Apple Cider Vinegar - Review Miniserie

Foto:

Als ich das erste Mal von der Netflix-Miniserie "Apple Cider Vinegar" gehört hatte, befasste ich mich nicht weiter damit und wusste auch nicht, dass sie auf "The Woman Who Fooled the World" basiert. Als dann aber der Trailer erschien, habe ich dann doch mal die Inhaltsangabe gelesen und plötzlich dämmerte es in mir, vor Jahren schon einmal was von der australischen Influencerin Belle Gibson gehört zu haben. Dennoch habe ich mir vor dem Schauen der Miniserie eine 45 Minuten lange Zusammenfassung über sie angeschaut und ja, ich war tatsächlich angefixt zu sehen, wie es von Netflix umgesetzt würde und habe sie dann fast in einem Rutsch geguckt. Wie sie mir zugesagt hat? Verrate ich euch jetzt.

Foto: Kaitlyn Dever, Apple Cider Vinegar - Copyright: 2024 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix
Kaitlyn Dever, Apple Cider Vinegar
© 2024 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix

Mich schockierte tatsächlich, wie Menschen sich so gedanklich und emotional nicht nur abhängig machen können, sondern regelrechte Scheuklappen aufhaben, förmlich sich von dieser einen Person leiten zu lassen, sich ihr schon fast willenlos zu ergeben. Netflix hat sich an ein Thema herangewagt, bei dem ich mir letztlich gar nicht sicher bin, wer tatsächlich der/die Böse hier ist. Die reale Belle Gibson wurde für die Nacherzählung ihrer Geschichte nicht bezahlt, was für mich persönlich schon dafür spricht, wie die Verantwortlichen zu den Ereignissen stehen. Zum Schutz der Unschuldigen hat man einige Namen geändert und hat Charaktere wie Handlungen hinzugefügt, was mich zu dem Fazit bringt, dass man Vergleiche geboten bekommt. Zum einen haben wir Belle, die großartig von Kaitlyn Dever gespielt wird, die nur vorgibt, unheilbar an Krebs zu leiden und dann behauptet, diesen mit Umstellung der Ernährung besiegt zu haben. Dann haben wir Milla Blake (Alycia Debnam-Carey), die für die Handlung erfunden wurde, jedoch an die verstorbene Jessica Alinscough angelehnt ist, die an Krebs erkrankt ist, sich allerdings nicht den Arm abschneiden lassen wollte und alternative Therapien ausprobiert hat und damit erfolgreich wurde. Zuletzt haben wir noch Lucy (Tilda Cobham-Hervey), die an Brustkrebs erkrankt ist und sich mit Chemotherapie behandeln ließ – vorwiegend aus Liebe zu ihrem Mann Justin (Mark Coles Smith). Sie war jedoch auch jemand, die Belle blindlings auf Instagram gefolgt ist und erst ziemlich zum Schluss die Reißleine gezogen hat.

Drei Geschichten, die eigentlich ein Gesamtbild ergeben sollen oder ein Bild, bei dem sich jede*r das Passende für sich heraussuchen soll oder ist es ein Bild, welches am Ende einen nur dazu bringen soll, zu dem Schluss zu kommen, dass nur Chemotherapie helfen wird? Darauf komme ich später noch einmal zurück.

Externer Inhalt

An dieser Stelle ist Inhalt von einer anderen Website (z. B. YouTube, X...) eingebunden. Beim Anzeigen werden deine Daten zu der entsprechenden Website übertragen.

Externe Inhalte immer anzeigen | Weitere Informationen

"Apple Cider Vinegar" wird über mehrere Jahre erzählt – zwischen 2010 bis 2015 –, was einen anfangs schon etwas durcheinander bringen kann. Zu Beginn lernt man Belle, Milla und Lucy kennen, wobei Lucy eher die sechs Episoden eine Randfigur bleibt. Während sich zwischen Belle und Milla ein einseitiger Konkurrenzkampf entwickelt, da Milla genau die Anerkennung, Wertschätzung und Liebe bekommt, nach der sich Belle seit ihrer jüngsten Kindheit sehnt, weil sie diese von ihrer eigenen Mutter Natalie (Essie Davis), die selbst an MS leidet, nie bekommen hat. In gewissen Ansätzen konnte ich Belles Handeln und ihr Verhalten sogar verstehen. Jeder Mensch möchte geliebt und anerkannt werden. Neben Belles erfundenen Krankheiten, mit denen sie Aufmerksamkeit bekommt, bindet man eben auch noch die sozialen Netzwerke ein. Etwas, was immer mehr auf dem Vormarsch ist, dass man genau dort das zu bekommen zu scheint, was in der realen Welt nicht möglich ist. Belle erreicht es, mit ihren Krankheiten Aufmerksamkeit und Liebe zu bekommen und es wirkt kurzweilig so, als würde sie das glücklich machen. Jedoch will sie immer mehr. Immer mehr Aufmerksamkeit, Wertschätzung und vor allem Erfolg.

Ihre Konkurrentin ist wie gesagt Milla, die tatsächlich an Krebs leidet, aber mit 22 Jahren noch viel zu jung dafür ist, sich den kranken Arm abschneiden zu lassen, um zu überleben. Millas Gedankengänge konnte ich genauso gut nachvollziehen. Eben weil sie noch so jung gewesen ist und auch wenn es 2010 bis 2015 noch nicht so krass war, wie viel auf Schönheit und Aussehen gegeben wird, konnte man doch verstehen, dass Milla nicht dazu bereit war, einen solchen Schritt zu gehen, auch wenn ihr und ihren Eltern eine ganze Ärztetruppe dazu geraten hat.

Foto: Alycia Debnam-Carey, Apple Cider Vinegar - Copyright: 2025 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix
Alycia Debnam-Carey, Apple Cider Vinegar
© 2025 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix

Ähnlich wie auch beim dritten Fall Lucy waren es auch bei Milla die Ärzte, für die gar keine andere Behandlungsmöglichkeit zur Debatte stand als die chemische Keule. Ich sage nicht, dass Chemotherapie nichts bringt bzw. nur die einzige Heilungschance ist. Ich bin schon seit einigen Jahren eher der Ansicht, dass es ein Zusammenspiel zwischen konventioneller und unkonventioneller Behandlung geben sollte. "Apple Cider Vinegar" bringt den Zuschauenden aber eher dazu, dass es womöglich nur eine Chance auf Heilung gibt. Zumindest bekommt man diesen krassen Verdacht, wenn man sich Millas Schicksal ansieht. Als unkonventionelle Therapie macht sie Saftkuren und Kaffeeeinläufe und hat damit nicht nur gesundheitlichen Erfolg, sondern wird auch eine berühmte Bloggerin. Doch das Schicksal schlägt gleich mehrmals erbarmungslos zu. Milla zu verlieren war ein Verlust, weil man mit jeder weiteren Episode eigentlich darauf hingearbeitet hat, dass die noch so junge Frau ihr Schicksal nur hinausgezögert, aber nicht besiegt hat.

Der Gegensatz zu ihr ist eben Belle. Ich will wie gesagt nicht sagen, dass ich ihr Handeln gutheiße oder enormes Mitleid mit ihr habe. Ich denke aber, sie hätte bereits in jungen Jahren jemanden gebraucht, der sie aufrichtig geliebt hätte. Was Belle und ihre Taten angeht, bewegt man sich hier auf einem sehr schmalen emotionalen Balken. Ihre Taten sind nicht gutzuheißen, auch wenn sie vielleicht in ihrer Vorstellung gute Absichten hatte, so bleibt doch der Fakt, dass es Belle letztlich immer nur um sich selbst ging und Unschuldige darunter auf viele verschiedenen Ebenen gelitten haben.

Ob Belle eine psychische Erkrankung wie das Münchhausen-Syndrom hat oder nicht, darüber möchte ich mir persönlich kein Urteil erlauben, auch wenn man in den verbliebenen zwei Episoden immer mehr darauf hingearbeitet hat und es manchmal doch witzig dargestellt wurde, wenn Belle bemerkt hat, dass ihr die Aufmerksamkeit schwindet und dass sie durch die Fragen der Journalisten immer mehr in die Enge getrieben worden ist.

Fazit

"Apple Cider Vinegar" ist eine Miniserie über eine Influencerin, die eine wahre Lüge gelebt hat. Sie zeigt aber auch auf, wie weit man bei Gier, gewissen emotionalen Bedürfnissen, fehlender Selbstreflexion geht, aber auch wie sehr man sich an einzelne Strohhalme klammert und dabei das Wesentliche fast aus den Augen verliert. Es ist aber auch eine Serie, bei der man über sich selbst nachdenkt und sich zu fragen beginnt, wie man selbst in den Situationen handeln würde, in den sich die Betroffenen befinden.

Die Serie "Apple Cider Vinegar" ansehen:

Daniela S. - myFanbase

Zur "Apple Cider Vinegar"-Übersicht

Kommentare