RingCon 2012 - Joe Dempsie

Vom 5. bis 7. Oktober 2012 war es wieder soweit: Die alljährliche RingCon fand im Bonner Maritim Hotel statt und holte in ihrem elften Jahr auch eine Vielzahl der Darsteller aus "Game of Thrones" nach Deutschland. Und obgleich Größen wie Jason Momoa und Iain Glen zu den geladenen Gästen gehörten, freute ich mich im Vorfeld vor allem auf Joe Dempsie, der in "Game of Thrones" den Charakter Gendry, den Bastard von König Robert Baratheon, verkörpert, mich jedoch vor allem durch seine Paraderolle als Chris Miles in der britischen Hit-Serie "Skins" überzeugen konnte.

Foto: Joe Dempsie, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Joe Dempsie, RingCon
© myFanbase/Nicole Oebel

Im Gegensatz zu den meisten anderen Gaststars, ist die RingCon 2012 die erste Convention überhaupt für Joe Dempsie gewesen. Entsprechend zurückhaltend wirkte er zu Beginn der Pressekonferenz und ließ vor allem seinen erfahrenen Kollegen den Vortritt bei der Beantwortung der vielen Pressefragen. Doch als einziger Vertreter von "Game of Thrones" auf der hiesigen Pressekonferenz - die anderen Darsteller reisten erst im Laufe des Tages an - kam er entsprechend nicht umher auch Rede und Antwort zu stehen und machte dabei einen fantastischen Job.

Natürlich war eine der ersten Fragen an ihn, ob er auch die Bücher zu "Game of Thrones" gelesen hätte. Etwas beschämt gab Joe daraufhin zu, dass er sich mehr oder weniger durch die ersten beiden Bände gequält habe - sich letztlich jedoch dazu entschloss nur noch die Skripte zu lesen, um gewissermaßen auch selbst von den Ereignissen überrascht zu werden. Zum Abschluss der Frage gab er jedoch zu, dass er die Bücher doch irgendwie genossen hat, gerade weil es Fantasy-Bücher sind, welche durch die sehr politisch ausgelegten Handlungsstränge auch für Nicht-Genre-Fans sehr zugänglich sind. Auf den motivierten Ansporn der Fragestellerin, dass er auch die weiteren Bände lesen sollte, antwortete er jedoch nur mit einem gequälten, aber unglaublich sympathischen "Yeah", welches mehr als deutlich ausdrückte, dass er dies definitiv nicht vor hat. Da die Diskussion damit jedoch immer noch nicht abgeschlossen war, beendete Joe sie gekonnt mit dem Running-Gag der Convention und sagte, dass er zwar gerne die weiteren Teile lesen würde, jedoch derzeit an "Fifty Shades of Grey" sitzt und demnach keine Zeit hätte.

Foto: Finn Jones, Miltos Yerolemou & Joe Dempsie, RingCon 2012 - Copyright: myFanbase/Barbara Kotzulla
Finn Jones, Miltos Yerolemou & Joe Dempsie, RingCon 2012
© myFanbase/Barbara Kotzulla

Da "Game of Thrones" bekanntermaßen an vielen verschiedenen Orten gedreht wird, ist es keine Seltenheit, dass einige der Darsteller sich während der Produktion einer Staffel nie sehen, da ihre Charaktere keine gemeinsamen Szenen haben. Somit stellte sich die Frage, wie gut Joe seine Kollegen kennt. Joe, der selbst die meisten seiner Szenen in Belfast dreht, erzählte, dass er mit einigen seiner Co-Stars inzwischen sehr gut befreundet ist, aber eben nie eine gemeinsame Szene mit ihnen hatte, sodass er deren Talent wirklich erst erkannt hat, als er sich die Serie angeguckt hat. Mit Kit Harington ist er schon seit einiger Zeit eng befreundet und gemeinsam mit Alfie Allen, Kit Harington, Gwendoline Christie und Finn Jones ist er im letzten Jahr nach Berlin gereist und sie haben sich die Nacht mit viel Bier um die Ohren geschlagen. Außerdem erzählte Joe, dass er noch nie Teil einer solch riesigen Produktion gewesen sei und sich erst einmal an alles gewöhnen musste, da es zunächst erschreckend für ihn war, inzwischen jedoch daran gewöhnt sei, dass alles sehr aufwendig und enorm professionell beim Dreh abläuft.

Kurz nach der Pressekonferenz gab Joe Dempsie sein erstes Fotoshooting - und war dabei wahrscheinlich genauso aufgeregt dies zum ersten Mal zu tun, wie die Fans, die sich mit ihm ablichten ließen. Der Ansturm bei der ersten Fotosession hielt sich noch in Grenzen, was sich am zweiten Tag, nachdem die Besucher Joe durch sein Panel sowie sein ungemein freundliches Wesen abends auf der Party besser kennen lernen durften, schlagartig änderte. Der Eindruck, den Joe das gesamte Wochenende hinterließ, bestätigte sich auch bei den Fotosessions. Er hatte für jede Person in der Kürze der Zeit ein freundliches Wort übrig und hatte keinerlei Berührungsängste.

Foto: Natalia Tena & Joe Dempsie, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Natalia Tena & Joe Dempsie, RingCon
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Sein erstes Panel bestritt er am Freitagnachmittag gemeinsam mit Osha-Darstellerin Natalia Tena, die bereits ein alter Hase auf der RingCon ist, da sie zuvor aufgrund ihrer Rolle der Nymphadora Tonks in "Harry Potter" als Gast eingeladen wurde. Entsprechend richteten sich viele der Fragen aus dem Publikum an Natalia und ihre Rolle der Tonks, sodass Joe sich oftmals zurücklehnen und die neuen Erfahrungen auf sich wirken lassen konnte, auch wenn er sich immer wieder gerne in die Fragen einbrachte, die eigentlich nur an Natalia gerichtet waren. Im Gegensatz zur Pressekonferenz am Morgen, merke man ihm deutlich an, dass er sich inzwischen an die Umstände der Convention gewöhnt hatte, sodass er entsprechend locker und lustig aber gleichermaßen mit der nötigen Portion Ernsthaftigkeit an das Panel und die Fragen heran ging und einmal mehr enorm sympathisch wirkte.

Bevor Fragen aus dem Publikum gestellt wurden, richtete sich der altbekannte MoC Mark Ferguson an die beiden und stellte vor allem Joe die Frage, ob er inzwischen denn auch auf der Straße erkannt werden würde. Joe, der vor allem in Großbritannien durch seine Darstellung in "Skins" großen Bekanntheitsgrad haben dürfte, spielte die Frage dadurch runter, dass er behauptete sein Charakter Gendry würde immer sehr schmutzig und ungewaschen sein, sodass er eigentlich deswegen nie erkannt werden würde.

Foto: Joe Dempsie, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Joe Dempsie, RingCon
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Als Natalia dann als nächstes von einer Zuschauerin auf ihre Band angesprochen wurde, zeigte sich gleich der Spaßfaktor von Joe, denn er begann kurzerhand "Sing! Sing! Sing!" ins Mikrophon zu rufen, sodass Natalia sich herausreden musste, um der Aufforderung nicht nachgehen zu müssen. Die meisten Fragen, die sich ausschließlich an Joe richteten bezogen sich auf seine vielen anderen Rollen in diversen TV-Serien: Von seinem Gastauftritt in "Merlin" erzählte Joe, dass er sich eigentlich um die Hauptrolle des Merlin beworben hatte, dann jedoch wieder zurückgetreten ist, da man gleich einen 6-Jahres-Vertrag unterzeichnen musste und die Dreharbeiten nahezu über das ganze Jahr verteilt stattfinden, sodass man kaum Zeit gehabt hätte, sich auch um andere Projekte zu kümmern. Über seine Gastrolle in "Doctor Who" berichtete Joe, dass dies die erste Rolle gewesen ist, die ihm angeboten wurde, was ihm natürlich sehr geschmeichelt hat. Auch die Arbeit am Set hat ihm enormen Spaß gemacht, nicht zuletzt da er in dieser Episode Georgia Moffett küssen durfte, die nun mit dem damaligen Doctor David Tennant verheiratet ist. Im Nachhinein bereut er jedoch, dass er sofort zugesagt hat und sich nicht vorher das Skript durchgelesen hat, da er seinen Charakter darin eher langweilig fand und entsprechend von seiner Leistung auch nicht überzeugt ist.

Ich selbst konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen Joe eine Frage zu seiner Zeit bei "Skins" zu stellen. Er erzählte, dass die zwei Jahre, die er gemeinsam mit seinen Kollegen verbracht hat etwas ganz besonderes für ihn waren, da es der Start seiner Karriere gewesen ist und die Erfahrungen in dieser Zeit sich auch auf sein gesamtes Leben ausgewirkt haben. Die nachfolgende Generation von "Skins" hat er noch verfolgt, da Jack O'Connell ein sehr guter Freund von ihm ist, doch dann hat er die Serie für sich selbst abgebrochen. Abends in der Bar, wo sich Joe gemeinsam mit Finn Jones unter die Menge mischte, fügte er dann noch hinzu, dass er der Älteste der Schauspieler der ersten Generation von "Skins" gewesen ist. Da es der Produktion sehr wichtig war, dass die Schauspieler alle in dem Alter ihrer Charaktere waren, wurde ihm von seinem Casting-Agenten empfohlen sich zwei Jahre jünger zu machen, sodass er diese Hürde überwinden konnte und letztlich durch das erfolgreiches Casting die Rolle ergattern konnte.

Foto: Joe Dempsie, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Joe Dempsie, RingCon
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Auf die Frage hin, ob sie erwartet hätten, dass "Game of Thrones" ein so enormer Erfolg werden würde, erzählte Joe eine kleine Anekdote von seiner Familie. Sein Vater guckt sich alles an, worin Joe mitspielt, jedoch nimmt er dies meistens auf und guckt es dann wenn er Zeit hat. Bei "Game of Thrones" jedoch meinte sein Vater, dass er die nächste Episode kaum erwarten könnte, sodass Joe sich sicher war, dass die Serie ein großer Erfolg werden würde. Auch im Panel wurde natürlich die Frage gestellt, ob die beiden auch die Bücher zur Serie gelesen hätten. Während Natalia Tena ein großer Fan der Bücher ist, gab Joe erneut zu, dass er die Bücher nicht lesen würde, sich jedoch darüber informiert hätte, ob sein Charakter Gendry in den einzelnen Bänden vorkommen würde oder zwischenzeitlich verstirbt.

Zu seiner Zusammenarbeit mit Sean Bean, sagte er mit einem Augenzwinkern, dass es der Höhepunkt seines bisherigen Lebens war und führte dann aus, dass er an seinem ersten Tag am Set von der riesigen Produktion regelrecht eingeschüchtert war, weswegen das erste Zusammentreffen mit Sean Bean an diesem Tag das Geringste seiner Probleme gewesen ist. Sean Bean sei außerdem ein Mensch, der eher introvertiert ist. Wenn man ihn anspricht, ist er unglaublich sympathisch, jedoch geht er selten auf andere Menschen zu, sondern konzentriert sich vielmehr voll und ganz auf seinen bevorstehenden Dreh und raucht dabei etliche Marlboro lights.

Foto: Joe Dempsie, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Joe Dempsie, RingCon
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Als die Frage kam, wie lange die beiden für ihr Make-Up in der Serie benötigen würden, erinnerten beide daran, dass ihre Charaktere hauptsächlich enorm dreckig und ungewaschen aussehen, sodass die Maske kaum Zeit in Anspruch nehmen würde. Begeisterungsstürme bei ihm entstanden als er über die Arbeit von den Serienmachern David Benioff und D.B. Weiss erzählte. Die beiden machen für ihn einen fantastischen Job, da man selbst als Buchkenner immer wieder überrascht wird, da sie die Vorlage nicht einfach 1:1 übernehmen, aber die wichtigsten Aspekte wunderbar herausarbeiten.

Obgleich es sich bei "Game of Thrones" um eine Fantasy-Serie handelt, geht Joe an seine Rolle genauso wie an jede andere heran. Dabei versucht er sich vor allem auf die Emotionen des Charakters zu konzentrieren und ihn somit trotz des fremden Settings sehr natürlich und realistisch wirken zu lassen. Dies ist für ihn bei der Arbeit an "Skins" durch das realistische Setting entsprechend einfacher gewesen, doch die Herangehensweise als Schauspieler bleibt für ihn die Gleiche.

Auf die Frage, welche Rolle die beiden gerne einmal verkörpern würden, hatte Joe keine wirklich Antwort. Dafür erzählte er jedoch, dass "Pulp Fiction" der Film für ihn ist, den er immer wieder gucken und niemals abschalten könnte. Wann immer er durch die Programme zappt und bei diesem Film landet, kommt er nicht umhin ihn zu Ende zu gucken. Wenn er sich für einen anderen Charakter in "Game of Thrones" entscheiden müsste, würde er Theon Graufreud nehmen, da dieser Charakter für ihn alle Aspekte beinhaltet, die ihn bei einer Rolle ansprechen. Auf die Frage, was er von Joffrey halten würde, hatte Joe nur gute Worte für Jack Gleeson übrig, der für ihn einen grandiosen Job leistet. Faszinierend daran findet er vor allem, dass Jack ein enorm netter Junge ist, gleichzeitig jedoch Joffrey so grandios darstellt, dass man ihn nur abgrundtief hassen kann.

Foto: Joe Dempsie, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Joe Dempsie, RingCon
© myFanbase/Nicole Oebel

Da sich auf der RingCon viele Menschen aus den unterschiedlichsten Fandoms versammeln, kam die Frage auf, ob auch Joe sich einem Fandom zugehörig fühlt, wobei er direkt sagte, dass er großer Fan des Fußballvereins Nottingham Forrest sei, die derzeit jedoch alles andere als gut spielen würden. Für ihn gibt es keine wirklichen Unterschiede zwischen Fans von TV-Serien und Fußballfans, da jeweils einer Leidenschaft nachgegangen wird, in die man viele Emotionen investiert. Auf die anschließende Frage, wen er gerne mal treffen würde, antwortete Joe schlicht und einfach mit Jason Statham, ohne das auch nur ansatzweise auszuführen, was für viele - wenn auch irritierte - Lacher sorgte.

Was den Beruf als Schauspieler angeht, machte Joe deutlich, wie wichtig es sei den Job zu genießen. Wenn man keinen Spaß daran hat, dann ist man nicht ganz bei der Sache und könne sich entsprechend auch nicht verwirklichen. Natalia fügte hinzu, dass man gleichermaßen jedoch keine Obsession mit dem Job haben sollte, da man sonst verzweifelt wirken könnte. Man sollte es als Beruf ansehen und sich ansonsten auch mit anderen Dingen und Hobbys beschäftigen, um sich nicht selbst zu verlieren.

Zum Abschluss erzählte Joe, dass seine bisherige Lieblingsepisode der Serie #2.09 Blackwater gewesen ist. Da er in dieser Episode nicht vorgekommen ist, hat er das Skript dazu nicht bekommen und das Endprodukt entsprechend erst auf dem Bildschirm gesehen, was ihn absolut beeindruckt hat. Auch die Szenen zwischen Arya und Tywin in der zweiten Staffel fand er sehr beeindruckend.

Nach diesem ersten Panel von Joe hat er die unglaublich freundliche und herzliche Stimmung der RingCon, die es gleichermaßen so auf keiner anderen deutschen Convention gibt, am eigenen Leib erfahren können, da er sich Abends mit seinem Schauspielkollegen Finn Jones unter die Menge mischte. Die beiden haben wie alle anderen Besucher der Convention die abendliche Party genossen, waren offen für Gespräche und haben sich von der deutschen Bierbraukunst überzeugt. Im Nachhinein kann man nur sagen, dass Joe Dempsie ein perfekter Stargast für eine derartige Convention ist, da er auf der Bühne die nötige Präsenz zeigt, sowohl witzige als auch ernste Antworten geben kann und generell sehr zugänglich und sympathisch ist.

Annika Leichner - myFanbase