The Carrie Diaries - Review des Piloten

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Nachdem die Kinofilme von "Sex and the City" ("Sex and the City" und "Sex and the City 2") gezeigt haben, dass das Interesse an der Serie noch immer groß ist, hat der Sender The CW nun den Versuch gestartet, die Vorgeschichte als Aufhänger für einen neuen Quotenhit zu nutzen. Die Basis hierfür hat auch Candace Bushnell geliefert, die wie schon bei "Sex and the City" die Buchreihe zu verantworten hat. Doch damit hört es mit den Parallelen auch schon auf. Das berühmte Aushängeschild schwebt eher wie ein Damoklesschwert über "The Carrie Diaries", zumindest wenn man Kritiken zu der Serie liest.

Maybe it was the realisation, that I might have just lost my innocence, my virginity. And not to the guy I'd hoped, but to a different man - Manhattan.

Foto: AnnaSophia Robb, The Carrie Diaries - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
AnnaSophia Robb, The Carrie Diaries
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Zugegebenermaßen bin ich schon ein wenig spät dran mit dem Schauen der Serie, war das erste Medienecho doch bereits im Januar ziemlich gewaltig und auch ziemlich vernichtend. Dabei ist doch eigentlich alles davon abhängig, was man von der Serie erwartet. Natürlich ist "The Carrie Diaries" kein "Sex and the City 2.0". Es ist Welten davon entfernt, aber wer sich ein bisschen mit dem amerikanischen Fernsehen auskennt, der sollte das auch nicht erwartet haben, denn immerhin wird die Serie vom Sender The CW ausgestrahlt, wo Serien wie "One Tree Hill", "90210" oder "Vampire Diaries" einzuordnen sind. Entsprechend ist die Zielgruppe in erster Linie auf Jugendliche beschränkt und es werden nicht zwingend die alten "Sex and the City"-Fans angesprochen. Geht man mit diesem Wissen an die Serie heran, fällt es einem auch gar nicht so schwer, die positiven Aspekte der Serie herauszufiltern.

Foto: Austin Butler, The Carrie Diaries - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Austin Butler, The Carrie Diaries
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Da wäre zunächst mal die äußerst sympathische und telegene AnnaSophia Robb, die in die großen Fußstapfen von Sarah Jessica Parker treten musste und hier die jugendliche Carrie Bradshaw mimen muss, die das ganze aufregende Leben noch vor sich hat. Dafür hat sie von Parker ihren Segen bekommen und ich muss sagen, meinen hat sie nach dieser ersten Episode auch. Die Ausstrahlung ist wirklich bemerkenswert und diese Neugier und Freude ist absolut authentisch. Zu keinem Zeitpunkt habe ich sie in Frage gestellt und die Off-Kommentare waren ebenfalls gelungen und lassen stilistisch die Handschrift von der Autorin Candace Bushnell erkennen.

Foto: Ellen Wong, The Carrie Diaries - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Ellen Wong, The Carrie Diaries
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Auch die anderen Charaktere machen weitestgehend einen guten Eindruck, auch wenn sie in ihrer Komplexität zunächst nicht viel hergeben. Der Frauenschwarm Sebastian Kydd, der nicht nur von Carrie angehimmelt wird, sondern auch von der High-School-Feindin Donna, hat natürlich etwas Geheimnisvolles. Inwieweit sein angenommener Reichtum, das Verlassen der Mutter und seine Coolness miteinander zusammen spielen werden, muss man noch abwarten. Er symbolisiert jedenfalls den typischen Kerl zum Anschmachten. Donna hingegen bleibt erst mal noch ziemlich blass als intrigante Zicke, wird aber bestimmt noch ihre Momente bekommen. Deutlich spannender finde ich da Carries Freunde Mouse, die eher zurückhaltend und nachdenklich ist, und Maggie, die kein Kind von Traurigkeit ist und in ihren jungen Jahren schon eiskalt eine Affäre hat. Walt hat schon mal eindeutig das Label "potenzieller homosexueller Kumpel" ganz fett auf die Stirn markiert bekommen. Die Andeutungen in der Episode waren so deutlich, dass man eigentlich nicht mehr drumherum kommt. Die Serie ist aber auch nichts zum Mitraten und Spekulieren sondern einfach nur zum Mitverfolgen.

Foto: Freema Agyeman, The Carrie Diaries - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Freema Agyeman, The Carrie Diaries
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Nicht so richtig warm geworden bin ich mit Larissa, die als Bindeglied zwischen der New Yorker Party- und Modeszene und Carrie doch eine große Bedeutung spielt. Sie ist mir einfach zu überdreht gewesen und konnte nicht punkten. Ganz anders ging es mir da bei Carries liebevollem Vater Tom und ihrer Schwester Dorrit. Auch hier kann man nicht von komplexen Charakteren sprechen, aber sie haben eine solide, nachvollziehbare Basis und sorgen einfach dafür, dass man sich mit dem Auftakt der Serie wohl fühlt. Das ist ein bisschen wie bei "Life Unexpected - Plötzlich Familie". Die Charaktere funktionieren, die Szenen sind grundsolide und es gibt einfach wenig Anlass abzuschalten. Wenn man also einfach eine nette Teenie-Drama-Serie über das Erwachsenwerden haben will, die man ohne große Konzentration schauen möchte, ist man hier an der richtigen Stelle.

Foto: Katie Findlay, The Carrie Diaries - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Katie Findlay, The Carrie Diaries
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Ein paar Worte muss man aber doch noch zu den Prequel-Eigenschaften der Serie sagen. Carrie kommt auf jeden Fall genau richtig rüber, aber eigentlich versucht die Serie nicht, auf Teufel komm raus ein echtes Prequel zu sein. Man unternimmt gar nicht erst den Versuch, "Sex and the City" auf Herz und Nieren zu prüfen, damit auch jede Aussage, jede Aktion mit der Vorläufer übereinstimmt. Das ist insofern gut, weil man damit eine Last loswird und eine dramaturgische Freiheit gewinnt, die der Serie nur guttun kann. Was man allerdings umzusetzen versucht, ist der Zeitbezug. Carrie lebt in den 80er Jahren. Madonna ist gerade im Kommen und auch sonst ist man musikalisch in dieser Zeit. Ansonsten fällt nur auf, dass Handy und Laptop nicht zu finden sind. Sonst würde es eigentlich kaum auffallen, dass die Serie in den 80ern spielt. Es sind also sehr moderne 80er Jahre. Es bleibt aber doch zu hoffen, dass man viel häufiger damit spielt, dass man dreißig Jahre zurück ist, und man noch viele Anspielungen auf die Zeit erleben darf.

Fazit

Wer kein zweites "Sex and the City" erwartet und sich bewusst ist, dass "The Carrie Diaries" ein Teenie-Drama ist, der kann hieran durchaus Gefallen finden. Das Konzept geht erst mal auf, AnnaSophia Robb hat das Potenzial, die Serie zu tragen und die zunächst angerissenen Storys spiegeln in etwa das wider, was man von 16-Jährigen erwarten darf. Gut und anspruchsvoll sind eben zwei verschiedene Dinge. Der Auftakt von "The Carrie Diaries" war gut und ich kann mir vorstellen, die Charaktere eine Weile beim Erwachsenwerden zu begleiten.

Emil Groth - myFanbase

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