Die besten Momente 2011/2012
#8.23 Finishing the Hat (Desperate Housewives)

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Als Stammzuschauer einer bestimmten Serie malt man sich ja gerne ab und an vor seinem geistigen Auge aus, wie jene Serie einmal zu Ende gebracht wird bzw. welchen Abschluss die Charaktere finden. Und wenn das Ende einer Serie dann auch tatsächlich kurz bevor steht, intensivieren sich natürlich die Gedanken darüber. So erging es sicherlich auch den meisten Fans und Zuschauern der "Desperate Housewives", die sich im Mai dieses Jahres nach acht Staffeln verabschiedeten. Kurz vor dem Ende der Serie mit der Episode #8.23 Finishing the Hat war man sich eigentlich relativ sicher, dass uns kein spektakuläres oder überaus dramatisches Ende erwarten würde, wie es in etwa der Fall gewesen wäre, wenn am Ende der Serie noch eine der vier Protagonistinnen auf irgendeine Art und Weise das Zeitliche hätte segnen müssen. Doch das war nahezu zu hundert Prozent auszuschließen, weshalb man, vielleicht auch deshalb, weil die Serie mittlerweile nicht mehr für wirklich innovative Ideen bekannt war, schon fest damit gerechnet hatte, dass wir mit einem zufriedenstellenden, wenn auch vorhersehbaren Happy End zurückgelassen werden, in dem alle vier Freundinnen am Ende ihr persönliches Glück finden und noch bis ins hohe Rentenalter gemeinsam die Wisteria Lane auf den Kopf stellen. Stattdessen jedoch gab es dann kurz vor Schluss noch einen Moment, der aus dem für die Zuschauer vermeintlich zufriedenstellenden Happy End einen Serienabschluss machte, der zwar für alle Protagonistinnen ein Happy End bereithielt, gleichzeitig jedoch einen bitteren Nachgeschmack bei den Zuschauern hinterließ. Doch genau dieser bittere Nachgeschmack macht das Ende zu etwas Besonderem.

"It was a promise made in all sincerity. But sadly, it was not meant to be."

Foto: Desperate Housewives - Copyright: ABC Studios
Desperate Housewives
© ABC Studios

Nach den mehr oder weniger turbulenten Ereignissen des Serienfinales war man sich als Zuschauer gegen Ende wirklich sicher, dass dem sich ausgemalten Happy End von Susan Mayer, Bree Van de Kamp, Lynette Scavo und Gabrielle Solis nichts mehr im Weg stünde. Zwar stand fest, dass Susan die Wisteria Lane verlassen sollte, aber irgendwo stand dennoch niemals die Vermutung im Raum, dass das die Freundschaft zwischen den Hausfrauen wirklich extrem beinträchtigen sollte. Und dieser Eindruck wurde dann auch verstärkt, als man gegen Ende des Finales Zeuge eines der obligatorischen Pokerspiele der Damen wurde, während denen normalerweise der neuste Klatsch und Tratsch aus Fairview das übliche Gesprächsthema war, nun aber von der Tatsache überschattet wurde, dass eine der Freundinnen die Straße verlassen sollte. Bereits dieser Moment war für den treuen "Desperate Housewives"-Zuschauer natürlich von enormen Wehmut geprägt, der erst recht nicht gelindert wurde, als Susan anfing, über ihre enge Freundschaft zu philosophieren, welche die Hausfrauen all die Jahre pflegten, und einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, als Lynette den anderen drei Damen dann auch noch klarmachte, wie sehr sie das gemeinsame Beisammensitzen vermissen wird. Das alles machte dieses finale Pokerspiel bereits zu einer sehr schwierigen Angelegenheit für die Fans dieser vier Frauen. Aber weshalb sollte man denn groß in Wehmut versinken? Schließlich würden sich Susan, Gaby und Co. doch weiterhin regelmäßig zum Pokerspielen verabreden, auch wenn die Zuschauer an jenen eben nicht mehr teilnehmen würden. Dieser Annahme stand zunächst rein gar nichts im Weg, schließlich bekräftigte auch Gaby in diesem letzten gemeinsamen Moment der Hausfrauen, dass dies definitiv nicht das letzte Pokerspiel sei und sie sich auch in Zukunft noch regelmäßig treffen würden.

Doch direkt nach diesem Versprechen zoomt die Kamera aus dem Haus heraus und Mary Alice Young beginnt mit ihrem letzten Voice-over, das den Zuschauern das Herz brechen sollte. Denn anhand dieses Voice-overs und vereinzelten kleinen Szenen, die die Zukunft von Bree, Lynette und Gaby zeigten, wurde den Zuschauern klar gemacht, dass das eben gesehen Pokerspiel das letzte Mal gewesen sein sollte, dass die vier Hausfrauen zusammensaßen, da jede einzelne nach und nach die Straße verlassen würde. Als erstes wird uns Lynette gezeigt, die die Straße verlässt und zusammen mit Tom nach New York City zieht, danach Gabrielle, die sich zusammen mit Carlos in Florida ein neues Leben aufbaut und letztendlich Bree, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Trip nach Kentucky zieht und dort Karriere als Politikerin macht.

Und prompt wurde aus diesem augenscheinlich harmlosen letzten Moment, der die vier Hausfrauen noch einmal zusammen zeigte, ein Abschluss, der es doch tatsächlich schaffte, die Zuschauergemeinde zu polarisieren und zwar jedem Charakter ein Happy End verlieh, aber gleichzeitig dem gesamten Ende auch einen bitteren Nachgeschmack. Zweifelsohne war die Entscheidung des Serienschöpfers Marc Cherry mutig, schließlich dürfte ihm klar gewesen sein, dass er hier für die Zuschauer ein Ende kreiert hat, das vielen nicht gefallen dürfte. Wie denn auch, wenn man siebeneinhalb Jahre verfolgt, wie sich die vier Freundinnen zusammen durchs Leben schlagen und die Freundschaft einem ständigen Auf und Ab ausgesetzt war, nur um dann am Ende zu sehen, wie sie sich auseinanderleben und einer nach der anderen die gemeinsame Nachbarschaft verlässt? Jedoch, und das rechtfertigt Marc Cherrys Entscheidung, die Serie auf diese Art abzuschließen, kreierte er durch dieses Ende einen unbestreitbar realistischen Abschluss, der einfach zeigt, wie das Leben spielt und es letztendlich eben nicht immer garantiert ist, dass die stärksten Freundschaften Veränderungen Stand halten. Allein dadurch wurde dieser letzte Moment eben doch noch zu etwas wirklich Besonderem und die Serie endete nicht mit einem typischen 08/15-Ende, was sicherlich auch nicht verkehrt gewesen wäre, aber der Serie im Nachhinein wirklich gut tat.

Was den Moment zudem auch noch richtig herausragend machte, war einfach die gesamte Inszenierung. Denn abgesehen vom überraschenden inhaltlichen Umschwung und Brenda Strongs gewohnt überzeugenden Qualitäten als Erzählerin, für die sie übrigens gerade eine "Emmy"-Nominierung erhielt, machte auch die Tatsache, dass man für die Zukunftsmomente jeder einzelnen Hausfrau jeweils ein perspektivisches Schema benutzte, das Faktum, dass man die Hausfrauen genau in der Reihenfolge verabschiedete, wie sie in der Pilotfolge vorgestellt wurden und letztendlich die wunderschön dezente musikalische Untermalung von Steve Jablonsky (bei der ich spätestens dann jedes Mal eine Gänsehaut bekommen, wenn das musikalische Thema beginnt, das Brees letzte Momente unterlegt) diesen finalen Moment der Hausfrauen zu einer rundum perfekten Angelegenheit.

Sicherlich gab es im Serienfinale von "Desperate Housewives" mit dem Tod von Karen McCluskey sowie mit der letzten Szene der Serie, in der Susan mit ihrem Auto durch die Wisteria Lane fährt und dabei von den Geistern zahlreicher Verstorbenen beobachtet wird, Szenen, die es ebenfalls verdient hätte, in dieser Rubrik erwähnt zu werden. Aber letztendlich ist es das letzte Pokerspiel der Hausfrauen samt dem darauffolgenden Überblick über ihren weiteren Werdegang, der als gesamter Moment einfach nachhaltiger ist und die Hausfrauen auf eine überraschend unkonventionelle sowie realistische und herzzerreißende Weise verabschiedet. Deshalb ganz klar einer der besten Momente dieser TV-Season.

Manuel H. - myFanbase

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