Falling Skies - Review Staffel 3
A More Perfect Union
Die zweite Staffel endete mit einem wirklich interessanten Cliffhanger. Unsere Helden der Second Mass waren in Charleston angekommen und feierten gerade ihren kleinen Sieg über die Fischköpfe, als plötzlich eine weitere Alienrasse auftauchte. Das Auftauchen des neuen Mitspielers warf natürlich die Frage auf, ob es sich bei den Neuankömmlingen um einen potentiellen Alliierten im Kampf gegen die Unterdrückung handelte oder nur um eine weitere Rasse, die es sich zum Ziel gemacht hatte, die Menschheit zu unterjochen.
Viel bekommen wir von der ersten Annäherung zwischen Mensch und Volm (so der Name der Neuen) leider nicht zu sehen, denn der Auftakt der dritten Staffel springt mal eben sieben Monate in die Zukunft. Die Menschen sind mit den Volm eine Allianz eingegangen und die Neuankömmlinge scheinen uns wohl gesinnt zu sein. Ein klein wenig genervt bin ich schon darüber, dass wir die wichtigen ersten Momente zwischen den Menschen und ihren potentiellen Befreiern nicht mitbekommen haben, aber man kann sich an die neue Situation durchaus gewöhnen.
Innerhalb der sieben Monate hat sich viel getan. Tom Mason ist mittlerweile Präsident der Neuen Vereinigten Staaten von Amerika, genießt großes Ansehen unter seinem Volk und hat zu Cochise, dem Kontaktmann zwischen Volm und Menschen, eine Art Freundschaft entwickelt. Er freut sich auf seine bevorstehende Vaterschaft und ist zum ersten Mal seit langem wieder positiv gestimmt, dass sie im Kampf gegen die Espheni als Sieger hervor gehen könnten.
Anders zeigt sich die Situation bei Hal. Dieser kann nach einem nicht näher definierten Vorfall nicht mehr laufen, stürzt sich jedoch weiterhin in kleine Guerillakämpfe gegen Skitters und Mechs. Von dem bösen Hal, der am Ende von Staffel zwei so richtig schön fies in die Kamera gegrinst hatte, ist zunächst nichts mehr übrig. Erst in den kommenden Episoden wird klar, dass er tatsächlich von Karen manipuliert wurde und sie ihn nutzen will, um die Gruppe in Charleston zu infiltrieren.
Just in diesem Moment, als Maggie erkennt, dass mit Hal etwas nicht stimmt, treibt ein Maulwurf in Charleston sein Unwesen. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass Hal dieser Maulwurf ist, der immer wieder die Pläne der Kämpfer in Charlston durchkreuzt und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Die ganze Sache um den Maulwurf und die Suche nach ihm nimmt einen großen Teil der ersten Staffelhälfte ein und ist ehrlich gesagt ein klein wenig langweilig. Es ist eigentlich sofort klar, dass Hal nicht der Maulwurf sein kann. Man verdächtigt hier jemanden und da jemanden und als der Maulwurf sich endlich zu erkennen gibt, da fragt man sich als Zuschauer, wie und wann Karen Hand an ihn legte. Lourdes als Maulwurf ist sicherlich keine schlechte Idee, gerade weil man die fromme Ärztin in Ausbildung zu keiner Zeit verdächtigt hat. Und es gibt ihr am Ende der Staffel mehr zu tun als nur treudoof in die Kamera zu blicken und ermutigende Worte an die Bevölkerung von Charleston zu schicken.
Bis auf diese kleinen Veränderungen bleibt im Cast leider alles beim Alten. Tom Mason ist weiterhin der altkluge Professor, der zu jeder Situation eine passende Metapher aus der amerikanischen Geschichte parat hat, während Dan Weaver stets darum bemüht ist, den Krieg aufrecht zu erhalten. Pope ist immer noch der coole Sprücheklopfer, der eigentlich mit nichts und niemanden aus Charleston etwas am Hut haben will, es jedoch nicht fertig bringt, die Stadt zu verlassen und stattdessen Hetzreden auf Tom und seine Entscheidungen verbreitet.
Die meisten neu eingeführten Charaktere bleiben eher blass. Einzig und allein Dr. Kadar, der menschenscheue Alleswisser, der in den Katakomben von Charleston haust, ist eine wahre Bereicherung. Dies liegt in erster Linie an Robert Sean Leonard, der hier in seiner ersten Rolle seit "Dr. House" zu sehen ist und zu Beginn ein klein wenig an Brent Spiner in "Independance Day" erinnert. Ich hoffe wirklich sehr, dass er uns auch in der vierten Staffel erhalten bleibt, denn er bringt mit seiner verqueren Art durchaus etwas Pep in den alteingesessenen Cast.
Auch Sci-Fi-Veteran Doug Jones macht seine Sache als Cochise gut, was allerdings nicht anders zu erwarten war. Leider bleibt die Figur im Laufe der Staffel etwas blass und wird vor allem gegen Ende unglaublich vermenschlicht. Dies scheint ja mit jeder Alienrasse irgendwann zu passieren, man erinnert sich nur zum Beispiel an "V – Die Besucher", die auch irgendwann allzu menschlich wurden. Menschlichkeit als allerhöchstes Gut im Universum, dem sich keine Rasse entziehen kann – das nervt ein bisschen, denn es präsentiert die Menschen stets als höchste Evolutionsstufe im Universum. Und es kann doch nicht sein, dass wir das Ende der Evolution darstellen und alle anderen Rassen unter uns stehen.
Wer leider auch richtig enttäuscht ist Stephen Collins. Der aus "Eine himmlische Familie" bekannte Darsteller übernimmt die durchaus interessante Rolle des amerikanischen Präsidenten, der sich nach Ausbruch des Krieges in einen Bunker zurückgezogen hat und von dort aus das "Land" regiert. Nach nur zwei Episoden ist er jedoch auch schon wieder aus dem Verkehr gezogen und von den Streitkräften, die er um sich geschert hatte, hört man kein einziges Wort mehr. Dabei hätte diese potentielle Allianz zwischen dem Präsidenten und der Gruppe in Charleston durchaus interessant werden können.
Viel zu früh verabschiedet sich auch Terry O'Quinn, der nach einem kurzem Auftritt dem Maulwurf zum Opfer fällt. Und auch Matt Frewer verabschiedet sich zu früh von der Serie. Beide Charaktere waren ein großartiges Gegenstück zum Gutmenschen Tom Mason gewesen, die anders als Präsidentschaftsberaterin Marina Peralta den Schneid hatten, sich gegen Mason zu stellen und dabei auch noch ein gewisses Maß an Autorität ausstrahlten.
“I'm not giving up on you. I don't care what that bitch has done to you.“
So recht will die Staffel gerade zu Beginn nicht in Schwung kommen. Die Geschichte um den Maulwurf zieht sich unglaublich in die Länge und die Allianz um die Volm und deren Geschichte mit den Espheni wird in kleinen Gesprächen zwar angedeutet, jedoch nie so erzählt, dass der Zuschauer ernsthaft glaubt, dass die Volm die großen Befreier sein könnten. Immerhin ist es auch ihnen nicht gelungen, in den vergangenen sieben Monaten einen entscheidenden Sieg über die Espheni zu erreichen. Stattdessen baut man irgendwo in der Nähe von Boston eine gigantische Waffe, die die Menschen (allen voran Tom Mason) nicht einmal ansatzweise in Frage stellen. Zwar gibt es immer wieder den ein oder anderen erhobenen Zeigefinger, dass man den Volm nicht blind vertrauen sollte, doch nicht auch nur ein einziges Mal wird diese neue Rasse als ambivalent dargestellt, so dass man Zweifel an ihren Motiven bekommen könnte.
Stattdessen konzentriert man sich bald wieder auf zwischenmenschliche Probleme. Hal und Maggie geraten in Streit, weil Hal einfach nicht von Karen loskommt. Die beiden befinden sich mittlerweile in einer gefestigten Beziehung und es ist vor allem die in der letzten Episode noch zögernde Maggie, die sich voll auf Hal einlässt und ihm zur Seite steht, komme was wolle. Es ist schön zu sehen, dass sich Maggie weiter entwickelt hat und bereit ist, sich ernsthaft auf jemanden einzulassen, auch wenn am Ende klar wird, dass sie nicht all ihre Zweifel, sich selbst betreffend, abschütteln kann.
Während man sich im Besonderen auf Hal konzentriert, gerät Ben diese Staffel ein wenig ins Hintertreffen. Die Skitterrebellion wird zwar hin und wieder angesprochen, aber ihr scheint die Luft ausgegangen zu sein seit dem Tod von Rotauge. Ben bleibt in Staffel drei daher nur noch die Rolle des Dolmetschers für Skitter und einer von mehreren Jugendlichen, die mit übermenschlichen Kräften gesegnet sind und so eine tolle Waffe im Kampf gegen die Espheni bilden. Kein Wort mehr von Selbstzweifeln oder Zugehörigkeitsängsten. Ben hat sich für seine Familie entschieden und die ist trotz aller Vorkommnisse menschlich.
Unterdessen bringt Anne schließlich eine gesunde Tochter zur Welt, die jedoch bald schon mit unheimlichen Entwicklungen beunruhigt. Lange wird nicht klar, ob Anne einfach nur verrückt ist oder sie tatsächlich ein gruseliges Halbalien zur Welt gebracht hat, das nach wenigen Tagen auf der Welt schon Stehen und Sprechen kann. Als sie schließlich von einem Wissenschaftler die Bestätigung erhält, dass ihre Tochter tatsächlich Aliengene in sich trägt, brennen bei Anne alle Sicherungen durch, sie schnappt sich ihre Tochter und verschwindet dann mit ihr im Wald, wo sie sofort Skitters in die Arme läuft. Gut, Moon Bloodgood musste aufgrund ihrer Schwangerschaft für einige Zeit aus der Serie geschrieben werden, das ist verständlich, doch man hätte die ganze Sache um das Kind sicherlich auch etwas nachvollziehbarer inszenieren können.
Immerhin gibt das Verschwinden von Anne der Familie Mason Gelegenheit sich endlich mal wieder auf sich selbst zu konzentrieren. Tom legt irgendwann sein Amt als Präsident nieder und begibt sich mit seinen Söhnen auf die Suche nach den beiden Frauen. Dies führt in #3.07 The Pickett Line zu einer durchaus interessanten Episode, in der man sich einmal ganz auf die Masons konzentriert und wunderbar den Zusammenhalt unter den vier Männern beobachten kann. Am Ende gerät Tom Mason jedoch erneut in die Hände von Karen, ganz wie in der Staffel zuvor. Und es gelingt ihm schließlich, ganz wie in der Staffel zuvor, sich irgendwie aus der Umklammerung der Espheni zu befreien und nach Charleston zurück zu kehren. Und wieder stellt niemand in Frage, wie er dies geschafft hat oder ob er vielleicht irgendwie von Karen geschickt wurde, um Charleston zu infiltrieren.
“All I've got now is hate, I'm not going to waste it.“
Zugegeben, Toms Gefangenschaft bei Karen führt zu einer wahrlich tollen Episode, die ein wenig an den Kinofilm "Inception" erinnert, die gerade am Ende jedoch nicht den Mut hat, ein klein wenig Ambivalenz offen zu lassen. Hier hätte man die Gelegenheit gehabt, alte Strukturen ein wenig aufzubrechen, doch stattdessen entscheidet man sich für den leichteren Weg und macht alles so, wie man es immer gemacht hat. Man lässt die Protagonisten nur innerhalb ihrer Wohlfühlzone agieren und wagt es nicht, sie mal aus sich heraus kommen zu lassen. Nur hin und wieder lässt sich das Potential der Serie erkennen, wie zum Beispiel als man Pope und Mason zusammen abstürzen lässt und ihnen die Gelegenheit gibt, sich gegenseitig mal so richtig anzuzicken. Das macht Spaß und bringt tolle Momenten zwischen den beiden Charakteren, wird am Ende der Episode aber leider schon wieder ad acta gelegt. Pope und Mason gehen wieder ihrer Wege und es ist nichts mehr davon zu merken, dass die beiden sich ein klein wenig angenähert haben.
Mit dem Staffelfinale findet die zwischendurch wirklich durchhängende Staffel zu einem kleinen Hoch zurück. Dies liegt in erster Linie daran, dass man sich endlich wieder auf das Wesentliche konzentriert, den Kampf gegen die Espheni. Wie durch ein Wunder gelingt es Tom und seiner Gruppe, mit Hilfe der Technologie der Volm, den Espheni einen entscheidenden Schlag zu versetzten, nur um dann festzustellen, dass die Volm im Anschluss planen, den Krieg gegen die Besatzer ohne Hilfe der Menschen durchzuführen. Die sollen in der Schlacht um die Erde nach Brasilien umgesiedelt werden. Was ich mich als Zuschauer zu der Zeit frage ist, ob die Espheni denn nur in Nordamerika wüten und es ihnen in Südamerika vielleicht zu heiß ist. Warum sonst sollten die Volm die Menschen dorthin umsiedeln wollen?
Wie Amerikaner so sind, weigern sie sich jedoch, sich in ihrer Freiheit beschneiden zu lassen. Lieber wollen sie an vorderster Front untergehen, als ihren Planeten kampflos aufzugeben und sich am Strand der Copacabana zu sonnen. Das will den Volm auch nicht so ganz einleuchten, doch Cochise und sein Vater, der Kommandeur der Streitkräfte, lassen sich von dem emotionalen Gelaber über Freiheit und Menschlichkeit einlullen und die Second Mass schließlich in den Kampf ziehen. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir immer noch nicht, ob die Volm nun gut oder böse sind. Zwar taucht Karen noch einmal kurz auf, schwenkt eine weiße Flagge und warnt Tom davor, den Volm zu vertrauen, doch so richtig zünden wollen ihre Warnungen gegen die Volm nicht. Selbst in einem privaten Gespräch zwischen Cochise und seinem Vater gibt es keine einzige ambivalente Andeutung, dass die Volm etwas anderes wollen, als die Menschen von der Besatzung der Espheni befreien. Warum sollte dann ausgerechnet Tom, der sich immer auf Cochise verlassen konnte, auch nur ansatzweise Karen Glauben schenken, wenn schon nicht einmal der Zuschauer glaubt, dass die Volm etwas im Schilde führen.
Fazit
Am Ende der Staffel, als die Second Mass wieder aufbricht, um in den Krieg zu ziehen, sind wir keinen Deut weiter als damals am Ende der zweiten Staffel. Die Machtverhältnisse haben sich keinesfalls verschoben, denn der kleine Sieg, den die Menschheit erringen konnte, verdankt man einer anderen Rasse, der man nun den Rücken kehrt. Alles beim Alten also in "Falling Skies", wäre da nicht das gruselige, mittlerweile sechsjährige Mädchen, das halb Alien, halb Mensch ist und vielleicht eine interessante Waffe gegen die Espheni werden könnte.
Melanie Wolff - myFanbase
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