Das zehnte Königreich - Bekannte Märchenaspekte

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In "Das zehnte Königreich" werden diverse bekannte Märchenaspekte geschickt miteinander verknüpft, sodass sie eine magische und außerordentlich fantasievolle Geschichte entstehen lassen. So sind nicht nur die berühmten Prinzessinnen Schneewittchen und Aschenputtel präsent, sondern ebenso andere märchenhafte Begegnungen, welche von Jack (und die Bohnenstange) bis hin zu der hübschen Schäferin Bo Peep reichen. Ummantelt in einer einzigartigen Miniserie wird der Zuschauer Zeuge wie die verrücktesten Wesen, die wohl jeder noch allzu gut aus seinen Kindheitsgeschichten kennt, aufeinandertreffen und uns durch die komplette Handlung leiten und zu verzaubern wissen.

"Oohhh. Speck der in seiner eisernen Pfanne vor sich hinbruzelt und äähh ... Brat ihn, röst ihn, grill ihn, frietier ihn, knabber dran, kau ihn, beiß rein, schmeck ihn, lob ihn, preis ihn, wickel ihn um ein leckeres Hühnchen und dann runter damit."

Wer kennt ihn nicht, den bösen und verfressenen Wolf? War es nicht er, der das kleine Rotkäppchen zu Tode erschreckt hat und ihre Großmutter wie ein Snack für Zwischendurch verspeist hat? Er ist es auch gewesen der bei den Geißlein eingebrochen und sie zu Mittag gegessen hat und die Häuser der kleinen Schweinchen weggepustet hat. Durch seine spitzen Zähne und seine fragwürdigen Essgewohnheiten ist der Wolf bei Menschen gefürchtet. Doch muss er wirklich immer böse sein? Laut "Das zehnte Königreich" kann ein Wolf sich auch ändern. Wie in den meisten moderneren Märchen, kommt auch in diesem Fantasy-Epos der Wolf in Menschengestalt vor, der sich nur bei Vollmond in eine wildgewordene Bestie verwandelt.

In "Das zehnte Königreich" ist Wolf eine zentrale Figur, die uns durch die komplette Handlung führt und gemeinsam mit Virginia, Tony und Hund Wendell reist. Zwar haben die Menschen auch hier Angst vor ihm und sind von Vorurteilen geprägt, doch merkt man schnell, dass er ein gutes Herz hat und versucht dem Wolf in sich zu wiederstehen. War er zunächst noch treuergebener Diener der bösen Königin, die ihm die Freiheit geschenkt hat, hat er sich seiner Liebe zu Virginia wegen geändert (und das obwohl er ihre Großmutter zerstückelt in den Backofen schieben wollte) und versucht, wie einst schon Rotkäppchen, nicht vom rechten Weg abzukommen. So lernen wir, dass man sich nicht von seinen Vorurteilen leiten lassen soll, denn jeder verdient eine Chance sich zu beweisen und zu zeigen, dass man nicht durch und durch schlecht ist. Denn in jedem, ob Wolf, ob Mensch, verbirgt sich irgendwo ein guter Kern. Und auch wenn der Wolf in allen Märchen als eine bösartige Bestie dargestellt wird, so hat es "Das zehnte Königreich" geschickt geschafft ihn als Protagonisten und einen der Helden, in ein gutes Licht zu rücken und sich so von den typischen Märchen, wie wir sie kennen, abzuheben.

"Ich kenne Euer Schicksal. ... Ihr werdet mir eine Frage stellen... und sterben, ehe ihr eine Antwort bekommt."

Der Jäger ist in diesem Epos hingegen ein erbarmungsloser Killer, der kein gutes Herz zu haben scheint. Laut der Geschichte von "Schneewittchen" hatte er Mitleid mit dem kleinen Mädchen und brachte es nicht über sich, sie zu töten. Zwar hat er auch in "Das zehnte Königreich" die junge Prinzessin verschont, doch wird er herzlos und bösartig dargestellt. Auf seiner Suche nach Virginia, Tony und dem Hund tötet er alles, was ihm in den Weg kommt und ziert sich auch nicht Kinder in einen frühzeitigen Tot zu schicken.

In meinen Augen wirkte dies so, als hätten der Jäger und der Wolf hier die Rollen getauscht. Im Laufe der Zeit erfährt man, warum der Jäger ein Bediensteter der bösen Königin geworden ist und gerade deshalb kann man sein Handeln nicht nachvollziehen. Nachdem er durch die Armbrust der Königin seinen eigenen Sohn getötet hat, ist er dem Bösen verfallen und hat niemals mehr eine gute Tat vollbracht. Doch ob er Virginia wirklich getötet hätte, wenn sich ihm die Gelegenheit ergeben hätte, bleibt uns ein großes Geheimnis.

"Deine Frisur, die sieht so, ja so anders aus."

Rapunzel mal anders! Wie die Serienmacher diese Geschichte in "Das zehnte Königreich" integriert haben, war sehr amüsant. Es gibt zahlreiche Verfilmungen dieses klassischen Märchens und die wohl bekannteste der Moderne ist der Animationsfilm "Rapunzel – neu verföhnt". Auch in diesem Streifen bleibt der Zuschauer nicht verschont von dem weltberühmten Satz: „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar hinunter“. Wird der Name "Rapunzel" durch den Namen "Virginia" ersetzt so finden wir dieses Zitat auch in "Das zehnte Königreich" wieder. Doch war unsere junge Protagonistin doch gar nicht ihr Leben lang in einem Turm eingesperrt, woher hat sie also ihr prachtvolles, langes Haar? Unsere junge Schönheit wird hier von einer Zigeunerin verflucht und so wächst und wächst ihr Haar. Doch von prachtvoll oder glänzend fehlt jede Spur, denn die Haare von Virginia wachsen schlimmer als Unkraut, sie verheddert sich bei jedem Schritt, ihre Mähne verknotet sich und ist einfach nur dreckig und hässlich. Und auch als sie gefangen genommen wird und ihr Wölfchen kommt um sie zu retten, herrscht eine grandiose Rapunzel-Parodie. Er träumt davon ihr seidenes Haar gereicht zu kriegen und wie ein eleganter Prinz zu ihr hinaufzusteigen – Pustekuchen! Er bekommt einen verdrecken Büschel Haare mitten ins Gesicht geworfen und Virginia schreit wie am Spieß während er sich versucht zu ihr hinaufzubegeben. Herrlich! Eine super gut gelungene und amüsante Veränderung des Originalmärchens!

"Wir wollen, wir wollen sie scheren!"

Doch nicht nur allseits bekannte Märchen werden in "Das zehnte Königreich" durch den Kakao gezogen, sondern ebenso der bekannte Reim um die kleine Schäferin Bo Peep, die ihre Schäfchen verloren hat. Allerdings handelt es sich in der Miniserie um eine Familie mit dem Namen Peep und die Schäferstochter Sandy spielt in dieser Szene eine zentrale Rolle. Die Familie ist von den anderen Dorfbewohnern verhasst, da sie jeden Wettbewerb gewinnen und niemand kann nachvollziehen, weshalb deren Ernte immer besser schmeckt, als die der anderen.

Als die Protagonisten das Dorf betreten, verändert sich schlagartig das Leben der Familie Peep, denn Tony und Co. decken langwierige Geheimnisse auf, die alle in Gefahr zu bringen scheinen. Es ist faszinierend, wie viel aus diesem kurzweiligen Gedicht rausgeholt worden ist und wie einzigartig die Geschichte um die Schäferinnen geworden ist. Aus der gesamten Serie ist diese Handlung meine allerliebste.

Wie man deutlich sehen kann, ist "Das zehnte Königreich" eine Serie, die fast jedes bekannte oder unbekannte Märchen in einer verzwickten und durchweg ulkigen Geschichte miteinander vereint. Die oben aufgeführten Märchen sind allerdings nur einige wenige, die wir in der packenden doch leider eher kurzweiligen Serie wiederfinden. Wer wissen möchte, welche Märchenaspekte "Das zehnte Königreich" noch beherbergt und welche Geheimnisse noch gelüftet werden, sollte nicht zögern und sich bald von Virginia, Tony, Wendell und Wolf verzaubern lassen!

Sanny Binder - myFanbase

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