Interview mit George Webster
George Webster über seine Rolle in "Genius", der ersten Dramaserie von National Geographic, und die Darstellung komplexer Charaktere, die auf realen Menschen basieren, über Wilhelm von Oranien, dem er samt federnder Frisur in "Versailles" Leben einhaucht, und über seinen ersten Film, "Further Ed", den er bereits in seinen frühen Zwanzigern gemacht hat
18. Mai 2017 von Nicole Oebel @philomina_
Übersetzt von Denise D.
Hier könnt ihr das Originalinterview nachlesen. | Read the original interview in English.
In "Genius" spielst du die Rolle des Julius Winteler, Sohn der Familie, bei der Albert Einstein als Jugendlicher in der Schweiz gelebt hat. Wie war's, Teil der ersten Dramaserie von National Geographic zu sein und mit Ron Howard zu arbeiten, und denkst du, dass die Handschrift von Nat Geo in der Serie sehen kann?
Es war eines dieser Projekte, bei dem man einfach mitmachen möchte, egal wie, sobald man davon gehört hat. Es hat mich einfach so viel darin angesprochen, als Fan von Geschichte und Wissenschaft, von Ron und Nat Geo als Unternehmen. Teil ihrer ersten Dramaserie zu sein, hat sich wirklich, keine Ahnung, bedeutend angefühlt? Es ist ein Unternehmen, das es schon seit ungefähr 1888 gegeben hat (hab ich sowas von gegoogelt). Daher war es eine riesige Ehre, bei ihrem nächsten großen Schritt, sich an TV Drama zu versuchen, dabei zu sein.
Ich finde, dass die Serie auch unglaublich ist, wobei ich vielleicht voreingenommen bin! Aber ich glaube wirklich, dass sie hier was Außergewöhnliches geschaffen haben. Und ich denke absolut, dass es die Handschrift von Nat Geo trägt. Welches andere Unternehmen könnte fortschrittliche wissenschaftliche Theorien, den Aufstieg des Dritten Reiches und Einsteins Vorliebe für sexuelle Eroberungen auf die Reihe bekommen? Und mit allen dreien Erfolg haben? Nicht viele, das kann ich euch sagen.
Die folgende Frage enthält Spoiler für die "Genius"-Folge #1.04.
Julius Winteler soll psychisch krank gewesen sein und er hat Familienangehörige und sich selbst umgebracht. Wie bist du an diese Szenen herangegangen und – wie als du vor einiger Zeit River Phoenix' letzte Stunden gespielt hast – war es schwer, deine Arbeit nach einem langen Drehtag hinter dir zu lassen?
Wir sprechen Julius' Abstieg in diese Dunkelheit an. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich von solchen Szenen und Charakteren nichts mitnehmen würde. Es strengt einen sowohl emotional als auch körperlich an, diese überladenen Gefühle darzustellen. Und als jemand, dem häufig gesagt wird, am Set leise zu sein, weil ich vermutlich gerade irgendwem schlechte Witze erzähle, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich in eine Ecke zurückzuziehen und eine Zeit lang in mich zu gehen, wenn diese Szenen drankommen, die diese bedrückenden Themen behandeln. Und es kann schwer sein, danach wieder aus dieser Zurückgezogenheit auszubrechen. Besonders, weil Julius eine reale Person war, die wahrscheinlich unter einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung gelitten hat, die man damals noch nicht verstanden hat. Ich denke, dass man es seiner Erinnerung schuldig ist, seiner Familie und denen, die er verletzt hat, dass man das mit dem Respekt und dem Ernst behandelt, den es verdient hat.
Was River angeht, war da wohl mehr Druck da, weil es natürlich heute noch lebende Verwandte gibt. Der Grund, warum ich diese Rolle überhaupt erst angenommen habe war, weil ich niemand anderem vertraut habe, die Rolle mit dem Respekt zu behandeln, mit dem ich sie behandeln würde. Rivers Tod ist immer noch so traurig und relevant, dass es mich eindeutig beeinflusst hat, da gibt es Lektionen, die ich während meiner Recherche über seine Arbeit, sein Leben und seine Fehler gelernt habe, die mich für immer begleiten werden.
Alex Vlahos hat in einem Interview gesagt, dass "Versailles" ein bisschen "wie 'Skins' im 17. Jahrhundert" ist, was wahr ist, wenn man sich ansieht, wie jung diese Charaktere wirklich sind. Trifft es dich manchmal, wenn du William of Orange spielst, wie mächtig diese historischen Figuren waren und wie viel Gewicht ihre Entscheidungen in so einem jungen Alter gehabt haben?
Ja, absolut! Ich denke, das zentrale Thema der Serie ist Macht, ob das nun Macht beim Sex, im Thronsaal oder auf dem Schlachtfeld ist. Macht war das einzige, was diesen Leuten wirklich wichtig war. Man kann sehen, wie Macht, Wohlstand und Einfluss junge Leute heutzutage direkt beeinflussen. Man muss gar nicht lange suchen, um den tragischen Hollywood Kinderstar oder das junge Musikwunder zu finden, denen die ganze Welt offen steht. Stellt euch diese Leute vor, mit Schwertern, Armeen und der Fähigkeit jeden nach Belieben töten, vögeln oder foltern zu können. Es würde vermutlich nicht gut ausgehen.
Ich glaube, dass William der Beste eines schlechten Haufens war (hier Grinse-Emoji einfügen)
Ich liebe es, wie "Versailles" sich manchmal eine Pause von den ganzen Strapazen nimmt, um einfach in seinem eigenen Glanz zu schwelgen. Zum Beispiel diese Slowmo-Catwalk-Szenen, Seite an Seite marschieren, mit wippendem Haar – wie der Aufritt von deinem Charakter in Staffel 1. Was macht dir am meisten Spaß daran, bei dieser opulente Serie zu arbeiten?
Sie mögen wirklich wippendes Haar, oder! Ich glaube, ich war einer der einzigen männlichen Charaktere, der keine Perücke getragen hat; das Wippen war alles ich! "L'Oreal, weil ich es mir wert bin." – Die Drehbücher in dieser Serie gehören zu dem Besten, das ich jemals lesen durfte. Der Dialog ist einfach Gold. Aber was am meisten Spaß macht? Ihr solltet mal sehen, was für Essen sie mittags bereitstellen... wir sprechen hier von Wein, Käse, Hummer, Rauchfleisch, frischem Brot, Bier, einfach allem. Ihr könnt mir das schlechteste Skript der Welt geben, aber wenn ihr mir so ein Essen vorsetzt... ihr könnt euren Allerwertesten darauf verwetten, dass ich bei eurer Serie dabei bin!
Die folgende Frage enthält kleinere Spoiler zu einer der späteren Episoden von "Versailles" Staffel 2.
Eine deiner Episoden ist fast schon ein Kammerspiel zwischen dir und George Blagden. Sie hat eine unglaubliche Dynamik, ein ruhiger Dialog zwischen Todfeinden, bei dem sich mehrere Momente aufbauen, in denen sich Spannung entlädt und die Überlegenheit wechselt. Bitte erzähle uns etwas über den Dreh dieser Episode, war es für dich genauso aufregend wie es für uns als Zuschauer fesselnd war?
Bis heute war diese Woche mit dem guten alten Blaggers meine liebste Zeit als Schauspieler! Wir kommen hinter den Kulissen ziemlich gut miteinander klar, wir haben viele gleiche Empfindungen und Einstellungen, ich kannte ihn schon, bevor Versailles überhaupt existiert hat. Und ich glaube wirklich nicht, dass man einen bodenständigeren, ehrlicheren oder großzügigeren Hauptdarsteller in irgendeiner TV Serie finden könnte.
Ich würde gerne behaupten, dass wir uns auf verschiedenen Seiten des Sets aufgehalten und uns mit nichts anderem als Ekel und Verachtung angeblickt hätten, bevor sie "Action" gerufen haben... aber wir haben wirklich nur Spaß gemacht oder mit seiner Drohne gespielt. Diese Behaglichkeit und Leichtigkeit mit jemandem zu haben, ermöglicht es einem glaube ich wirklich, sicher und mutig zu sein oder etwas Neues in den Szenen auszuprobieren. Also haben wir unsere Kräfte gemessen, haben die Zähne gefletscht und dann hat jemand "Cut" gerufen und ich habe ihm ein YouTube-Video von einem sprechenden Frosch oder was auch immer gezeigt.
Als ich "Further Ed" gesehen habe, die düstere College Comedy, die du geschrieben, gedreht und auch darin gespielt hast, habe ich mir gedacht, dass es wohl genau so ausgesehen hätte, wenn Bret Easton Ellis' Charaktere mal einen Freund gehabt hätten. Es war klasse, die ganzen Details, die Zeichnungen... was waren die Herausforderungen und Überraschungen bei dem ganzen Prozess, dem Schreiben und der Produktion?
Zuerst einmal vielen Dank, dass du es dir angesehen hast. Ich weiß das echt zu schätzen. Es war die bei Weitem schwierigste Sache, die ich je gemacht habe. Ich bin der Typ, der sich voll in eine Sache hineinstürzt. Noch nie zuvor einen Film gedreht, warum also nicht gleich auch noch darin eine Rolle übernehmen? Ich sag dir warum. Weil es verdammt harte Arbeit ist. Gott weiß, wie Affleck das macht. Vielleicht, weil er Batman ist, keine Ahnung.
Aber wie auch immer, ich habe mich schon früh dafür entschieden, eine Karriere in dieser Industrie anzustreben, indem ich zu Drehorten gegangen bin und Leute mit gleichen Interessen getroffen habe, anstatt zur Universität zu gehen oder zur Filmschule oder anderen konventionelleren Wegen. Und "Further Ed" zu machen, was wir innerhalb von zwei Wochen für insgesamt 4000 Pfund gedreht haben, war die beste Filmschule, die ich mir je hätte vorstellen können. Ich habe unglaublich viel gelernt und ich könnte nicht stolzer auf das sein, was mein Cast und meine Crew auf die Beine gestellt haben. Ich bin ein großer Verfechter der Einstellung, dass etwas, solange man es mit Liebe und Leidenschaft tut, einfach nicht umsonst sein kann, egal wie technisch simpel es auch sein mag.
Und den Leuten scheint es echt zu gefallen und sie scheinen es ernst zu nehmen, worüber ich nicht glücklicher sein könnte!
Dein Charakter Mikey Cyprus, eine Mischung aus Joey Tribbiani und Brian Molko, ist komplett deine Erfindung, nicht wahr, von der Idee in deinem Kopf, bis hin zu den fantastischen mützen und Shirts. Steckt viel von dir in ihm oder von dem, der du sein wolltest oder den du vielleicht als Freund haben wollen würdest?
Mikey hat eindeutig Elemente von mir in ihm. Seine sorglose, ausschweifende Einstellung ist auf jeden Fall in mindestens der Hälfte meiner Lebensentscheidungen wiederzufinden. Aber die andere Hälfte ist Cameron, der andere Hauptcharakter, der merkwürdig ist, ernst und voller Zweifel. Also habe ich mich gewisser Weise zweigeteilt und die Hälften zu gegensätzlichen Charakteren im Film gemacht. Mein eigener persönlicher innerer Monolog geht gerne mal in etwa so "Wir sollten dieses Boot auf jeden Fall stehlen, denn wenn wir erwischt werden, sind wir echte Piraten." – "Ja, stimmt. Aber du wirst mit einer Verurteilung wegen Piraterie wohl kaum nach Amerika kommen und das ist die absolut schrecklichste Idee aller Zeiten." Dieser innere Konflikt wird auf jeden Fall in "Further Ed" erforscht.
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"My Name is Emily" ist ein Coming-of-Age Roadmovie mit unglaublich viel Herz. Dein Charakter hat eine wundervolle stummfilmmäßige Szene auf einem Dach, die wie ich finde viel über dich als Schauspieler aussagt, nachdem sie dem Charakter eine unerwartete Seite gibt, und das war sogar deine eigene Idee, oder?
Ich denke auch, dass es eine neue Seite zu Ardens Charakter hinzufügt. Ich erinnere mich daran, ein Teenager zu sein und stundenlang in meinem Zimmer zu verbringen und dort die unterschiedlichsten Dinge zu lernen. Angefangen dabei, Poker Chips wie Le Chiffre in "Casino Royale" auszuteilen, über den Moon Walk, bis hin dazu, einen Revolver zu drehen...
Und ich habe jede Chance ergriffen, mir diese Talente zu Nutze zu machen. Als Arden also endlich eine Bühne und einen Grund bekommt aufzutreten, hatte ich die Idee, dass er diese Routine seit Kindheitstagen in seinem Schlafzimmer einstudiert hat. Und das war sein Moment zu glänzen, also haut er alles raus! Da gab es eine Menge verschiedener Einflüsse, von Heath Ledger in "10 Dinge, die ich an dir hasse", über Buster Keaton, Charlie Chaplin...
In der Originalszene sollte ich ein Feuerwerk zünden, aber wir haben die Erlaubnis in letzter Sekunde nicht bekommen. Es gab da noch einige andere Ideen, aber als ich dann diesen Feuereimer mit Klavier-Pantomime und Clown-Comedy vorgeschlagen habe... aus irgendeinem Grund fanden sie es toll und haben es einfach durchgezogen.
Und last but not least, lass uns ein bisschen Geek sprechen: Von welcher Serie, Film und Musik bist du ein Fan?
ENDLICH eine Chance, mein wahres Ich rauszulassen. Meine liebste Serie aller Zeiten war "Smallville", ich habe mich geweigert, die letzte Folge anzusehen, also ist sie für mich nie wirklich zu Ende gewesen. Vielleicht auf meinem Totenbett oder so.
Filme, da gefallen mir die Comic-Verfilmungen. Ich habe früher Comics gelesen und habe Marvel/DC geliebt, bevor sie zum Entertainment-Gigant wurden. Aber ich bin immer noch aufgeregt, wenn ich Captain Americas Schild in Aktion erlebe oder die Tatsache, dass sogar meine Mutter jetzt weiß, wer Green Arrow ist. Ich glaube, wenn ich je die Chance bekommen würde, in diese Welt als Schauspieler eintreten zu dürfen, würde ich vermutlich so sehr zum Fanboy mutieren, dass sie mich sofort wieder feuern würden. Und falls jemals die Möglichkeit aufkommen sollte, Gambit von den X-Men zu spielen, gäbe es nicht viel, was ich nicht tun würde, um diese Rolle zu bekommen. Ich liebe ihn als Charakter.
Was die Musik angeht, höre ich in letzter Zeit viele Soundtracks, sie helfen mit meinem Schreibprozess. Aber wenn wir von Sängern und Bands sprechen, gehöre ich definitiv zur Kirche von John Mayer. Ich bin ein großer Jason Mraz Fan. The Rolling Stones. Bob Dylan. Dean Martin. The Pierces. Timberlake. Tara Lee. Colter Wall. Ich bind da recht offen, wenn es mich etwas spüren lässt, bin ich dabei.
@my_Fanbase my absolute pleasure! pic.twitter.com/2pxmonlGxp
— George Webster (@GeorgeWebster) May 7, 2017
"Genius" läuft donnerstags auf National Geographic. "Versailles" Staffel 2 startet auf Sky Atlantic im Juni.
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