Qualitätsentwicklung in Serien

Einige Serien werden schon nach wenigen Episoden abgesetzt, andere laufen wiederum über viele Jahre. Dabei verändert sich zwangsläufig die Qualität der Serie zwischen der ersten und der allerletzten Folge. Unsere Autoren haben sich ein paar bereits beendete Serien ausgesucht und lassen die qualitative Entwicklung dieser Shows Revue passieren.


Desperate Housewives

Foto: Desperate Housewives - Copyright: 2004 Buena Vista Home Entertainment, Inc. und Touchstone Television
Desperate Housewives
© 2004 Buena Vista Home Entertainment, Inc. und Touchstone Television

Sobald eine Serie seinem Ende nahe ist, erhofft man sich einen würdigen Abschluss. So war es auch bei mir, als das Serienfinale der "Desperate Housewives" anstand. Zu diesem Zeitpunkt ließ ich die verzweifelten Hausfrauen noch einmal in meinem Kopf Revue passieren.

Was mich bei den "Desperate Housewives" so fesselte, war, dass man eine Serie erschaffen hatte, die sich um die Geheimnisse der Nachbarschaft drehte und bei denen die Nachbarn immer wieder neue Spekulationen haben konnten. Die erste Staffel beschäftigte sich mit dem Selbstmord von Mary-Alice Young. Mit ihrer Tat trat sie eine Lawine los. Nicht nur die Freundinnen Bree, Lynette, Susan und Gaby wollten wissen, was ihre Nachbarin zu diesem grauenhaften Schritt bewogen hatte, sondern auch die Zuschauer. Diese rätselten Woche für Woche aufs Neue mit, was der Auslöser gewesen sein mochte und vor allem, wie Paul Young in diese ganze Geschichte verstrickt gewesen ist. Begeistert konnte man in jedem Fall sein, denn diese erste Staffel der Serie bot einem nicht nur Mystery, auch Romantik, Drama und Amüsantes war mit von der Partie. Produzent Marc Cherry machte es sich also zur Aufgabe, das gut gehütete Geheimnis um sein Selbstmordopfer erst am Ende der Staffel zu lüften. Geheimnisse um eine zentrale Person wurden zum roten Faden der Serie und wechselte jede Staffel seinen Leidtragenden. So durfte uns in der zweiten Staffel die neu hinzugezogene Nachbarin Betty Applewhite in ihr Geheimnis einweihen, das sich schließlich um ihre Söhne Matthew und Caleb und einem Mord an einem Mädchen drehte. Nun hatte man bereits schon Erfahrung darin, wie die Handlungen verlaufen. Das Staffelgeheimnis um Betty war noch immer gut durchdacht, trotzdem kam man recht schnell dahinter, weswegen sie einen ihrer Söhne im Keller gefangen hielt und wieso diesen nicht der Polizei auslieferte. An diesem Handlungsbogen konnte man das erste Mal merken, dass das eigentliche Geheimnis um eine bestimmte Person nicht mehr ganz den Reiz ausmachte, wie zu Beginn der Serie. Vielmehr waren es auch die Geheimnisse und Entwicklungen der anderen Charaktere, die man in der zweiten Staffel besser kennen lernte und ihre Ecken und Kanten lieben lernte. Trotz der Tatsache, dass man als Zuschauer schnell dahinter kam, was mit Familie geschah, konnte man sich auf eine dritte Staffel der Hausfrauen freuen. Grund dafür war wohl auch der neueingeführte Charakter Orson Hodge, der von Kyle MacLachlan dargestellte wurde. Es blieb nicht lange verborgen, dass er der Träger des dritten großen Geheimnisses der Serie sein sollte. Bereits am Ende der zweiten Staffel konnte man den Zahnarzt kennen lernen und bemerkte auch hier, dass Orson jemand war, der eine dunkle Seite an sich hat, die er unbedingt verbergen will. Angestachelt wurden die Nachbarn von Carolyn Bigsby, die einige Jahre neben Orson wohnte und mit dessen Frau Alma befreundet war. Als Alma spurlos verschwand, fiel der Verdacht sofort auf den Zahnarzt, doch letztlich war es seine Mutter Gloria, die den Mord an Monique begangen hat und ihrem Sohn in die Schuhe schob.

Foto: Desperate Housewives - Copyright: 2012 ABC Studios
Desperate Housewives
© 2012 ABC Studios

Mit der vierten Staffel zog eine neue und bekannte Nachbarin in die Straße: Kathryn Mayfair brachte ihre Tochter Dylan und neuen Mann Adam mit. Auch bei dieser Staffel wurde dem Zuschauer ziemlich schnell klar, was passiert sein musste. Dylan benahm sich seltsam und konnte sich an nichts mehr erinnern, obwohl sie als kleines Kind in der Straße lebte. Dass die echte Dylan verstorben war und Kathryn sich ein Mädchen aus dem Waisenhaus nahm, das ihrer echten Tochter zum Verwechseln ähnlich war, konnte man sich bereits nach nicht einmal der Hälfte der Staffel denken. Obwohl die Serie in diesem bestimmten und ausschlaggebenden Punkt an Qualität eingebüßt hatte, so konnte Marc Cherry immer noch mit den weiteren Handlungsbögen auftrumpfen. In Staffel vier ist es der Tornado und seine Folgen, der die Serie verhalf, dass die Zuschauer dazu "zwang" weiterzuschauen. Veränderungen mussten her, sonst würde die Serie weiterhin an Qualität verlieren. Ein Zeitsprung von fünf Jahren schien da die Lösung zu sein. Doch die Geschichten wirkten langweilig erzählt und auch hier war es das Geheimnis, das schon jeder zu kennen schien, obwohl die Staffel nicht mal richtig begonnen hatte und man einen Autounfall sah, in den Susan und Mike verwinkelt waren und ein gewisser Dave Williams, der mit Edie verheiratet war und am Unfall beteiligt war. Den Zuschauern war schnell klar, dass Dave sich rächen wollte, da er bei dem Unfall Frau und Kind verloren hatte. Auch die sonstigen Geschichten konnten nicht wirklich überzeugen und man hatte die Befürchtung, die Serie würde ihren Biss und Glanz verlieren. So wartete man sehnsüchtig auf die nächste, sechste Staffel.

Mit dieser trat Angie Bolen auf den Plan, die mit ihrem Mann Nick und Sohn Danny ein riesiges Geheimnis um ihre damalige Vergangenheit machten. Die "Desperate Housewives" schienen sich zu erholen. Das Geheimnis für diese Staffel war besser durchdacht und nicht so schnell zu lüften, wie der Vorgänger. Viele kleine, interessante Dinge wurden von Angie preisgegeben, die aber nie näher detailliert worden sind und es ein weiteres Einbüßen an Qualität gab. Während man beim Ende der ersten Staffel noch darauf achtete, dass es einen Chliffhanger gab, der Spannung erzeugte, verlor sich dieser mit der sechsten Staffel komplett. Viel zu viel wurde da schon für die kommende Staffel verraten und man hatte das Gefühl, man schaltet nur noch aus Gewohnheit ein und aufgrund der Tatsache, dass man die Charaktere einfach liebgewonnen hat. Mit Verlauf der siebten und vorletzten Staffel der Serie, schien man nicht ganz zu wissen, woran das eigentliche Geheimnis lag. Immerhin blieb Lynette von Eddie, dem Würger der Straße, verschont und auch Paul Young trieb wieder sein Unwesen, da er aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Ein Lichtblick war dann das Auftauchen von Vanessa Williams, die als Renee Perry für frischen Wind sorgte. Die Serie hatte ihren Reiz nicht ganz verloren und man merkte, dass das Niveau der ersten Staffel wiedererlangt werden sollte. Was nicht ganz leicht war, immerhin hatten die Zuschauer immer höhere Erwartungen.

Mit dem unvermeidlichen Tod von Gabys Stiefvater, der von Carlos erschlagen wurde, läuterte man das Serienfinale und die damit beginnende achte Staffel ein. Bei dieser hätte auch gut die Überschrift "Zurück zu den Wurzeln" gepasst, denn so schien es wirklich zu sein. Die Freundinnen waren wieder vereint und versuchten den Mord zu verbergen. Letztlich war es dann Karen McCluskey, die den Mord auf sich nahm und den Freundinnen aus der Schlinge half und sie alle ein neues Leben außerhalb der Wisteria Lane und Faivew beginnen konnten.

Abschließend kann man wohl sagen, dass es ein würdiges und schönes Serienende für die "Desperate Housewives" ohne größere Katastrophen gewesen ist.

Daniela S. - myFanbase

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