gerade noch rechtzeitig die Kurve und erkennt, dass Mengeles Taten im Kontext der damals vorherrschenden nationalsozialistischen Gesinnung zwar eine andere Bedeutung hatten als Jahrzehnte später, als das Ausmaß und die Perversität der damaligen politischen wie moralischen Vorstellungen bekannt und gut diskutiert ist. Doch er macht auch klar, dass Mengele als Mensch Verantwortung für seine Taten zu tragen hat, Umstände hin oder her.
Fazit
Ein grandioser Film, der zum Nachdenken anregt und moralische Fragen anreißt, die die eigene Empfänglichkeit für große Rhetoriker unter Beweis stellt. Auch wenn hier alles nur ein "Was wäre wenn..."- Szenario darstellt, ausgedacht von kreativen Drehbuchschreibern, so sollte der Film eigentlich in keinem Geschichtsunterricht fehlen. Hier gibt es einiges zu lernen, nicht zuletzt auch über sich selbst.
Technische Details
Format: PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Capelight Pictures
Erscheinungstermin: 12. März 2010
Produktionsjahr: 1999
Spieldauer: 128 Minuten
Melanie Wolff - myFanbase
16.06.2010
Diskussion zu diesem Film
Weitere Informationen
Originaltitel: Nichts als die WahrheitVeröffentlichungsdatum (Deutschland): 23.09.1999
Veröffentlichungsdatum (DE): 23.09.1999
Länge: 128 Minuten
Regisseur: Roland Suso Richter
Drehbuchautor: Johannes W. Betz, Christopher Riley, Kathleen Riley
Genre: Drama
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Darsteller/Charaktere
Götz George
als Dr. Josef Mengele
Kai Wiesinger
als Peter Rohm
Karoline Eichhorn
als Rebekka Rohm
Doris Schade
als Hilde Rohm
Peter Roggisch
als Heribert Vogt
Bastian Trost
als Felix Hillmann
Carole Piguet
als Babette Didic
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