Bewertung
Fernando Meirelles

360 - Jede Begegnung hat Folgen

"Ein weiser Mann hat einmal gesagt: 'Wenn ein Weg eine Gabelung hat, dann nimm sie.' Nur hat er nicht gesagt, welche Richtung man einschlagen soll."

Foto: Copyright: 2012 PROKINO Filmverleih GmbH
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Inhalt

Der Film "360" handelt von unterschiedlichen Personen rund um den Globus, welche manchmal glücklich und verliebt sind, manchmal traurig und verletzt, enttäuscht und betrogen werden. Das Geschehen beschreibt Ausschnitte und Beziehungen aus dem Leben dieser verschiedenen Menschen. Jede ihrer Handlungen und Entscheidungen beeinflusst somit den weiteren Verlauf.

Kritik

Der Episodenfilm "360" beginnt gleich mit den weisen Worten "Wenn ein Weg eine Gabelung hat, dann nimm sie" und genau dieser Satz trifft auch auf die Entscheidungen der verschiedenen Personen in "360" zu, denn jeder neue Weg, jede Chance oder Entdeckung hat einen weiteren Entschluss zur Folge.

Zu Beginn des Streifens entscheidet sich Michael Daly (Jude Law), ein Geschäftsmann aus England, der gerade in Wien ist, im letzten Moment gegen eine Nacht mit der slowakischen Prostituierten Blanka (Lucia Siposová), da sein Vorhaben von einem Geschäftspartner durchschaut wurde. So kehrt er zu seiner Ehefrau Rose (Rachel Weisz) nach London zurück, welche selbst nicht treu ist. Sie hat seit längerer Zeit eine Affäre mit dem Fotografen Rui (Juliano Cazarré), dessen Freundin Laura (Maria Flor) von der Liaison Wind bekommt und kurz entschlossen wieder in ihre Heimat nach Brasilien reisen will. Auf dem langen Weg lernt Laura im Flugzeug einen älteren, trockenen Alkoholiker (Anthony Hopkins) kennen, welcher auf der Suche nach seiner jahrelang verschollenen Tochter ist. Als Laura aufgrund eines Schneesturms in Denver festsitzt, lädt sie kurzerhand Tyler (Ben Foster) zu sich ins Hotelzimmer ein, nichts ahnend, dass dieser ein soeben freigelassener Sexualtäter ist. Währenddessen kämpft der muslimische Zahnarzt (Jamel Debbouze) mit seinen Gefühlen für seine noch-verheiratete Assistentin Valerie (Dinara Drukarova). Dessen Ehemann Sergei (Vladimir Vdovichenkov) muss nach Wien fahren, da er als Chauffeur für einen Mafia-Boss arbeitet, und trifft in der Stadt auf Anna (Gabriela Marcinkova), die Schwester von der Prostituierten Blanka. Und somit schließt sich der Kreis wieder.

Mich persönlich hat es positiv überrascht, dass man als Zuschauer trotz der Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren gut mitgekommen ist, welche Person nun mit welchem Charakter verbunden ist und was der Grund für diese Bindung ist. Oft werden in einem Episodenfilm so viele Menschen auf einmal vorgestellt, dass man am Ende oder schon während des Films gar nicht mehr weiß, warum diese Person nun mit diesem Menschen verkehrt.

Trotz der unterschiedlichen Personen erhält man als Zuschauer doch einen guten, wenn auch manchmal an der Oberfläche bleibenden Einblick in deren Gefühlswelt und Denkweise . Während des ganzen Films kann man Mitgefühl für die Menschen auf der Leinwand empfinden und oft genug mitfiebern, was nun als nächstes passieren wird.

Dennoch empfand ich die letzten Szenen in Wien etwas fehl am Platz. Mir persönlich erschien es, als wollte man dieses gut inszenierte und umgesetzte Drama in den letzten Minuten in einen spannungsgeladenen Thriller umwandeln, indem man die Prostituierte Blanka mit dem Mafia-Boss in ein Hotelzimmer sperrt und ihr Zuhälter das viele Geld erbeuten will, natürlich auf illegalem, waffengeladenem Weg. Trotz diesem Minuspunkt waren die verschiedenen Handlungen in Wien, Bratislava, Paris, Denver und London gelungen und man konnte sich gut in die Personen und ihre Entscheidungen, Sehnsüchte und Schwächen einfühlen, auch wenn man diese durch die Oberflächlichkeit der Charaktere nicht besonders gut kannte.

Der Episodenfilm lehnt sich an Arthur Schnitzlers Theaterstück "Der Reigen", doch im Gegensatz zu Schnitzlers Werk sind die Personen in "360" oft durch die modernen Verbindungsmittel wie Handys, Telefone, Flughäfen, Bahnhöfe oder Hotels miteinander verknüpft. All diese Verknüpfungen haben Einfluss darauf, was die Personen als nächstes tun und welche Entscheidung sie schlussendlich treffen. Doch am Ende von "360" stehen die Charaktere wieder am Anfang, denn jeder weiß, dass es unzählige Gabelungen auf dem Weg gibt.

Fazit

Auch wenn der Episodenfilm "360" einen etwas oberflächlichen Einblick in die Gefühlswelt der Charaktere gewährt, empfindet man doch genügend Mitgefühl für die Starbesetzung, dass man die unterschiedlichen Handlungen mit Vergnügen beobachtet. Und selbst wenn der Film ohne große Erleuchtung oder Lösung endet, kann man am Ende dennoch sagen, dass es doch gut war, diese Weggabelung genommen zu haben.

Melanie E. - myFanbase
30.08.2012

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