Continuum - Review des Piloten

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Ich bin relativ unvorbelastet an die Serie herangegangen, das heißt für mich, ich habe weder im Internet nach Infos gesucht, noch irgendwas über die Serie gewusst, außer dass es sich um eine Frau drehen wird, die in der Zeit zurückreist. Als großer Fan von Sci-Fi-Serien war es dennoch Ehrensache für mich, mir zumindest den Piloten anzuschauen.

"20 years ago when the corporations bailed out our failed governments, they sold it to us as salvation. Now, we see, we have paid for this rescue with our freedom. We have awaken to the truth. We have become slaves to the corporate congress."

Der Zuschauer wird ohne große Erklärungen in das Jahr 2077 geworfen, wo ein älterer Herr erklärt, dass die Macht der Konzerne gebrochen werden muss und sie für die Freiheit der Menschen kämpfen. Er wird von einer Gruppe Beschützer - der zukünftigen Version der Polizei - festgenommen. Allerdings zu spät, im Hintergrund explodiert ein Gebäude und die Vermutung, dass noch mehr Konzerne von Angriffen zerstört oder beschädigt wurden, bestätigt sich später. Gleichzeitig erhaschen wir einen ersten kurzen Blick auf einen der Hauptcharaktere: Kiera Cameron.

Ein bisschen mehr Informationen über die Zukunft hätte ich mir persönlich gewünscht, die Technik ist wie oft sehr weit fortgeschritten, jeder trägt am Handgelenk einen Holoschirm, der scheinbar Handy und Computer ersetzt. Über diesen können Informationen und Nachrichten abgerufen werden. Zudem ist Kiera als Beschützer mit weiteren Extras ausgestattet, dazu gehört eine automatischen Gesichtserkennung: ein Blick auf jemanden in der U-Bahn und schon erscheinen Informationen, ob zum Beispiel ein Haftbefehl vorliegt. Zudem trägt Kiera einen Anzug, der sie kugelsicher macht und über eine Tarnvorrichtung verfügt. Über ein Comgerät ist sie mit der Einsatzzentrale verbunden und dient quasi als wandelndes Aufnahmegerät. Letzteres ist wohl ein wenig seltsam, denn wer gibt schon gern so viel von seiner Privatsphäre auf? All diese Spielereien helfen nicht wirklich darüber hinweg, dass Rachel Nichols in ihrer Rolle zwar sympathisch wirkt, ich jedoch die tieferen Emotionen bei ihr vermisse. Jemand, der von allem fortgerissen wird, was er kennt und liebt, sollte doch etwas mehr darauf reagieren und zumindest ein wenig ins Stolpern geraten. Dafür bleibt, was irgendwo ein bisschen ironisch ist, keine Zeit.

"What you may not know is that there are two schools of quantum time travel theory. On the one hand, you have already changed the future by going back in time. The damage is done …" "What’s the other?" "That this journey is part of your own timeline from the future… all of these events actually happened before, and you’re simply going through the motions, again."

Zeitreisetheorien kennen wohl die meisten Sci-Fi-Fans, trotzdem ist es nett, wenn die verschiedenen Theorien noch mal kurz erläutert werden. Allerdings stellt sich mir bei Zeitreisen immer die Frage, warum jene dann nicht häufiger angewandt und die Vergangenheit vor Reisenden nicht wimmelt. In "Continuum" benötigt eine Zeitreise jede Menge Energie und scheint ebenfalls noch nicht einwandfrei zu funktionieren, denn eigentlich wollten die Terroristen nur sechs Jahre in die Vergangenheit reisen.

Wie bereits erwähnt, die Geschichte schreitet schnell voran. Die versuchte Hinrichtung der Rebellen, der Sprung ins Jahr 2012 und Kieras erstmaliger Unglauben, dass sie sich zwar noch in Vancouver befindet, aber die Zeit nun nicht mehr stimmt. Zudem lernt sie den jungen Alec Sadler kennen. Der Schauspieler Erik Knudsen passt perfekt zu der Rolle des jungen Alec und schafft es dessen jugendliche Neugierde und Freude darüber, dass seine Erfindung eines Tages wirklich das wird, was er sich erträumt, sehr natürlich und sympathisch rüber zu bringen. Dass der Charakter an das Nerd-Klischee angelehnt ist, der im Keller an seinem Computer sitzt und die Zeit vergisst, wobei es sich bei Alecs Refugium um die Scheune handelt, ist dabei vollkommen gleichgültig. Er ist sofort Feuer und Flamme Kiera zu helfen und braucht dabei erstaunlich wenig Zeit ihr wirklich zu glauben, dass sie aus der Zukunft stammt.

Zeit für ein besseren Kennenlernen bleibt eh nicht, denn nachdem Kiera einen der Terroristen mit einem Wahrheitsserum zum Reden bringen konnte, ihn aber dann an die Polizei verliert, versucht sie mehr über den Zeitsprung herauszufinden und gleichzeitig ihre Zukunft zu sichern. Also konzentriert sie sich auf die Ergreifung der Flüchtlinge und kehrt zum Tatort zurück. Dort rätselt die Polizei bereits, wer dafür verantwortlich ist, da es wie eine Explosion aussieht, aber kein Sprengstoff gefunden wird. Der Detektiv Carlos Fonnegra (Victor Webster) wird auf Kiera aufmerksam, die den Tatort untersucht und obwohl sie zunächst seine Fragen nicht beantwortet, erkennt er, dass sie ein Cop ist und will mehr von ihr wissen. Nachdem sie ihm eine Dienstnummer nennt von einer Polizisten aus Portland, die sie im Fernsehen gesehen hat, nimmt er sie mit um den Gefangenen zu verhören. Die Stelle ist wohl mit die Haarsträubendste, denn ohne Überprüfung der Dienstnummer oder zumindest sich ihren Ausweis anzuschauen, würde wohl niemand Kiera in das Gebäude, geschweige denn zu einem Gefangenen lassen.

Mit den Informationen, die Kiera zu dem Vorgehen der Terroristen liefern kann, bekommt sie einen Vertrauensvorschuss, als überall in Vancouver die Alarmsysteme der Banken verrückt spielen. Kiera darf tatsächlich mit Carlos Fonnegra zu der Bank fahren, wo der letzte Alarm ausgelöst wurde. Actionfans dürfen sich dort auf eine Schießerei freuen. In jener kommt der übliche Gebrauch von Waffen vor, aber niemand wird verletzt. Die Terroristen können natürlich entkommen, schließlich brauchen die Serienmacher jene noch für die nächsten Folgen. Einblick in die Polizeiarbeit zu erhalten, wird für Kiera zukünftig wohl kein Problem werden, immerhin scheint man ihr dort nun zu vertrauen.

Alec entwickelt derweilen ein Interesse daran, was die Zukunft für ihn bereit hält, denn durch eine der Rückblenden von Kiera hat er bereits einen Blick auf eine Firma geworfen, welche das Logo trägt, das er selbst in einem Notizblock zeichnete. Bevor Kiera jedoch auf seine Fragen antworten kann, entscheidet er selbst, dass er sicherlich ein grausames Ende nimmt und möchte lieber noch nichts mehr erfahren. Eine Erinnerung von Kiera zeigt, dass sie Alec in der Zukunft kennen gelernt hat und der aufmerksame Zuschauer erinnert sich an diesen Mann. Er war dabei, als die Terroristen hingerichtet werden sollten und unterhielt sich mit Kieras Mann. Es bleibt also spannend, wie genau sich Alec entwickeln wird und warum sein zukünftiges Ich Kiera nicht einfach gewarnt hat.

Fazit

Eine nicht vollkommen neue Geschichte mit einem schnellen Tempo, welche allerdings für den uneingeweihten Zuschauer einige Wissenslücken hinterlässt und das leichte Gefühl, etwas verpasst zu haben. Wer sich daran nicht stört, schaut die Serie einfach weiter und wartet auf die Auflösungen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn immerhin hat das Format genügend Zuschauern gefallen, sodass bereits eine zweite Staffel in Arbeit ist. Für Fans von Zeitreisen und einem Hauch Crime sicherlich einen Blick wert.

Charleen Winter - myFanbase

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