Qualitätsentwicklung in Serien
Einige Serien werden schon nach wenigen Episoden abgesetzt, andere laufen wiederum über viele Jahre. Dabei verändert sich zwangsläufig die Qualität der Serie zwischen der ersten und der allerletzten Folge. Unsere Autoren haben sich ein paar bereits beendete Serien ausgesucht und lassen die qualitative Entwicklung dieser Shows Revue passieren.
Buffy
Entstanden aus einem misslungenen und peinlich-trashigen Film erblickte im Jahr 1997 die Serie "Buffy - Im Bann der Dämonen" das Licht der Welt und begann von da an die Serienwelt zu revolutionieren. Die erste Staffel war eigentlich nur als Füllprogramm für den Sommer konzipiert und umfasst deshalb auch nur 13-Folgen. Doch die Serie wurde schnell zum Erfolg und so folgten im Laufe der Jahre sechs weitere Staffeln, die in Sachen Qualitätsentwicklung Maßstäbe setzten. Leider ist es bei vielen Serien viel zu häufig der Fall, dass ein gut funktionierendes Konzept bei Erfolg totgesendet wird und irgendwann drastisch an Qualität verliert. Das schadet auch immer der Serienkonzeption im Ganzen und wirft ein schlechtes Licht auf die gelungenen Anfänge der Serie. Bei Joss Whedons Ausnahmeserie um eine junge Vampirjägerin, die in der Kleinstadt Sunnydale den Kampf gegen die Mächte der Finsternis aufnimmt und dabei von ihren loyalen Freunden Willow, Xander und dem Bibliothekar Giles unterstützt wird, war dies glücklicherweise nicht der Fall, gelang es Whedon und seinem Team doch die Serie stetig plausibel und glaubhaft weiter zu entwickeln, ohne sich dabei zu wiederholen oder an Niveau zu verlieren.
Betrachtet man einmal die im Jahr 1997 in Amerika erstmals ausgestrahlte Premierenstaffel mit der im Jahr 2001 ausgestrahlten letzten siebten Staffel, so sieht man eindrücklich, wie sich diese Serie und vor allem auch die zentralen Charaktere weiterentwickelt haben und wie sehr sich auch der Ton dieser Serie geändert hat. Doch der Reihe nach: Die erste Staffel kann aus heutiger Sicht sicher als eine der schwächsten bezeichnet werden, was vor allem auch an dem hohen Trashfaktor liegt, der in den folgenden Staffeln immer weiter heruntergefahren wurde. Gerade aber dieser Trashfaktor, der in der achten Folge seinen absoluten Höhepunkt feiert, in dem ein Power Rangers-artiger Roboter auf Willow und die Zuschauer losgelassen wird, hat aber auch seinen ganz eigenen Charme, welcher dazu führt, dass die erste Staffel trotzdem einen ungeheuren Unterhaltungswert und mit dem Meister auch einen ordentlichen, wenn auch nicht wirklich herausragenden Bösewicht hat. Gerne erinnert man sich auch heute noch an die immer recht unbeschwert wirkenden ersten Folgen, in denen die noch blutjungen Scoobies gegen Hyänen, Puppen und furchteinflößende Gottesanbeterinnen antreten mussten und ein Vampir namens Angel erstmals auftrat. Die zweite Staffel führt zu Anfang dieses "Monsters of the Week"-Konzept fort, konzentriert sich dann aber zusehends auf die dramatische Liebe zwischen der Vampirjägerin Buffy und dem Vampir Angel. Von vielen wird die zweite Staffel aufgrund der dramatisch und mitreißend erzählten Liebesgeschichte sogar als beste angesehen. Die Mischung aus humorvollen Einlagen und in immer dramatischere Richtungen abdriftenden Ereignissen sorgt für eine äußerst gelungene zweite Staffel, die die Stärken der ersten Staffel aufnimmt und ergänzt durch noch mehr Tiefe und erzählerischer Raffinesse.
Die Einführung der zweiten Vampirjägerin Faith und des dämonischen Bürgermeisters prägte die qualitativ sich weiterhin auf einem enorm hohen Niveau befindende dritte Staffel, die nicht nur mit einem spektakulären Staffelfinale und einer konsequent erzählten Rahmenhandlung überzeugte, sondern mit #3.13 Die Nacht der lebenden Leichen auch eine der witzigsten Folgen der ganzen Seriengeschichte beinhaltet, in der Xander endgültig zum geheimen Helden der Serie avanciert. Auch in der dritten Staffel kommt nie ein Gefühl der Sättigung auf, die Serie wirkt weiterhin frisch und voller kreativem Übermut. Dieser kreative Übermut wird dann auch in die vierte Staffel getragen, eine Staffel, die nicht frei von Schwächen ist und die mit dem im Labor gezüchteten Übermenschen Adam auch einen der schwächsten Gegenspieler hat. Trotzdem kann hier keineswegs von einer schlechten oder gar enttäuschenden Staffel gesprochen werden, weist die vierte Staffel doch eine Reihe von brutal starken Einzelfolgen auf. Nicht nur das kontrovers aufgenommene, in seiner inszenatorischen Brillanz aber Maßstäben setzende ungewöhnliche Staffelfinale, sondern auch die fast ohne Dialoge auskommende zehnte Folge zählen zu den besten Folgen der ganzen Serie. Gerade durch diese ungewöhnliche Gestaltung dieser Staffel blieb die Serie interessant, relevant und zeigte dadurch, dass noch viel zu erwarten war von Joss Whedon und seinem Team.
Diese Erwartungen wurden dann mit der fünften, und meiner persönlichen Ansicht nach insgesamt besten, Staffel dann auch mehr als erfüllt. Vielen wird das dramatische Staffelfinale, in der Buffy sich für die Menschheit opfert als eines der mitreißendsten Serienfolgen überhaupt im Gedächtnis bleiben, aber auch der staffelübergreifende Gegenspieler Glory, die plötzliche Einführung von Buffys Schwester Dawn und die Entwicklung der Liebesbeziehung zwischen Tara und Willow sind wichtige qualitative Stützpfeiler dieser außergewöhnlichen Staffel. Die aber wohl stärkste, intensivste und im ganzen Buffy-Universum vielleicht auch beste Folge ist Folge #5.16, in der sich auf eine selten gesehene und ungemein einfühlsame Art und Weise mit dem Thema Tod auseinandergesetzt wurde. Hier wurde endgültig deutlich, dass "Buffy" weit mehr ist, als eine bloße Vampirserie. Mit dieser Folge hat Joss Whedon Seriengeschichte geschrieben und gezeigt, dass man auch in einer fünften Staffel immer noch überraschen und neue Impulse setzten kann. Die sechste Staffel schlug nach dem Tod und der Wiederauferstehung Buffys einen ungemein düsteren, fast existenzialistischen Ton an, der für die Entwicklung der Serie aber nur konsequent war. So taucht man in der sechsten Staffel in das Herz der Finsternis ein und bekommt eine reife und tiefgreifende Staffel serviert, die oft äußerst schmerzhaft, aber auch gleichzeitig voller Kraft und mit der legendären Musicalfolge ein erneutes kreatives Highlight bot. Der Tod von Tara, das Abstürzen von Willow und die Rettung durch Xander sind Momente, die einen immer wieder tief berühren und die die außergewöhnliche Qualität der Serie und vor allem auch der sechsten Staffel eindrucksvoll unterstreichen.
Mit der siebten Staffel führt man die Serie dann zum geeigneten Zeitpunkt zu einem Ende, kehrt nochmal zu den Wurzeln der Serie zurück und zelebriert die Serie als Gesamtkunstwerk in einem grandiosen Serienfinale. Was vielen Serien nicht gelang, schaffte "Buffy" zum genau richtigen Zeitpunkt. Bei dieser Serie gibt es kaum Füllerepisoden, nie wird eine Story zu lang gestreckt, um noch mehr Folgen zu generieren, nie hat man auch nur das Gefühl von Sättigung oder kreativer Ideenlosigkeit. Jede der sieben Staffeln hat seine ganz eigene Daseinsberechtigung und schlägt einen ganz eigenen Ton an, ohne dabei aber aber die Grundkonzeption der Serie zu verraten. Hier hat man ein Musterbeispiel für gutes, stets hochwertiges und clever durchdachtes serielles erzählen, weshalb "Buffy" auch heute noch zu den besten Serien überhaupt zählt.
Moritz Stock - myFanbase
Links
Meistgelesen
Aktuelle Kommentare

01.04.2025 00:16 von Daniela
Reviews: Apple Cider Vinegar - Review Miniserie
Ja, ich gehe auch davon aus, dass sie in echt so etwas... mehr
02.04.2025 20:00 von Lena
News: "Grey's Anatomy" sichert sich Trevor Jackson für Staffel 21
Extrem interessantes Casting, ich mochte ihn als Aaron... mehr