Bewertung
Craig Brewer

Footloose (2011)

There comes a time to cut loose.

Foto: Copyright: Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Inhalt

Ein Autounfall vierer Jugendlicher, die auf dem Heimweg einer Party waren, erschüttert das südstaatliche Nest Bomont in Tennessee. Ab sofort gelten dort strenge Gesetze für Jugendliche, die nachts nicht lange ausgehen dürfen und zudem herrscht ein allgemeines Tanzverbot zu lauter Rockmusik. Reverend Shaw Moor (Dennis Quaid) setzt sich für das Einhalten der Gesetze ein, während diese auf seine Tochter Ariel (Julianne Hough) und anderen Teenagern auf rebellischen Unmut stößt. Als Ren MacCormack (Kenny Womland) nach dem Tod seiner Mutter von Boston nach Bomont zieht, kommt er als begeisterter Tänzer mit den strikten Regeln nicht zurecht und immer wieder in Ärger.

Kritik

Wann ist die Rechnung mit den Remakes richtig erfolgreich aufgegangen? Höchst selten, was aber Regisseur Craig Brewer nicht davon abgehalten hat, sich an die Neuverfilmung des Klassikers aus dem Jahre 1984 zu wagen. Vorweg gesagt, ich kenne das Original nicht und daher keine Vergleichsmöglichkeiten.

Dabei fängt es schon mit den oberflächlichen Charakteren an, mit denen sich kaum jemand identifizieren kann. Mädchenschwarm Kenny Wormald, ganz im Stile von James Dean, muss nur in die Kamera schauen, um Herzen zum schmelzen zu bringen. Seine Figur ist schon von Anfang an als Sympathieträger ausgelegt und Wormald kann in dieser wenig anspruchsvollen Rolle nicht viel Schauspieltalent unter Beweis stellen. Dagegen sind seine Tanzeinlagen, besonders der Tanz zum Abreagieren in dem Lagerhaus richtig gut gelungen. Ein bisschen mehr davon und weniger schmalziges Auftreten hätten "Footloose" sicher gut getan. Codarstellerin Julianne Hough ist somit sein weibliches Gegenstück. Händeringend versucht man aus ihrem Charakter Ariel ein rebellisches Teeniegirl mit versteckten Gefühlen zu machen, aber mit wenig Erfolg und einigen daraus resultierenden lächerlichen Szenen. Am Ende dient Hough mit knapper Bekleidung und forschem Auftreten lediglich als Hingucker für das männliche Publikum. Somit ist auch kaum verwunderlich, wie die Romanze zwischen Ren und Ariel enden wird, der in Sachen Klischeehaftigkeit kaum zu überbieten ist. Einzig Dennis Quaid schafft es von der Eindimensionalität der Charaktere hervorzutreten und neben seiner Figur als Reverend auch einen überforderten, sich sorgenden Vater darzustellen.

Die Tanzszenen und die Choreographie sind unterhaltsam, wenn auch nicht überwältigend. Mit satten Farben und lautstarker, rockiger Musik wurden die Szenen gut in Szene gesetzt und wirken daher beeindruckender, als sie tatsächlich sind. Mit "Step Up" oder "Save The Last Dance" kann es "Footloose" leider nicht aufnehmen. Trotzdem unterhalten die Tanzeinlagen und sind mit Abstand die Höhepunkte des Films. Fans von Rockmusik werden definitiv auf ihre Kosten kommen. Demzufolge hätte die Musik ruhig länger spielen können, um von den eigentlichen Schwächen abzulenken.

Die Handlung ist dagegen sehr gewöhnungsbedürftig. Da die Story in den Südstaaten spielt, wirkt so ziemlich alles typisch amerikanisch in den 80ern. Der Lebensstil, die immense Wichtigkeit der Kirche, die dem Staat immer mit reinpfuscht und die randalierenden Jugendlichen, die mit Partys und falschem Umgang ihren Eltern das Leben schwer machen. Das America –Feeling tritt auf jeden Fall zum Vorschein, manchmal mehr als einem lieb ist. Schon allein, dass die einzelnen Staaten ihre Gesetze scheinbar willkürlich festlegen und sogar das Tanzen verbieten dürfen, ist wenig vorstellbar. Krampfhaft wird versucht, die Message auf Tanzfreiheit zu verdeutlichen und Rens Engagement ist zwar nett mitzuverfolgen, aber im Endeffekt wirkt die Thematik doch recht aufgesetzt und durch die überschwängliche Rede am Ende erzwungen. Dafür ist der Zwist zwischen Staat und Kirche ein wichtiger Aspekt und sehr glaubwürdig dargestellt.

Abnehmer wird "Footloose" also überwiegend in Tanzfans oder Jugendlichen in einer ähnlichen Phase wie die zwei Hauptcharaktere finden. Daher mögen einem die Dialoge und Streitgefechte sicher bekannt vorkommen, da jeder einmal in der Pubertät war. Doch so lustig und unterhaltsam einige Dialoge sind, so abrupt lässt man sie an anderen Stellen als plumpe Lückenfüller zurück. Da sich der Film hauptsächlich an das Original gehalten und es unserer Zeit angepasst hat, ist fraglich, ob Kevin Bacon und co. in der Originalfassung mehr punkten können. Die Lust auf "Footloose" aus den 80ern hält sich bei mir aber nach diesem Film eher in Grenzen. Und für Brewer dürfte feststehen, dass er an seinen Erfolg “Hustle And Flow“ aus dem Jahre 2005 das nächste Mal nur mit einem guten Drehbuch anknüpfen sollte.

Fazit

Mit coolen Tanzeinlagen, amerikanischen Konventionen aus den 80ern und aufmüpfigen hübschen Darstellern versucht "Footloose" zu retuschieren, was der Film tatsächlich ist. Ein oberflächliches Remake mit stereotypischen Charakteren, den man sich höchstens als Rockfan oder Teenager in einer ähnlich rebellierenden Phase ansehen kann. Mit hohen Erwartungen sollte man aber dennoch nicht an den Film rangehen.

Tanya Sarikaya - myFanbase
14.02.2012

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