Serienentdeckungen 2015
Wie jedes Jahr lassen unsere Autoren kurz vor dem Jahresende noch einmal Revue passieren, welche Serienperlen sie nun endlich entdeckt haben. Denn schließlich kann auch der leidenschaftlichste Serienfan nicht alle Serien gleichzeitig schauen und es gibt immer wieder Lücken im Repertoire, die man versucht nach und nach zu schließen. Hier erzählen wir, wie wir auf manche alte, aber feine Serie gestoßen sind und warum diese zu empfehlen sind.
Serienentdeckungen von Charleen
"Black Box"
Bei jeder Serie, die gleich während ihrer Erstausstrahlung verfolgt wird, besteht auch die Möglichkeit einer Absetzung. Das kommt teilweise mehr oder weniger überraschend, bedeutet aber in einigen Fällen ein Ende, welches den Zuschauern nicht gefällt, weil die Autoren nicht die Möglichkeiten hatten, sich auf jenes entsprechend vorzubereiten. Deshalb ist eine Frage, die sich wohl jeder Serienfan schon mal gestellt hat, ob er sich anschließend eine bereits abgesetzte Serie anschaut. Die Amazon Prime-Probemitgliedschaft erleichterte mir dieses Jahr diese Entscheidung und so warf ich doch noch einen Blick auf "Black Box". Die Geschichte rund um die gefeierte Neurowissenschaftlerin Dr. Catherine Black (Kelly Reilly), welche unter einer Bipolaren Störung leidet, klang interessant und hielt, was sie versprach. Aus diesem Grund kann ich die schlechten Einschaltquoten auch nicht wirklich nachvollziehen, denn die Serie bot tolle Ansätze und endete leider mit einem Cliffhanger, welcher wohl keinen Fan wirklich begeistern konnte. Trotzdem bereue ich es keinesfalls, eingeschaltet zu haben, allein aufgrund der intensiven Szenen zwischen Kelly Reilly und Vanessa Redgrave.
"The Fosters"
Die ABC-Family-Serie "The Fosters" fügt sich auf den ersten Blick ein in die Reihe jener Sendungen, die eine Großfamilie in den Mittelpunkt stellen. Dies hat bereits bei "Eine himmlische Familie", "Full House" und "Party of Five" funktioniert und verfehlt auch seine Wirkung bei "The Fosters" nicht. Sobald ich die ersten Takte von Kari Kimmels Song Where You Belong höre, welcher das liebevoll gestaltete Intro untermalt, bin ich wieder mittendrin in der Geschichte rund um diese ungewöhnliche Familie. Diese besteht zunächst aus dem lesbischen Paar Lena Adams (Sherri Saum) und Stef Foster (Teri Polo), sowie deren leiblichen Sohn und den adoptierten Zwillingen. Allein das gäbe schon jede Menge Stoff für Geschichten her, auch wären nicht noch die Pflegekinder Callie (Maia Mitchell) und Jude (Hayden Byerly), welche für weiteren Schwung mit ihrer Ankunft sorgen. Ja, das klingt schon so, als wäre Drama vorprogrammiert und teilweise befasst sich die Serie wirklich mit so vielen Themen, dass die Episoden oftmals fast schon überladen wirken. Trotzdem besitzt "The Fosters" einen ganz eigenen Charme, den ich so schnell nicht mehr missen möchte.
"TURN: Washington's Spies"
Als erstes sollte ich vermutlich zugeben, dass mich die amerikanische Geschichte nie sonderlich interessiert hat und auch Spionage nicht unbedingt mein liebstes Metier ist. In "Sleepy Hollow" waren die Anekdoten über Washington und seine Methoden zwar immer recht amüsant eingebunden, aber das hätte mich sicherlich nicht dazu gebracht auch bei "TURN: Washington's Spies" einzuschalten. Ganz zu schweigen davon, dass ich gar nicht wusste, dass AMC überhaupt eine solche Perle in seinem Programm hat. Stattdessen kam, nach dem sicherlich mindestens fünften Mal schauen von "Billy Elliot - I Will Dance" (2000), bei mir die Frage auf, welchen aktuellen Projekten der Hauptdarsteller Jamie Bell wohl gerade nachgeht und stieß schließlich doch noch auf das Spionage-Drama rund um den historischen Culper Ring. Selten hat mich eine Serie auf Anhieb so gepackt, was vor allem den tollen Darstellern zu verdanken ist. Dabei sollte neben Jamie Bell auch unbedingt Daniel Henshall und Burn Gorman erwähnt werden, denn alle Schauspieler hauchen ihren Charakteren so viel Leben ein, dass es schwierig war sich für eine Seite in diesem Krieg zu entscheiden. Auch deshalb waren beide - leider nur jeweils 10 Episoden umfassenden - Staffeln in Rekordzeit angeschaut.
Serienentdeckungen von Ann-Christin
"Twin Peaks"
Schon über zwei Jahre stand David Lynchs und Mark Frosts Meisterwerk "Twin Peaks" auf meiner Watchlist. Seitdem ich 2013 ein paar einzelne Ausschnitte auf Arte gesehen hatte und im Vorfeld viel über den Kultklassiker (produziert übrigens im Jahre 1990-1991) gelesen hatte, wollte ich ihn sehen. Doch wie das dann immer so ist, wenn man noch so viele andere Serien am Laufen hat, bin ich erst in diesem Sommer dazu gekommen, dem Serienuniversum von "Twin Peaks " einen Besuch abzustatten. Und dieser hat sich ausgezahlt: Die erste Staffel der amerikanischen Hybrid-Serie aus Mystery, Drama, Horror, Crime und Soap Elementen habe ich an einem Wochenende verschlungen. Der Plot wirkte zunächst nicht spektakulär: In der, auf den ersten Blick, harmonisch wirkenden Kleinstadt Twin Peaks, nahe der US-Kanadischen Grenze, wird die 17-jährige Abschlussballkönigin Laura Palmer tot aufgefunden. Der lokale Sheriff Harry S. Truman bekommt FBI Special Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan)an die Seite gestellt, um den Mordfall aufzuklären. Schauspielleistung, Soundtrack und die surrealistischen Szenen in "Twin Peaks" sind für mich allerdings überragend. Da ist zum Beispiel die legendäre Traumfrequenz von Agent Cooper im "Red Room" mit einem tanzenden Zwerg in einem roten Anzug, der rückwärts spricht, die mich sofort umgehauen hat. Auch liebe ich die emotionalen Szenen zwischen Cooper und Audrey Horne, Tochter des Hotelbesitzers Benjamin Horne.
Einziges Manko ist, dass die Serie nach eineinhalb Staffeln und der Auflösung des Mordfalls Laura Palmer sichtlich schwächer wird. Der "Windom Earl" Handlungsstrang in der zweiten Hälfte der zweiten Staffel kann für mich nicht mithalten. Dennoch fiebere ich Anfang 2017 entgegen, wenn es wieder heißt "Welcome to Twin Peaks ".
Mein Fazit: Mit "Twin Peaks" haben Lynch und Frost eine Serie geschaffen, die seiner Zeit voraus war und die ich gerne in die Liste meiner Lieblingsserien aufgenommen habe.
"Mad Men"

© Craig Blankenhorn/AMC
Ich liebe die Frauen und Männer der Madison Avenue - all die kreativen und sonstigen Mitarbeiter der New Yorker Werbeagentur Sterling Cooper aus dem Period Drama "Mad Men", das in den 1960er Jahren spielt. Aus zweierlei Gründen habe ich diese Serie bewusst erst dieses Jahr geschaut. Erstens wollte ich nach "Breaking Bad" die zweite AMC-Erfolgsserie mit einem Anti-Helden in der Hauptrolle sehen. Natürlich hatte ich im Vorfeld schon viel über Don Draper (Jon Hamm)und Co. gelesen. Zweitens ging "Mad Men" im Mai dieses Jahres zu Ende, sodass ich nicht jahrelang auf weitere Staffeln warten musste, sondern die komplette Serie direkt bingewatchen konnte. Übertreiben wollte ich es dennoch nicht. Denn "Mad Men" ist mir nach den ersten paar Folgen schon direkt ans Herz gewachsen, sodass ich mir pro Abend nicht mehr als drei Folgen zugestand. Ab und an legte ich sogar ein bis zwei Tage Pause ein, um die Serie angemessen genießen zu können. Was mir an "Mad Men" so gut gefällt und warum es neben "Twin Peaks" meine Serienentdeckung des Jahres ist? Ich finde Matthew Weiner hat mit dieser Serie etwas ganz Großartiges geschaffen. Eine Medienreflexion auf die 60er Jahre. "Mad Men" präsentiert uns diese Dekade so wie wir sie aus Filmen kennen. Um den Bezug zu "Breaking Bad" noch einmal aufzunehmen: "Mad Men" ist im Vergleich hierzu eine viel weniger handlungsgetriebene Serie. Die Qualität von Weiners Period Piece liegt meiner Ansicht darin, dass uns Zuschauern ein tiefer Einblick in den Alltag der Charaktere und der Entwicklung der Werbeagentur gegebenen wird. Nicht alle Charaktere entwickeln sich im Laufe der sieben Staffeln und der Dekade Handlungszeit weiter. Den größten Wandel macht wohl Peggy Olson, gespielt von der fantastischen Elisabeth Moss, durch. Aber wie eingangs schon geschrieben, habe ich auch alle anderen Charaktere (allen voran Joan, Roger, Bert und Sally) tief in mein Herz geschlossen. Die Einbettung der historischen Ereignisse, wie Mondlandung oder der Anschlag auf John F. Kennedy, finde ich äußerst gelungen, weil der Fokus nicht auf den Ereignissen selber liegt, sondern auf der Reaktion der Charaktere. Weitere Highlights für mich: Die unterschiedlichen Frauenbilder in "Mad Men" und die legendären Pitches wie zum Beispiel für Lucky Strike. Ich kann jetzt schon sagen, dass es für mich bis zum ersten Rewatch von "Mad Men" nicht allzu lang dauernd wird.
Serienentdeckungen von Anika
"Akte X"

© 1999 Fox Broadcasting Company.; FOX
Als ich Kind war und "Akte X" im Fernsehen lief, wurde ich immer pünktlich zur Titelmelodie ins Bett geschickt, denn diese Serie sei nichts für Kinder. Spätestens als in der Titelsequenz der Mensch in die Hand fällt, musste ich das Wohnzimmer verlassen. Also habe ich "Akte X" erst jetzt, viele Jahre später gesehen und doch hat mich die Melodie und dieses Bild, das ich immer gruselig fand, irgendwie mein Leben begleitet. Dass man sich die Serie dann früher oder später ansieht, ist ja klar und größtenteils sind wirklich einige großartige Episoden und Staffeln dabei, wie beispielsweise #1.03 Das Nest, #1.24 Das Labor oder die etwas humoristische Episoden #4.20 Ein unbedeutender Niemand in den jemand die Gestalt von Mulder einnimmt und die Doppelfolge #6.04 und #6.05 Dreamland in der wirklich alles anders ist als sonst. Leider nimmt die Serie spätestens nach Staffel 7 rapide an Qualität ab, was die Geschichten angeht. Mit dem Weggang von Mulder und den beiden neuen Detecitives ist die Serie einfach nicht mehr das was sie war. Die Sprüche zwischen Scully und Mulder fehlen, die Ermittlungen werden anders angegangen und der rote Faden, der sowieso immer mysteriöser und undurchsichtiger wurde, spielt nun wieder kaum eine Rolle mehr. Momentan befinde ich mich mitten in der neunten Staffel und schaue sie eigentlich nur mit halber Aufmerksamkeit an, da mich Dogget und Reyes wenig interessieren. Ich freue mich jedoch noch auf die beiden Filme, die ich noch vor mir habe, sowie auf Staffel 10. Was mich jedoch am meisten gestört hat, ist dass sich Scully und Mulder in der deutschen Synchronisation bis in Staffel 9 hinein siezen. Also bitte. Die beiden haben Nächte miteinander verbracht und ein gemeinsames Kind und siezen sich noch? Ansonsten bietet "Akte X", teilweise tolle Staffeln mit Verschwörungen, Mysterien und natürlich mit einem grandiosen Ermittlerteam bestehend aus Scully und Mulder.
Charleen Winter, Ann-Christin W. & Anika W. - myFanbase
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