Royal Blue
Inhalt
Alex Claremont-Diaz (Taylor Zahkar Perez) ist der Sohn von US-Präsidentin Ellen Claremont (Uma Thurman) und seit seiner ersten Begegnung mit Prinz Henry (Nicholas Galitzine) steht etwas zwischen den beiden jungen Männern, was bei offiziellen Begegnungen immer etwas eskalieren lässt. Als es auf der Hochzeit von Kronprinz Philip (Thomas Flynn) zu einem Skandal kommt, ist die britisch-amerikanische Beziehung gefährdet, was vor allem Claremont besorgt, da sie darauf hofft, wieder ins Amt gewählt zu werden. Alex und Henry werden daher von offizieller Stelle aus zu einer Freundschaft gedrängt, die sich dann aber nach und nach zu mehr entwickelt, doch speziell Henry muss seine sexuelle Orientierung unter allen Umständen geheim halten.
Kritik
Queere RomComs sind immer noch eine echte Seltenheit. Während auf dem Buchmarkt schon länger eine gewisse Verlagerung zu merken ist, ist es im Film- und auch stellenweise im Serienbereich ein zäher Prozess. Im letzten Jahr wurde beispielsweise "Bros" von und mit Billy Eichner veröffentlicht und floppte gewaltig, was den Hauptdarsteller auch später sich dazu kritisch äußern ließ, was unterstreicht, dass es solche RomComs immer noch nicht einfach haben. Dennoch gibt es natürlich wirklich löbliche Beispiele wie "Love, Simon" und die daraus entwickelte Serie "Love, Victor" bei Disney+. Dazu "Happiest Season" mit Kristen Stewart, der Netflix Film "Single All the Way" und im Serienbereich nicht zu vergessen Hits wie "Heartstopper" oder "Young Royals". "Royal Blue" ist nun als queere RomCom bei Prime Video an den Start gegangen und schon vor der Veröffentlichung konnte man der Ankündigung eigentlich kaum entgehen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Casey McQuiston und erfreut sich offenbar großer Beliebtheit, denn viele haben schon im Vorfeld über die Adaption gesprochen und prompt tauchte auch überall das Buch wieder auf. Ich hätte es gerne noch gelesen, was zeitlich aber nicht geklappt hat. "Royal Blue" zieht sicherlich auch an, weil es bei RomComs, speziell bei solchen mit einem Weihnachts-Setting, oft um irgendein Königshaus geht, wo dann entweder zwei Royals oder eine Prinzessin oder ein Prinz zufällig die große Liebe finden. Es ist also ein beliebtes Trope, das sicherlich auch dazu beiträgt, "Royal Blue" zu den Vorzeige-Filmen für die LGBTQ-Gemeinschaft zu machen.
Mich hat "Royal Blue" alles in allem sehr gut unterhalten. Speziell hat mich überzeugt, dass der Film viele Facetten abbildet, sich also sowohl den unbändigen Spaß, als auch die verletzlichen und ruhigen Momente nicht nehmen lässt. Das hat aus Alex und Henry gleichermaßen zwei junge Männer gemacht, die man sehr gut nachvollziehen konnte und deren Weg im Leben und wie sie ihre Zukunft ausrichten wollen, sehr gut verstehen konnte. Zwischendurch habe ich etwas bedauernd darüber nachgedacht, dass Alex die dominantere Figur ist, weil die Handlung vor allem aus seiner Perspektive erzählt wird. Das ist natürlich zunächst so, um Henrys Homosexualität länger im Verborgenen zu halten. Doch auch nach der Auflösung ist es bis auf die gemeinsamen Szenen eher einseitig in Richtung Alex, weswegen ich manches Mal dachte, jetzt wäre ich viel lieber bei Henry. Dennoch hat der Film am Ende die Kurve gekriegt, dass sich der Fokus dann doch mehr auf den britischen Prinzen verschob, so dass auch sein Seelenleben irgendwann auf dem Silbertablett lag. Generell ist das letzte Viertel wirklich sehr intensiv, sowohl von den Themen als auch von der Darstellung her. "Heartstopper" hat zwar bewiesen, dass es keine erfahrenen Schauspieler braucht, um eine gefühlvolle Schauspielperformance abzuliefern, aber dennoch war es sicherlich clever, mit Taylor Zahkar Perez ("The Kissing Booth"-Reihe) und Nicholas Galitzine ("Purple Hearts") auf zwei Veteranen zu setzen, die im Genre der RomComs sich schon bewiesen haben. Sie haben eine wirklich tolle Chemie erzeugt, die sowohl das anfängliche verbale Necken, als auch später das sehnsuchtsvolle Anschmachten gut tragen konnte.
Ich hatte die Tropes mit den Königshäusern in RomComs ja schon angesprochen, weswegen mir auch die Idee gefiel, dass Alex als Gegenpart ein ebenso öffentliches Leben führt, so dass die beiden eine Parallele hatten und dennoch eben aufgrund ihrer Lebensumstände ganz anderen Voraussetzungen ausgesetzt sind. Zudem konnte mit "Royal Blue" so ein Blick auf die USA und Großbritannien mit seiner Monarchie gleichermaßen geworfen werden. Nicht erst seit Harry und Meghan gibt es immer wieder Zweifel an der Monarchie, auch in Großbritannien selbst. Es ist eben eine Konstitution mit strengen Regeln, mit vielen konservativen Denkweisen, weswegen es bei "The Crown" nicht umsonst Firma heißt. Dass Henry, der schon früh von seiner Homosexualität wusste, sich in diesem System in keiner Weise entfalten kann, ist sicherlich kein Vorurteil, sondern vermutlich sehr nah an der Wahrheit. Deswegen wurde die Zerrissenheit sehr gut aufgegriffen, dass er sich gerne frei entfalten möchte, sich aber gleichzeitig auch seiner Familie verpflichtet fühlt und es deswegen nicht aus dem Stegreif einen Kompromiss geben kann. Umgekehrt haben wir Alex, der nicht so privilegiert wie Henry aufgewachsen ist und der wegen der Herkunft seines Vaters Oscar (Clifton Collins Jr.) ausgegrenzt wurde und sich seinen Platz hart erkämpfen musste. Aufgrund dieser Perspektiven, die er zu der amerikanischen Gesellschaft gewinnen konnte, sieht er sich eben nicht nur als Sohn der Präsidentin, sondern er ist selbst politisch interessiert und er strebt danach, unter der Präsidentschaft seiner Mutter etwas zu bewegen und das vielleicht auch darüber hinaus fortzusetzen. Dennoch ist auch klar, dass Alex viel mehr Freiheiten hat, was dann auch die Konflikte zwischen den beiden befeuert.
Aus diesen Themenkomplexen ist sicherlich schon herauszulesen, dass "Royal Blue" wirklich viel zu bieten hatte und auch ständig den Unterhaltungsfaktor hochgehalten hat. Vielleicht war der Einstieg etwas zu stereotyp und zu übertrieben, aber der Eindruck legt sich schnell, denn schon beim Freundschaft Spielen für die Öffentlichkeit dringt der Film schnell tiefer ein und es wird klar, die oberflächlichen Aspekte sind der Schmuck, ansonsten wird sich aber nicht gescheut, viele Gefühle und viele innere Kämpfe abzubilden. Da die Geschichte schon sehr fokussiert auf Alex und Henry ist, haben es die Nebenfiguren schon schwieriger, aber als sich Alex gegenüber seiner Mutter als bisexuell outet, ergibt sich ein wirklich süßes Gespräch. Ebenso hat auch Alex' Freundschaft zu Nora (Rachel Hilson) seine Highlights sowie dann eben Henry, der in Schwester Bea (Elli Bamber) eine Vertrauensperson hat, die ihn einfach nur glücklich sehen will. Dennoch wäre es übertrieben, bei diesen Figuren nach Charakterentwicklungen zu suchen, sie haben klare Funktionen und überzeugen dann einfach mit Sympathiewerten und weil sie Fans des Paares sind. Das Ende ist dann idealistisch geraten, aber ich würde es dem Film nicht vorwerfen, denn in erster Linie ist es eben eine RomCom gewesen, da wäre keine Lösung keine Lösung gewesen. Zumal ich solche positiven Hoffnungsschimmer, dass man die breite Gesellschaft in den USA auffangen kann (denn wenn da, dann auch in kleineren Ländern wie hier in Deutschland) oder dass die britische Gesellschaft bereit ist, mit der Monarchie modernere Wege zu beschreiten, sehr angenehm finde und sie einfach ein gutes Gefühl hinterlassen.
Fazit
"Royal Blue" ist eine gelungene queere RomCom, die mit gut aufgelegten Hauptdarstellern, mit Spaß und vielen Gefühlen zu überzeugen weiß. Ich fand speziell die Darstellung von aktuellen Themen sowie die einfühlsame Ausarbeitung von queeren Geschichten mitreißend, weil es diesen Film relevant und nicht austauschbar macht.
Lena Donth - myFanbase
15.08.2023
Diskussion zu diesem Film
Weitere Informationen
Originaltitel: Red, White & Royal BlueVeröffentlichungsdatum (USA): 11.08.2023
Veröffentlichungsdatum (DE): 11.08.2023
Länge: 118 Minuten
Regisseur: Matthew López
Drehbuchautor: Matthew López & Ted Malawer
Genre: Romance, Komödie
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Darsteller/Charaktere
Taylor Zakhar Perez
als Alex Claremont-Diaz
Nicholas Galitzine
als Prinz Henry
Uma Thurman
als Ellen Claremont
Clifton Collins Jr.
als Oscar Diaz
Ellie Bamber
als Prinzessin Beatrice
Thomas Flynn
als Prinz Philip
Rachel Hilson
als Nora Holleran
Sarah Shahi
als Zahra Bankston
Aneesh Sheth
als Amy Gupta
Akshav Khanna
als Shaan Shrivistava
Sharon D. Clarke
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