Bewertung
Kasi Lemmons

Whitney Houston: I Wanna Dance with Somebody

Foto: I Wanna Dance With Somebody - Copyright: 2022 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
I Wanna Dance With Somebody
© 2022 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Inhalt

Whitney Houston (Naomi Ackie) wurde der Wunsch, selbst einmal Sängerin zu werden, praktisch in die Wiege gelegt. Ihre Mutter Cissy Houston (Tamara Tunie) ist selbst Sängerin und bewegt ihre Tochter immer zum Singen. Whitney bekommt ihr erstes Solo vor Publikum, als die Stimme ihrer Mutter zeitweise versagt. Es dauert nicht lange, bis sie einen Vertrag bei Arista Records und Clive Davis (Stanley Tucci) erhält und eine fröhliche Pop-Nummer einsingt. Allerdings muss sie sich auch der Öffentlichkeit stellen. Whitney geht ihren Weg und lässt sich auch auf Bobby Brown (Ashton Sanders) ein und rutscht dabei immer tiefer, was nicht nur ihrer Karriere schadet.

Kritik

Biografien berühmter Persönlichkeiten lese ich ziemlich gerne, weil ich immer den Gedanken dabei habe, dass ich etwas über die Person dahinter erfahre. Die Film- und Fernsehbranche hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr auf Biopics konzentriert. Zum einen haben wir da "Die Entdeckung der Unendlichkeit" mit Eddie Redmayne im Jahr 2014 und "Bohemian Rhapsody" mit Rami Malek aus dem Jahr 2018. Beide Filme gingen nicht nur durch die Decke und wurden von den Kritikern zurecht gelobt. Zu beiden Filmen hat auch Anthony McCarten das Drehbuch geschrieben. Somit ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass man ihn auch für das 2022 erschienene Biopic "Whitney Houston: I Wanna Dance with Somebody" für das Drehbuch an Bord geholt hat. Wahrscheinlich hat man sich dadurch einen ähnlichen Erfolg versprochen. Zu verdenken ist es nicht, dreht es sich doch dabei um die 2012 verstorbene Sängerin Whitney Houston – the Voice – wie man sie genannt hat und diese Bezeichnung hat sie sich mehr als verdient. Ich mochte Whitney und ihre Musik total und habe daraus auch nie einen Hehl gemacht und somit freute ich mich auch auf den Film, hatte aber ehrlich gesagt auch ein paar Bedenken.

Es war natürlich klar, dass man ihre Karriere und größten Hits und Kinoerfolge in dem fertigen Ergebnis vorfinden würde. Allerdings hat Whitney eben nicht nur positive Schlagzeilen mit ihrer Musik gemacht, sondern auch viele negative über ihr Privatleben und ihre Gesundheit und ich war durchaus gespannt, wie man das filmisch umsetzen würde und ich glaube, hier liegt auch leider oftmals die Begründung darin, warum die Kritiken so durchschnittlich ausfallen. "Whitney Houston: I Wanna Dance with Somebody" hat es sich meiner Meinung nach kameratechnisch ziemlich einfach gemacht, actionreich ist da von der Kameraführung nämlich echt nicht viel los und das macht das Ganze durchaus etwas langweilig. Ich möchte es fast als Single-Kamera bezeichnen, hatte ich beim Schauen doch oftmals das Gefühl, man hat auf vieles verzichtet, was das Endergebnis noch besser gemacht hätte. Zwar könnte man damit argumentieren, dass man sich auf Whitney – the Voice – konzentrieren wollte, doch damit kann man leider bei mir nicht wirklich punkten. Dafür habe ich schon Dokumentationen über sie gesehen, die mehr Pepp hatten. Ich würde mich auch nicht allzu sehr darüber auslassen, wäre bei mir nicht der Beigeschmack geblieben, dass dadurch dem Ganzen das gewisse Etwas gefehlt hat. Aber okay. Konzentrieren wir uns jetzt mal auf den Cast – mit dem ich wirklich fast zu 100% zufrieden bin.

Naomi Ackie hat die zentrale Hauptrolle bekommen und ihren Job toll gemacht. Diese Rolle zu spielen, war durchaus eine Herausforderung, was man in Ackies Schauspiel gesehen hat bzw. vielmehr in der Körperhaltung, Moves und anderen Dingen, die Whitney Houston ausgemacht haben. Diese Herausforderung hat Naomi Ackie wunderbar gemeistert. Aber auch die anderen Cast-Mitglieder haben einen wunderbaren Job gemacht, wie beispielsweise Tamara Tunie, die Cissy Houston darstellt. Zu Beginn des Films wird deutlich gemacht, dass sie, selbst als Sängerin, ziemlich gut Bescheid darüber weiß, wie hart man an sich arbeiten muss, um in dieser Branche überhaupt erst einmal einen Fuß in die Tür zu bekommen und dann auch noch bestehen zu können. Im weiteren Verlauf lernt man aber auch Cissys mütterliche Seite kennen, die ihre Tochter von ganzem Herzen liebt und sie unterstützt. Ein Kontrast dazu ist Vater John (Clarke Peters), der sich im weiteren Verlauf eher als der nicht liebevolle Vater entpuppt, sondern viel mehr als jemand, der in seiner Tochter tatsächlich mehr und mehr den Geldautomaten gesehen hat, wie es im Film auch von Whitney selbst benannt wurde. Mit Nefessa Williams hat man Robyn Crawford, beste Freundin und Assistentin von Whitney, besetzt, die ihren Part gut dargestellt hat. Nicht zu vergessen der wunderbare Stanley Tucci, der als Clive Davis, der übrigens auch selbst bei der Produktion beteiligt war, einfach wieder glänzen konnte und bewiesen hat, was für ein großartiger Charakterdarsteller er doch ist. Ich hatte geschrieben, ich bin zu fast 100% mit dem Cast zufrieden. Aus der Reihe fällt da Ashton Sanders, der für Bobby Brown besetzt wurde. Ich kann nicht genau erklären, woran es genau liegt, warum er mir eher negativ ins Auge stach. Ich fand ihn aber als Bobby Brown eigentlich viel zu brav und harmlos. Zwar hatte Bobby immer mal wieder Auseinandersetzungen mit Robyn, besonders als es Whitney immer schlechter ging, aber das war auch nicht unbedingt als dramatisch oder angsteinflößend dargestellt, was in diesem Zusammenhang als schade angesehen werden darf und kann. All die Jahre wurde Bobby Brown als derjenige in der Presse dargestellt, der Whitney nach unten zieht, doch im Film selbst kommt das gar nicht so massiv und aggressiv rüber. Sie haben zwar ihre Auseinandersetzungen, aber auch diese sind in meinen Augen eher als harmlos dargestellt worden.

Der Film, der insgesamt zwei Stunden und 24 Minuten geht, springt auch sehr oft und schnell in der Zeit nach vorne, wodurch sich auch viele Szenen eher aneinandergereiht anfühlen, als dass man sie auch tatsächlich als wichtige und sinnige Elemente wahrnehmen kann.

Vieles wirkt im Tempo erzählt, was man bei der Länge kaum glauben kann, aber es gibt auch ruhige Szenen, die dann auch ans Herz gehen und zum Nachdenken anregen. Zum einen ist das gleich eine erste Szene zwischen Robyn und Whitney, bei der offensichtlich wird, dass zumindest Erstere mehr in der Freundschaft sieht. Aber auch bei Whitney hat man bzw. hatte ich das Gefühl, dass sie sich öffnen will, aber nicht kann – eben auch weil sie immer mehr zu einer Marke geworden ist. Einer Marke, die sie aber nicht (immer) glücklich gemacht hat. Schon zu Beginn des Films mit Whitney wird deutlich, dass sie eigentlich nur singen will oder eine der größten Stimmen werden will, die die Welt jemals erlebt hat. Wie ich aber schon ein Stückchen weiter oben schrieb, wurde Whitney zu einem Geldautomaten – vor allem für ihren Vater -, und konnte nicht mehr raus. In vielen Szenen hat man ihr auch einfach angemerkt, dass sie sich nach Zeit mit ihrer Tochter gesehnt hat, für die sie nicht nur eine gute Mutter sein wollte, sie wollte ihrem Kind all das geben, was sie irgendwann nicht mehr hatte. Was in "Whitney Houston: I Wanna Dance with Somebody" aber auch deutlich wird, ist, dass sie einfach einen Freund gebraucht hätte. Clive Davis hat zwar am Anfang des Films zu ihr gesagt, sich nicht in ihre persönlichen Probleme einzumischen. Aber ich glaube, wenn man so eng zusammenarbeitet und auch eine solch junge Künstlerin unter Vertrag nimmt, bleibt ein freundschaftliches Verhältnis einfach auch nicht aus. Clive wurde und war dann in meinen Augen auch eine Vaterfigur für sie und Tucci hat es einfach grandios gespielt ebenso wie Ackie in dieser Szene, die in diesem Film einfach herausstechend ist.

Da es sich um ein Biopic handelt, der Whitneys Leben beleuchtet, wurde natürlich auch Februar 2012 thematisiert – der Monat und der Tag, an dem Whitney verstarb. Ich fand die Szene oder überhaupt die letzten Szenen gut umgesetzt, bei denen man das Feingefühl bemerkt hat und wie wichtig es auch gewesen ist, dass es 'würdevoll' gestaltet ist. Ich weiß noch, als ihr Tod bekannt wurde, dass ich traurig wurde. Mit ihrem Tod oder vielmehr wie Whitney gestorben ist, wurde eine große Diskussionen ausgelöst. Ich wohnte auch solchen Diskussionen bei und möchte auch niemandem seine Meinung absprechen. Ich habe aber Meinungen mit meinen Ohren gehört, bei denen ganz deutlich wurde, dass man für so jemanden, der auf diese Art und Weise stirbt, kein Mitleid empfinden muss und sollte. Das finde ich leider nicht ganz in Ordnung. Die letzten Szenen im Film haben auch in meinen Augen offen gelassen, was und wie es nun genau passiert ist und dass man keine fertige Tatsache vorgesetzt bekommt, sondern tatsächlich nochmal selbst in sich geht.

Fazit

"Whitney Houston: I Wanna Dance with Somebody" ist sicherlich kein Vergleich zu anderen Biopics, welche durch die Decke geschossen sind. Es ist aber auf jeden Fall eins, welches sehenswert ist und bei dem ich es auch nicht bereue, es gesehen zu haben. Whitney Houston war eine Persönlichkeit mit einer unfassbaren Stimme, die viel zu früh gegangen ist. Auch wenn der Film nur wenige ruhige Szenen hat, machen diese doch deutlich, dass man wahrscheinlich doch ziemlich gut die Persönlichkeit der Sängerin eingefangen hat.

Daniela S. - myFanbase
05.07.2023

Diskussion zu diesem Film