Die verstörendsten Momente 2013/2014
#3.09 The Crossing (Person of Interest)

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Es trifft die Zuschauer immer, wenn ein Hauptcharakter aus einer Serie geschrieben wird. Manchmal wird schon sehr früh bekannt, dass ein Darsteller eine Serie verlassen will und man hat Zeit, sich damit anzufreunden. Manchmal kommt es aber auch überraschend und plötzlich gibt es nur noch wenige Episoden, um sich von einem geliebten oder gehassten Charakter zu verabschieden. Hin und wieder, da schaffen es die Serienverantwortlichen jedoch auch, den Verlust eines Hauptcharakters so lange geheim zu halten, dass die Zuschauer mit den plötzlichen Ausscheiden vollkommen überrumpelt werden.

Foto: Taraji P. Henson, Person of Interest - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Taraji P. Henson, Person of Interest
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Mit dem Tod von Detective Joss Carter (Taraji P. Henson) hätte bei "Person of Interest" eigentlich niemand gerechnet. Sie bildete neben Harold Finch (Michael Emerson) und John Reese (Jim Caviezel) das Rückgrat der Serie und war nach zwei Staffeln mittlerweile eigentlich zu einem unverzichtbaren Bestandteil guter Storyentwicklung geworden. Und als am Ende von #3.09 The Crossing ganz unerwartet Officer Simmons (Robert John Burke) aus dem Schatten hervortrat, seine Waffe hob und das Feuer auf sie und Reese eröffnete, da hielt die gesamte Fanbase den Atem an. Ein großer Handlungsstrang, der die gesamte Serie bereits mitgetragen hatte, war in #3.09 The Crossing zu Ende gegangen und hatte einigen Charakteren, allen voran Joss Carter, ein wenig Frieden gegeben. Sie hatte zwischenzeitlich das Vertrauen in die Polizei verloren, musste sich von einem guten Freund verabschieden und mitansehen, wie sie degradiert wurde zum einfachen Streifenpolizisten. Und doch hat sie nie aufgegeben, egal wie viele Knüppel man ihr seitens HR zwischen die Beine geworfen hatte. Sie blieb ihrer Linie treu, war rechtschaffen und unnachgiebig und brachte am Ende eine der größten Vereinigungen des organisierten Verbrechens fast im Alleingang zur Strecke. Der mächtige Feind, den sie sich während ihres Kampfes geschaffen hatte, lag am Boden und war besiegt. Nur ein Mann war ihr durch die Lappen gegangen – Officer Simmons. Und der rächte sich an Carter für die erfolgreichen Ermittlungen, indem er seine Waffe zog und sie kaltblütig niederschoss. In den Armen von John Reese, der von einem gejagten Phantom zu einem vertrauensvollen Freund geworden war, verstarb Joss schließlich. Von der gegenüberliegenden Straßenseite beobachtete Finch dies mit Entsetzen. Mit einem Ausgang des Falls auf diese Art und Weise hatte wirklich niemand gerechnet, schon gar nicht der Zuschauer selbst, der zuvor noch fünf Minuten lang durchatmen konnte, weil klar war, dass einer der mächtigsten Organisationen in New York das Handwerk gelegt wurde.

Die Szene ist unglaublich eindringlich konzipiert, verzichtet auf jegliche musikalische Untermalung und konzentriert sich ganz auf Joss Carter und John Reese. Von weit weg beobachtet Harold Finch das Geschehen, unfähig einzugreifen und die Situation irgendwie zu retten. Der Anruf seiner Maschine, die immer und überall rechtzeitig Bescheid geben kann, sollte ein Unschuldiger zu Schaden kommen, hat versagt und klingelt einen Moment zu spät. Und dann steht Finch da, während Joss in Reese' Armen verstirbt und betrachtet fassungslos, was gerade passiert, während im Hintergrund weiter das Münztelefon läutet, das schon so oft Menschen gerettet hat. Das System hat in Joss Carters Fall versagt und das ist neben dem Tod eines hervorragend konzipierten Hauptcharakters wohl der zweite große Schock in dieser Episode.

Alles in allem bietet uns #3.09 The Crossing mit den letzten Minuten eine großartige Szene, die noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird, weil sie die Zuschauer, wie die weiteren Charaktere in der Serie, mit der Wucht eines herannahenden Güterzuges trifft und dabei schonungslos das gute Gefühl, das man zuvor aufgebaut hatte, zunichte macht.

Melanie Wolff - myFanbase

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