Bewertung

Family Switch

Foto: Family Switch - Copyright: 2023 Netflix, Inc.; Colleen Hayes/Netflix
Family Switch
© 2023 Netflix, Inc.; Colleen Hayes/Netflix

Inhalt

Die Walker sind zu fünf. Mutter Jess (Jennifer Garner), Vater Bill (Ed Helms), Teenagerin CC (Emma Myers), der etwas jüngere Wyatt (Brady Noon) und Kleinkind Miles (Lincoln & Theodore Sykes). Doch eine Familie sind sie nicht mehr wirklich, das wird spätestens kurz vor dem Weihnachtsfest klar, wo alle mit einem eigenen Lebensziel beschäftigt sind und sich Stimmung einfach nicht einstellen will. Durch eine sonderbare Planetenkonstellation kommt es schließlich dazu, dass Vater und Sohn sowie Mutter und Tochter und zusätzlich Miles und Familienhund Pickles die Körper tauschen. Während sie sich dem neuen Chaos stellen, versuchen sie parallel eine fehlende Linse zu finden, um in der anhalten Himmelskonstellation noch einen Ausweg zu finden.

Kritik

Ich habe inzwischen schon einige Komödien gesehen, wo fleißig die Körper getauscht werden und einige davon werden auch in "Family Switch" selbst genannt, wie "Freaky Friday - Ein voll verrückter Freitag", "17 Again" oder auch "30 über Nacht". Dort beschränkt es sich aber jeweils auf zwei Personen oder eben eine Person findet sich in einem jüngeren bzw. älteren Körper wieder. Dieser Film ist nun eine Adaption des französischen Familienfilms "La sens de la famille", was lose im Deutschen heißt "Der Sinn von Familie". Hier geht es nun konkret um Körpertausch in einer ganzen Familie und das habe ich bislang tatsächlich so noch nicht zu sehen bekommen. Deswegen war ich wirklich auch positiv-aufgeregt auf diesen Film, um einfach zu sehen, was dadurch für Handlungen wohl alle möglich sein und ob das humoristisch auch gut verpackt werden kann.

In einer Sache hat sich "Family Switch" in meinen Augen doch eher beschränkt. Dass jeweils Vater und Sohn sowie Mutter und Tochter den Körper tauschen, das hätte ich intuitiv wohl auch so gewählt, denn so muss man sich nicht noch damit herumschlagen, auf einmal im Körper des anderen Geschlechts zu stecken, was sicherlich auch eine Herausforderung für sich ist. Doch man kann so einen Familienfilm auch überladen und aufgrund der vielen Figuren mit Bewandtnis ist das hier schon die richtige Lösung. Aber mir hat sich leider nicht so erklärt, warum diese Geschlechtertrennung auch nahezu den gesamten Film durchgezogen werden musste. Im Film geht es schließlich darum, dass die Beteiligten den Sinn füreinander verloren haben und nicht nur individuell untereinander, sondern schon eindeutig im Gesamten. "Family Switch" setzt den Schwerpunkt nun aber darauf, dass sich jeweils Mutter und Tochter und Vater und Sohn voneinander entfremdet haben. Wie ist das mit Vater und Tochter und wie mit Mutter und Sohn? Ist Bill unterstützend bei CCs Fußballaktivitäten? Hat Jess vielleicht mehr das wissenschaftliche Verständnis für Wyatts Träume? Da interessiert sich der Film wirklich so gar nicht für und das fand ich doch etwas schade, weil es eben dem eigentlichen Sinn des Films entgegensprach, dass sie alle wieder zueinander finden müssen. Zum Ende hin war es nicht mehr ganz so deutlich, weil spätestens mit dem Auftritt von Dad or Alive dann der Familienzusammenhalt wieder anzog. Alle Hauptfiguren haben einen herben Verlust erlitten, alle sind irgendwo am Boden und schließen mit ihren Träumen ab und besinnen sich dadurch wieder mehr auf das, was sie tatsächlich an der Hand haben und wo sie nicht erst für träumen müssen. Hier wurde es rund und ich denke, dass ganz zum Schluss der Hauptaspekt angekommen ist. Doch zuvor hätte es so separiert nicht zugehen müssen.

Eine relativ gesehene Loslösung vom Rest war dann schon besser, denn der Tausch von Miles und Pickles, der erst etwas später auffällt, der ist wirklich eine Nummer für sich. Aber da ging es nun wirklich nicht um Zwischenmenschliches, weil wir das Miles und Pickles jetzt einfach mal absprechen müssen, deswegen war es okay, diese beiden bei Nachbar Rolf (Matthias Schweinsteiger, pardon Schweighöfer) zu parken. Schweighöfer war wirklich genial auf diese Rolle besetzt, weil dieses Spießige sowie dann das Arrangieren mit einem seltsam auftretenden Baby und Hund einfach etwas ist, wo ihm kaum jemand etwas vormachen kann. Ich habe keine Ahnung, wie es zu diesem Casting gekommen ist, ob Schweighöfer da von Anfang an für im Kopf war oder ob er regulär vorsprechen musste, aber alleine seine deutschen Filme werden sicherlich Werbung genug gewesen sein, denn das war exakt das. Natürlich musste vor allem bei dem Baby auf übertriebene Animation gesetzt werden, um irgendwie die Art eines Hundes zu imitieren und das sah schon irgendwie dämlich aus, aber die Intention dahinter, die war entscheidend und das hat im Zusammenhang von Miles, der sich in Pickels' Körper dann eine Windel anziehen lässt, einfach für unfassbar lustige Momente gesorgt. Da konnte ich mich wirklich kaum halten. Manchmal darf es einfach primitiv sein und es wirkt dennoch Wunder bei mir.

Ansonsten hat es etwas gedauert, in den Humor des Films reinzufinden. Zuerst ist vieles aufgesetzt, weil eben auch alle vier wichtigen Familienmitglieder sehr deutlich in eine Ecke gedrängt werden, um eben auch ihre jeweilige Routine auf die Spitze zu treiben. Jess, die im Job mit Kollege Glen (Andrew Bachelor) ein aufwendiges Begrüßungsritual hat oder auch mit Parkwächter Gus (Dan Finnerty), der sie immer mit alten Popsongs aus dem Konzept bringen will. Bei CC sind es die Rituale mit den Teamkolleginnen und dass sie übernatürlich gut in ihrem Können zu sein scheint. Wyatt ist dann der Nerd durch und durch, der einem wissenschaftliche Begrifflichkeiten und Theorie um die Ohren hauen kann, so dass sie nur schlackern werden. Weswegen er auch logischerweise fast nur mit älteren Männern, die etwa den Jahrgang seines Vaters haben, kommuniziert, weil sie ihn am besten verstehen. Und zuletzt eben Bill selbst, der im Geiste noch sehr jung geblieben ist und alles über Musik weiß, weil er eine Karriere als gefeierter Künstler verpasst hat. Nachdem das aber erstmal sortiert ist und auch die jeweiligen Figuren in neuen Körpern stecken, da fing für mich die Handlung erst richtig an. Es gibt mehr komische Situationen, die aus dem Moment heraus entstehen und dann eben gepaart mit Miles und Pickles bei Rolf, da hat sich eine Symbiose ergeben, die mich irgendwann so gepackt hat, dass ich eine wirklich unterhaltesame Komödie geboten bekommen habe, bei der ich wirklich nicht selten laut aufgelacht habe. Auch wenn der Humor von überspitzten Situationen geschaffen wird, es hat in der Harmonie gut gepasst.

Blicke ich nun noch einmal näher auf die inhaltlichen Details, dann hat mir das Miteinander von Mutter und Tochter deutlich besser gefallen, was vor allem daran lag, dass Bills persönliche Geschichte in meinen Augen die schwächste war und ich habe mich bei ihm und Wyatt auch schwerer getan, immer daran zu denken, dass sie ja jeweils der andere sind. Das war bei Jess und CC schon ganz anders. Auch wenn beide Beziehungen auf Gegenteilen fußen, aber speziell Garner ist natürlich auch eine Schauspielerin, die so einen Film an sich reißen kann, aber nicht nur, weil sie sich für keinen blöden Spaß zu schade ist, sondern weil sie vor allem den Charme hat, das alles spielend leicht wirken zu lassen. Myers, die durch "Wednesday" letztes Jahr ihren Durchbruch hatte, beweist auch erneut, dass sie ein vielversprechendes Talent ist, denn sie hat es gut hingekriegt, stellenweise richtig autoritär zu wirken, aber genauso hat sie auch die Momente rübergebracht, wo Jess im jugendlichen Körper einfach losgelassen hat. Aber bei Mutter und Tochter konnte man auch gut zeigen, dass das Verhältnis wegen falschen Vorstellungen und Vorurteilen geprägt war. CC fühlt sich von ihrer Mutter in ihrem Karrierewunsch nicht genug unterstützt und vermutet (stellenweise richtig), dass Jess ihr ihren Weg vorschreiben will, damit ist ihre Mutter eigentlich ihr größter Fan. CC sieht aber den Lebensweg ihrer Mutter auch als Schreckensgespenst, weil sie sich nie ein richtiges Bild davon gemacht hat, was diese beruflich eigentlich leistet. Nachdem CC die Wahrheit kennt, ist auch der Respekt da. Dann kann sie sich immer noch entscheiden, dass es nicht ihr Weg ist, aber sie kann anerkennen, dass Jess auch etwas für sich geschaffen hat, was erfüllend ist. Bei Vater und Sohn ist die Botschaft ganz ähnlich, aber eben ein Stückchen weniger mitreißend gestaltet.

Der Film ist mir persönlich in zu vielen Aspekten sehr oberflächlich auf das Äußere des Menschen bedacht. CC lässt keine Gelegenheit aus, sich über den Körper ihrer Mutter zu beschweren und auch Wyatt hat nicht unbedingt die positivsten Gedanken über Bills Körper parat. Ich kann das insofern verstehen, dass es unterstreichen sollte, dass in einem älteren Körper zu stecken eine Umstellung darstellt, aber nun sind Helms und Garner beide wirklich noch Paradebeispiele für ihren Jahrgang, sehen drahtig und fit aus. Da hat es irgendwie die falsche Botschaft vermittelt. "Family Switch" ist für mich auch kein klassischer Weihnachtsfilm. Er spielt an Weihnachten, check. Es werden zig Weihnachtslieder gespielt, check. Aber er hätte auch zu jeder anderen Jahreszeit spielen können, weil man schon irgendein Familienfest gefunden hätte, der der Risse innerhalb der Walkers auftut. Aber ich bin nicht böse drum, dass es rund um Weihnachten gelegt wurde, denn die Botschaft am Ende passt schon.

Fazit

"Family Switch" ist eine Komödie mit kleineren Anlaufschwierigkeiten, die einmal warm gelaufen aber eine sehr humorvolle Unterhaltung ohne Durchhänger bietet. Zwar hätte man auch innerhalb der Familie alle Beziehungen näher darstellen können und nicht nur Vater und Sohn sowie Mutter und Tochter, aber die eigentliche Grundaussage kommt durch. Matthias Schweighöfer betätigt sich als gut besetzter Scene Stealer und wer auf etwas absurden Körpertausch steht, der macht hier nichts verkehrt.

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Lena Donth - myFanbase
05.12.2023

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