Bewertung
Sally Potter

Ginger & Rosa

"We had a dream that we would always be best friends."

Foto: Copyright: 2013 Concorde Filmverleih GmbH
© 2013 Concorde Filmverleih GmbH

Inhalt

Ginger (Elle Fanning) und Rosa (Alice Englert) sind seit ihrer Geburt verbunden und die besten Freundinnen. Ihre Jugend scheint zunächst von alltäglichen Problemen entsprechend ihres Alters geprägt zu sein. Beide streben nach Freiheit und möchten aus ihrer Welt ausbrechen. Während der Kubakrise entfremden sich die beiden Freundinnen jedoch zunehmend voneinander. Ginger setzt sich sehr stark für den Kampf gegen eine Atomkatastrophe ein, wohingegen sich Rosa ausgerechnet in Gingers Vater Roland (Alessandro Nivola) verliebt, welcher ein freiheitsliebender Schriftsteller ist. Somit ist nicht nur die Existenz der Welt in Gefahr, sondern auch die Freundschaft von Ginger und Rosa.

Kritik

Sally Potters Coming-of-Age-Drama "Ginger & Rosa" beginnt mit einem gewaltigen Auftakt, der sofort wachrüttelt. Anschließend folgen wunderschöne, sinnliche Bilder einer großen Freundschaft, welche aufgrund der ersten Erschütterung der Atombome auf Hiroshima fast minimalistisch erscheinen. Der Zuschauer wird zunächst in die Welt von Ginger und Rosa eingeführt, welche auf den ersten Blick völlig normal wirkt. Beide Mädchen kämpfen mit Problemen, mit welchen Jugendliche eben in diesem Alter zu kämpfen haben: Pubertät, das andere Geschlecht, nervige Eltern, Rebellion und die Suche nach Mehr. Ginger und Rosa sind seit ihrer Geburt miteinander verbunden und auch in der Gegenwart kann sie nichts voneinander trennen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr leben sie sich auseinander. Denn Ginger strebt eine Schriftstellerkarriere an, während sich Rosa einfach nur nach der ganz großen Liebe sehnt.

Die Handlung des Films scheint auf den ersten Blick sehr simpel zu sein: ein Film über eine außergewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Mädchen. Doch “Ginger & Rosa“ ist viel mehr als das. Es ist ein Film über Freiheit, über Rebellion, über Veränderung, über das Leben, über die Liebe und auch über das Bewusstsein, dass man gewisse Dinge durch Engagement sehr wohl verändern kann und dafür einstehen sollte. Dies zeigt besonders Gingers Interesse an den Protesten gegen den Atomkrieg. Ginger verspürt enorme Angst vor einer großen Katastrophe und dem Ende der Welt. Halt sucht sie dabei bei ihrem freiheitsliebenden Vater Roland. Dabei ist sie ständig auf der Suche nach Veränderung und Antworten, doch diese scheint ihr keiner geben zu können. Und schließlich kann sie die befürchtete Katastrophe nicht verhindern und läuft Gefahr völlig an ihr zu zerbrechen.

Sowohl Elle Fanning als rebellische Ginger als auch Alice Englert als leidenschaftliche Rosa können den Zuschauer vollkommen von ihrer Rolle überzeugen. Die Interaktionen zwischen den beiden Freundinnen, wenn sie beispielsweise ihre Haare mit einem Bügeleisen glätten oder darauf warten ihre neue Jeans einzutragen, machen in jeder Minute Spaß und erinnern den Zuschauer vermutlich an eine Freundschaft, wie man sie selbst vielleicht einmal hatte. Beide Mädchen möchten aus ihrem Käfig ausbrechen und nicht ein Leben nach dem Schema ihrer Eltern führen. Die Sehnsucht nach Freiheit kann man allein in den Augen beider Schauspielerinnen sehen und besonders die vielen Nahaufnahmen von Elle Fanning bringen diese Sehnsucht, ja fast schon Verzweiflung nach Veränderung dem Zuschauer nahe.

Auch die zahlreichen Nebendarsteller können in ihren jeweiligen Rollen überzeugen, wie beispielsweise Alessandro Nivola als freiheitsliebender Roland und Gingers Vater, oder Christina Hendricks (bekannt aus "Mad Men") als neurotische, immer alles unter Kontrolle wissende Mutter Natalie. Aber besonders Timothy Spall und Oliver Platt als schwules Paar und Annette Bening als emanzipierte Bella sorgten für humorvolle Szenen und die Interaktionen zwischen all diesen Darstellern verleihen dem Film etwas Besonderes.

Mit eindrucksvollen Bildern, teils leicht melancholischer Musik, abgeschotteten Schauplätzen und grandiosen Schauspielern ist Sally Potter ein Film gelungen, der auch nach dem Abspann zum Nachdenken und Philosophieren anregt. Die wenigen Dialoge im Film strömen das Verlangen nach Mehr, das Hinterfragen von Ereignissen und das Infragestellen des Handelns der Menschen aus, sodass man selbst Lust verspürt, etwas zu verändern und zu handeln. Sowohl durch die intensiven Nahaufnahmen der Hauptdarstellerin als auch durch die eigenen kurzen verfassten Verse werden die starken Gefühle von Ginger ausgedrückt und lassen den Zuschauer an ihren Empfindungen teilhaben. Und eben mit solch einem Gedicht von Ginger endet der Film und lässt offen, wie die Geschichte ausgeht, wodurch der Zuschauer erneut angeregt wird, sich selbst ein passendes Ende auszumalen. Dennoch ist die Botschaft des Films eindeutig: "Because what really matters is to live, and if we do, there will be nothing to forgive."

Fazit

"Ginger & Rosa" ist ein Film, der weit über das Thema der Freundschaft hinausgeht. Es ist ein Film, welcher zum Denken, Hinterfragen und Handeln auffordert. Durch überzeugende schauspielerische Leistungen, eindrucksvollen Bildern und Schauplätzen und zudem einer Musik, die unter die Haut geht, schafft Sally Potter ein Werk, welches bestimmt noch einige Zeit im Gedächtnis bleiben wird.

Melanie E. - myFanbase
18.05.2013

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