Falling Skies - Review Staffel 5
Am Ende einer Serie blickt man gerne einmal zurück und erinnert sich an die guten und die schlechten Momente, die Highlights und die Lowlights, die Situationen, in denen man gespannt vor dem Fernseher saß und die Ereignisse, bei denen man am liebsten den Fernseher aus dem Fenster geworfen hätte vor Wut. Vor fünf Jahren startete "Falling Skies" mit einem vielversprechenden Piloten und legte eine ordentliche, spannende und durch und durch interessante erste Staffel hin. Noah Wyle und die anderen Darsteller wussten zu überzeugen, die Geschichten waren interessant, wenn auch nicht gleich innovativ, aber man wurde gut unterhalten.
Von dem Gefühl, das die erste Staffel hinterlassen hatte, ist am Ende von Staffel 5 nicht mehr viel übrig. Vielmehr seufzt man am Ende, ob der verpassten Möglichkeiten und der dämlichen Entscheidungen, die nicht nur im Finale getroffen wurden, sondern schon weit vorher zu einer wirklich zähen letzten Staffel geführt hatten.
"Our final fight with the Esphen didn't go as planned. But one thing was clear: this would be the bloodiest battle yet."
Wie nicht anders erwartet ist Tom Mason am Ende unverwüstlich und überlebt dank einer neuen Alienrasse seinen Ausflug ins Weltall. Es war ja von vornherein klar, dass Mason den Cliffhanger überleben würde, doch so kurz vor Schluss einen weiteren Spieler einzuführen, über den wir nur ganz am Rande erfahren, dass er ebenfalls mit den Espheni einst zu tun hatte und den Kampf gegen die blutrünstige Rasse verloren hatte, ist schon etwas ärgerlich. Klar, sie wurden schon hin und wieder mal erwähnt und auch dass sie als "die größten Feinde der Espheni" gelten, doch über weite Strecken nicht klar ist, was die Dorniya im Schilde führen und ob man ihnen trauen kann. Überhaupt scheint es so, dass ja nur noch ein einziger dieser Rasse übrig geblieben ist und mit letzten Mittel alles daran setzt, Rache für sein Volk zu üben, zur Not auch auf Kosten der Menschen. Es hängt ständig eine gewisse Ambivalenz über Masons neuen Kontakt aus dem All, die jedoch nie richtig greifbar wird und am Ende auch vollkommen egal ist, denn nachdem man Tom die ultimative Waffe gegen die Espheni überlassen hat, verschwinden die Dorniya wieder, in einen See in der Nähe von Washington, wo man darauf wartet, dass sie irgendwann mal wieder gebraucht werden.
Bei der Einführung der Volm war es damals ja ähnlich. Der Auftritt von Cochise im Finale der zweiten Staffel versprach Spannung und man wusste lange nicht, ob die Volm wirklich Verbündete für die Menschen sein könnten oder vielleicht ein übergeordnetes Ziel verfolgten. Am Ende jedoch erwiesen sie sich nur als weiteres Fußvolk gegen einen schier unbesiegbaren und allmächtigen Gegner, vor allem nachdem eigentlich alle Volm die Erde wieder verlassen hatten und nur der immer menschlicher werdende Cochise mit einigen Anhänger zurück blieb, um zu sehen, ob Tom Mason es irgendwie schaffen konnte, gegen die Espheni zu bestehen. Immerhin gibt es durch Cochise und dessen unfreiwilligen Sidekick Dingaan in der Mitte der Episode ein paar wirklich grandios witzige Szenen.
Warum also die Einführung der Dorniya so kurz vor dem Ende der Serie? Weil sie die alles entscheidende Waffe gegen die Espheni auf die Erde bringen können, die natürlich noch kurz von unseren Helden modifiziert werden muss, damit sie lediglich den Gegner pulverisiert und nicht gleich die gesamte Menschheit mit auslöscht. Glücklicherweise findet man auf dem Weg in Richtung Washington DC, wohin sich sämtliche Espheni-Streitkräfte zurückgezogen hatten, nachdem Tom Mason und seine Tochter Lexi die Energieversorgung auf dem Mond ausgeschaltet hatten, einen Bierbrauer, der Chemieingenieur war und mal eben eine extraterrestrische Biowaffe umprogrammieren kann. Zufälle gibt’s…
Überhaupt gibt es manchmal wirklich Momente, in denen man sich an den Kopf fasst ob der unglaublich hahnebüchenen Storyline, sei es weil Ereignisse einfach mal wieder so hingebogen werden, wie man sie eben gerade braucht oder weil man einfach nicht mehr genug Geld übrig hat seitens der Produzenten, um wirklich all die Ideen, die man gehabt haben könnte, zu realisieren. Gerade letzterer Punkt ist ein großes Manko der fünften Staffel und vor allem des Finales. Ein großer Endkampf ist nämlich nicht drin. Stattdessen wird kurz angedeutet, dass draußen vor den Toren Washingtons die Luft brennt, während 5 oder 6 unserer Helden durch dunkle Tunnel rennen und dort auf der Suche nach dem ultimativen Endgegner sind. Und da die Animation der Königin der Espheni das gesamte Etat für Computeranimation verschlungen haben durfte, darf am Ende auch nur Noah Wyle ihr gegenüber treten, kurz mit ihr einen Plausch halten, um sie dann mit einem kurzen Puff und einem lächerlichen Schrei auszuschalten. Ein Highlight ist etwas anderes.
Dass die allmächtigen Espheni einer höheren Macht dienen, wurde zwar hin und wieder einmal angedeutet, doch wirklich greifbar sind die Strukturen der Espheni auch am Ende der Serie nicht wirklich. Klar, man präsentiert uns eine Erklärung, warum gerade die Menschheit unterjocht werden soll, die ist allerdings so dämlich, dass man sich ernsthaft fragen muss, was die Espheni sonst so treiben, wenn sie nicht gerade die Erde platt machen wollen. Angeblich gehört es zur Philosophie der Espheni, zu erobern und ihr Imperium zu vergrößern, weswegen vor über 1500 Jahren die Königin ihre Tochter zur Erde gesandt hat, welche jedoch von den primitiven Menschen kaltblütig ermordet wurde. Es ist also am Ende die gute alte Rache, die die Espheni auf die Erde getrieben hat. Wobei ich mich frage, ob denn wirklich alle Espheni dieses Mal unterwegs waren und ob es vielleicht überall im Universum lustige kleine Feuerwerke gab, nachdem die Königin explodiert ist.
Die Königin macht am Ende übrigens den gleichen Fehler wie sämtliche Bösewichte der Filmgeschichte: sie quatscht und quatscht und quatscht und vergisst darüber, den einzigen Menschen, der ihr gefährlich werden könnte, das Licht auszuknipsen. Und so kommt es, wie es kommen muss, Tom Mason triumphiert im Alleingang über die Espheni, kann mit ein bisschen Mühe den Virus applizieren und die Königin in die Ewigen Jagdgründe schicken.
"Once upon a time, there was a place called America."
Es ist jedoch nicht nur das Finale, das nicht zu überzeugen weiß. Die gesamte Staffel krankt daran, dass man sich an allen Ecken und Enden neue Probleme schafft, anstatt sich auf das große Finale zu konzentrieren. Da wird binnen einer halben Staffel mal eben der Charakter John Pope komplett demontiert. Man lässt ihn zu einem schwer erträglichen, den großen Showdown unnötig hinauszögernden Idioten verkommen, einfach weil er die Schnauze voll hat, dass er seine Freundin verliert, während die Masons entführt und ins All geschossen, von Käfern befallen und mit Spikes versehen werden und am Ende immer heil aus der Misere herauskommen. Klar, es ist verständlich, dass ihm irgendwann die Sicherung durchbrennt, doch der ganze Konflikt, der ja eigentlich schon seit mehreren Staffeln schwelt, hätte besser auf andere Weise gelöst werden sollen anstatt den Berserker zur Lachnummer verkommen zu lassen, die niedergeschossen und in die Luft gesprengt wird und am Ende der Serie, kurz vor Schluss humpelnd und halb blind nochmal auftaucht, um mit Mason Frieden zu schließen und dann elendig zu verrecken. Wie gesagt, ich verstehe seine Wut auf Tom, der in einem Moment eine falsche (oder vielleicht auch richtige) Entscheidung getroffen hat, die jemandem Unschuldigen das Leben gekostet hat. Doch im Krieg muss man manchmal eben Prioritäten setzen, auch wenn diese manchmal tragisch enden können. Es ist also durchaus legitim, dass Pope nicht begeistert davon ist, dass Sara aufgrund Toms Entscheidung ums Leben kommt, doch ihn dann zwei oder gar drei Episoden zu widmen, in denen er Hal entführt und seine Psychospielchen mit Tom treibt, das geht bei einer finalen Staffel mit nur zehn Episoden einfach zu weit.
Doch nicht nur das Duo Pope-Mason nervt, auch das Liebesdreieck zwischen Maggie, Ben und Hal geht einem schnell auf die Nerven, vor allem nachdem sich nach der ganzen Pope-Sache dann plötzlich noch eine weitere Gespielin ins Bild drängt. So entsteht aus dem Dreieck kurzfristig ein Vierer, bis Maggie sich endgültig von Ben löst (weil sie seine Nähe nicht erträgt) und Hal mal eben fremdknutscht, da er eine taffe Frau gefunden hat, die ihm etwas Paroli bieten kann. Und so scheint für einen kurzen Moment jeder irgendwie auf sich alleine gestellt zu sein, was man als Zuschauer durchaus akzeptieren kann, würde Hal Maggie nicht in der letzten Folge noch schnell einen Heiratsantrag machen, den sie freudestrahlend annimmt. Es ist ein komplettes durcheinander, das hier generiert wird und vielleicht noch einmal jedem Charakter etwas Tiefe verleihen soll, doch weder Maggies Hadern mit ihren Spikes, noch Bens Verbindung mit den Espheni wird irgendwie zufriedenstellend thematisiert.
Natürlich gibt es auch den ein oder anderen spannenden und interessanten Charaktermoment. Gegen Ende der Staffel lässt man Dan Weaver auf eine alte Weggefährtin treffen, mit der er auch eine tiefe persönliche Verbindung zu haben scheint und die im Kampf gegen die Espheni zum Zünglein an der Waage werden könnte. Auch sein kurze Gefangenschaft mit Marty, dem Brauingenieur, weiß zu überzeugen, doch im Großen und Ganzen gesehen ist es für derartige Momente einfach zu spät. Längst wartet der Zuschauer auf einen phänomenalen Endkampf, der durch solche “Zwischenstationen“ nur unnötig hinausgezögert wird (und am Ende sogar gar nicht erst wirklich stattfindet).
Ganz enorm stört mich an der Staffel auch die Art und Weise, wie die Espheni gezeichnet werden. Aus den übermächtigen, brutalen und weitsichtigen Kreaturen werden zahme Wesen, die ohne ihren Mond-Energie-Schild nur noch halb so viel wert sind wie zuvor. Sie kauern einsam in Höhlen und lassen sich von einem Menschen nur mit einem Jagdmesser bewaffnet umbringen. Sind sie ohne ihre Mechs tatsächlich so schutzlos gegenüber der Menschheit? Ich erinnere mich noch, wie bedrohlich die Außerirdischen in den ersten beiden Staffel noch wirkten, doch hier gegen Ende der Serie scheinen sie nur noch ein Schatten ihrer Selbst zu sein, die von Glück reden können, dass ihre Mama (also die Königin) auftaucht, um sie zu beschützen. Zu dumm, dass mit ihrem Tod auch sämtliche Espheni sich buchstäblich in Luft auflösen… an dieser Stelle frage ich mich gerade, warum eigentlich nicht auch Ben explodiert ist, mit all der Espheni-Technologie in seinem Körper.
Ich könnte mich nun über so einiges in der Staffel aufregen… darüber, dass die Skitter-Rebellion aus Staffel zwei nie wieder thematisiert wurde. Oder dass die Volm weiterhin nur ein lahmer Verbündeter am Rand sind, die absolut nichts dazu beitragen, dass die Menschheit am Ende die Oberhand behält. Oder dass die plötzlich aufgeworfene Sache mit den Klonen nicht weiter thematisiert wurde, sondern einfach nur als Plotdevice eingeführt wurde. Oder die Tatsache, dass die Dorniya einfach auftauchen und dann anscheinend in einem See in der Nähe von Washington verschwinden, um… ja was eigentlich, zu tun. Bleiben sie jetzt dort und erwecken jeden zum Leben, den Tom Mason ihnen bringt? Es sind viele kleine Dinge, die stören und die letzte Staffel "Falling Skies" zu einer wahren Nervenprobe werden lässt.
Fazit
Nein, die 5. Staffel war kein Highlight für die Serie "Falling Skies". Als die Helden der Second Massachusetts am Ende wie bei Star Wars zusammen stehen, Tom Mason seine letzte motivierende Rede hält und die Kamera in die endlosen Weiten des Universums zoomt, da seufzt man erleichtert ob der Tatsache, dass mit diesem stellenweise unglaublich verkorkstem Finale eine Serie zu Ende geht, die ihren Zenit längst überschritten hat, am Ende vor allem an einem zu knappen Budget und fraglichen Entscheidungen der Autoren scheiterte und sehr viele Wünsche offen ließ. "Falling Skies" ist Geschichte und das ist an dieser Stelle auch gut so.
Melanie Wolff - myFanbase
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