Bewertung
Jim O'Hanlon

Weihnachten bei mir oder bei dir? 2

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Weihnachten bei mir oder bei dir? 2 (Your Christmas or Mine 2)
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Inhalt

Lord Humphrey (Alex Jennings) lädt die Taylors zum gemeinsamen Weihnachtsurlaub in die österreichischen Alpen ein, um auch allen seine neue amerikanische Freundin Diane (Jane Krakowski) vorzustellen. Doch die Taylors wollen sich um ihre Unterkunft selbst kümmern und durch zwei Unterkünfte kommt es nach der Landung zu einem Missverständnis, so dass die Familien jeweils in der falschen Unterkunft landen. Als wäre das nicht wieder Herausforderung genug für James (Asa Butterfield) und Hayley (Cora Kirk), stellen sich auch plötzlich vermeintlich unterschiedliche Zukunftsplanungen als eine große Herausforderung heraus. Können sie Weihnachten für die Familien und dabei auch ihre Beziehung retten?

Kritik

"Weihnachten bei dir oder bei mir?" war im vergangenen Jahr 2022 die für mich größte positive Überraschung bei den Weihnachtsfilmen. Der Film hat für mich mit einer ungewöhnlichen Idee gefruchtet und dann mit typisch britischem Humor dennoch eine Balance auch zu emotionalen Aspekten gehalten. Deswegen habe ich mich über die Ankündigung, dass es einen zweiten Teil geben wird, ehrlich gefreut. Natürlich steigt immer das Risiko, dass der Zauber des Neuen in einem zweiten Teil nicht mehr erzeugt werden kann, aber deswegen muss man den Film nicht vorher schon verteufeln, sondern sich einfach darauf einlassen und ein Wiedersehen mit schrulligen Figuren feiern. Natürlich muss der Titel irgendwie wieder Programm sein, was natürlich schwierig zu bewerkstelligen ist. Eine völlige Kopie wäre wohl langweilig geworden, deswegen finde ich die gewählte Lösung, dass die beiden Familien von James und Hayley jeweils in der ersten Nacht in den österreichischen Alpen in der falschen Unterkunft landen, wo selbstredend völliges Kontrastprogramm herrscht, gut gewählt. Es war eine Hommage an das gut funktionierende Konzept aus dem ersten Teil, aber dass die Figuren die meiste Zeit des Films zusammen sind, ist die richtige Entscheidung, weil so auch eine Entwicklung aufzuzeigen ist.

Wie es sich für eine aristokratische Familie wie die von James gehört, ist alljährlicher Skiurlaub in gediegener Absteige eine Tradition, die mit dem Tod seiner Mutter etwas eingeschlafen ist, nun aber mit Humphreys neuer Lebensfreude wieder auferstehen soll, weswegen er alle Mann über Weihnachten nach Österreich eingeladen hat. Ich kann verstehen, dass besonders Kath (Angela Griffin) dann Druck gemacht hat, dass sie der Einladung zwar grundsätzlich folgen wollen, aber den Urlaub dennoch auf eigene Kosten verbringen. Auch wenn das letzte Weihnachtsfest harmonisch verlaufen ist, wie viel Kontakt die Familien über das Jahr verteilt hatten, bleibt offen, aber es ist augenscheinlich, dass durch den unterschiedlichen Sozialstatus eine Barriere da ist und bleibt, weswegen Kath eben nicht will, dass sie sich einfach auf die Kosten von Humphrey einen schönen Urlaub machen. Ehemann Geoff (Daniel Mays) hätte da wahrscheinlich alleine so nicht drüber nachgedacht, weil er generell alles etwas lockerer nimmt, aber natürlich ist es so, dass es durch Kaths Bestehen darauf, auch für Hayley sehr präsent wird. Sie und James sind beide noch im Studium, sie haben getrennte Wohnungen, sehen sich aber ständig, aber sie leben auf einer Art in ihrer eigenen Welt. Da Hayley im vergangenen Jahr auch in keinerlei Weise hätte ahnen können, dass James einen adligen Hintergrund hat, war immer klar, er lebt normal, er lässt es nicht raushängen und so war es für die beiden in ihrer eigenen kleinen Welt einfach, sich auf Augenhöhe zu begegnen, wo keine Außenperspektive einen Keil zwischen sie treiben kann, nur eben dieser Urlaub jetzt. Es war am Anfang schon sehr lustig, wie die einfach gestrickte Familie von Hayley in dem Luxushotel unterkommt und dort alles aufmischt, aber auf eine positive Art und Weise und wie umgekehrt die anderen in einer Absteige einen Schlafplatz finden, der im Grunde keinen halben Stern verdient hätte. Das sind dann auch die großen Slapstickmomente, die gleich die Erzählart aus dem ersten Teil bestätigt.

Wir haben aber auch neue Impulse. Während wir die Oma von Hayley verloren haben, gibt es mit der Amerikanerin Diane einen Neuzugang. Jane Krakowski spielt diese selbstverliebte Selbstdarstellerin schon sehr gut. Sogar so gut, dass ich sie an einem bestimmten Punkt gerne an die Rakete zum Mond gebunden hätte. Tatsächlich schrammt der Film auch nur haarscharf daran vorbei, Dianes Art zu lange auf die Spitze zu treiben. Auch im erste Teil gab es mit gewissen Figuren erst Anpassungsschwierigkeiten, aber in dem Genre musst du dann auch den Punkt finden, wo die Wendung kommt. Bei Diane wird es zum Glück noch gelöst. Sie wird immer selbstverliebt sein, ob sie für Humphrey wirklich die ideale Frau ist, ich weiß es nicht, aber das muss ich auch gar nicht beantworten, denn am Ende hat sie zwei richtig gute Momente, auch welche, wo sie sich charakterlich nichts genommen hat. Das ist also rund geblieben. Auch wenn man über Diane sagen kann, was man will, es brauchte sie in diesem Film, weil Humphrey, sein Vater und James nicht unbedingt die Männer sind, die nach Geld riechen. Diane ist es schon und sie löst mit ihrer Art dann auch die Diskrepanzen aus, die sich trotz gemeinsamer Momente beider Familien immer mehr häufen.

Eine Sache hat für mich in dem Film nicht so gepasst und das ist die Thematik des Heiratsantrags. Ich fand das für die beiden als Paar etwas früh. Das mag aber auch daran liegen, wir erinnern uns, im ersten Teil haben wir Hayley und James quasi kaum zusammen erlebt. Es war schwer, ein richtiges Gefühl für ihre Beziehung zu bekommen. Im zweiten Teil fühlt sich das in vielen Momenten wie erste Male an und deswegen kam der Heiratsantrag für mich aus dem Nichts. Insgesamt muss ich aber sagen, dass eine clevere und auch wendungsreiche Geschichte drum herum gesponnen wurde. Ich fand das Gesamtbild am Ende daher besser als einzelne Zwischenschritte. Die Einführung von Bea (Rhea Norwood) war dagegen ein absoluter Augenrollmoment. Das hat die Handlung in einigen Aspekten zu durchschaubar gemacht. Dabei war Bea an sich kein schlechter Mensch. Sie wollte da nicht bei einem glücklichen Paar intervenieren, aber sie hatte eben auch kein Auge dafür, was ihre Beziehung zu James bei Hayley auslöst. Dazu war dieses Betonen von den Unterschieden irgendwann zu stark. Ja, es hat sich angeboten, aber nicht in der Konsequenz, wie Hayley es dann aufgebauscht hat. Ich fand dann auch Kath wieder unglücklich. Ich gebe selbst zu, dass ich gewisse Traditionen liebe und unbedingt daran festhalten möchte. Ich habe aber auch neue Traditionen lieben gelernt. Jetzt ist die Familie nicht zuhause in England, aber dennoch kam das lustige Doppel aus Trinken im Pub und Wellness, wie schon im ersten Teil. Warum hat Kath da also so miese Stimmung gemacht? Letztlich hat sie Hayleys Gefühle so künstlich befeuert. Das hat mich etwas enttäuscht.

Am Ende war aber wie gesagt eine gute Botschaft da und ich fand auch, dass zum Schluss die emotionalen Szenen auch nochmal angeboten wurden. Dabei das wichtigste sicherlich das zwischen James und seinem Vater. Ich fand es auch gut, dass James die neue Beziehung seines Vaters nicht torpediert. Diane würde wirklich Angriffsfläche genug bieten, aber Humphrey ist glücklich und James hat recht, das würde auch seine verstorbene Mutter so wollen. Zum Showdown kommen alle zusammen und das fühlt sich rund an. Positiv will ich noch vermerken, dass englischsprachige Produktionen manchmal regelrechte Verbrechen begehen, wenn sie deutschsprachige Figuren darstellen. Hier sind aber authentisch wirklich deutschsprachige Darsteller an Bord, die sowohl gut verständliches Englisch sprechen, aber vor allem richtiges Deutsch. Beachtlich waren aber auch die Versuche der englischsprachigen Darsteller, wenn sie Deutsch gesprochen haben, das war überraschend gut zu verstehen.

Fazit

Der zweite Teil gefällt mir in dem Punkt, dass zum einen einige Highlights aus dem ersten Teil bestätigt und inhaltlich aufgegriffen werden und zum anderen auch der Titel wieder eine Rolle spielt. Aber inhaltlich gibt es mehr Stolpersteine. Insgesamt kann man den Film aber immer noch sehr gut gucken und ein dritter Teil wurde ja irgendwie auch schon angekündigt.

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Lena Donth - myFanbase
09.12.2023

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