RingCon 2014
Ka mate, ka mate! Ka ora, ka ora!

Als vor Kurzem bekannt wurde, dass die RingCon-Besucher dieses Jahr auf den Master of All Things, Mark Ferguson, verzichten müssen, grenzte es beinahe an Wahn, dennoch zu hoffen, dass es die bisher beste RingCon werden könnte, schließlich ist Mark Ferguson RingCon-Urgestein und gehört einfach dazu. Aber Mini-Mark, Sexy-Mark und Deutsch-Mark alias Lori Dungey, Craig Parker und Nessi sollten übernehmen und auf der Gästeliste standen schließlich genau die "Game of Thrones"-Darsteller, die die RingCon im letzten Jahr zur Riesenparty umfunktioniert haben, Sebastian Roché, der als Convention-Rockstar schon berühmt-berüchtigt ist, und Manu Bennett, der einfach nunmal Manu Bennett ist!

"Northmen - A Viking Saga"-Panel

Foto: Ken Duken, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Ken Duken, RingCon
© myFanbase/Nicole Oebel

Und es wurde die bisher beste RingCon! Was nicht zuletzt auch in diesem Jahr wieder an einigen großartigen Überraschungen lag, wie man sie nur bei den großen, gemischten Cons erleben kann. Die erste Überraschung waren die drei "Northmen – A Viking Saga"-Darsteller, die gekommen waren, um ihren Film vorzustellen: Tom Hopper ("Spielt der nicht in 'Merlin' mit?"), Anatole Taubmann ("Kenn ich nicht.") und Ken Duken ("Ach, der Eiffelturm aus 'Zweiohrküken'!"). Die unqualifizierten Kommentare in Klammern waren tatsächlich meine Gedanken beim Lesen der Ankündigungen, aber mit Staunen durfte ich am Freitag der RingCon ruck zuck feststellen, dass die drei einfach klasse und eine echte Bereicherung für die RingCon waren. Sie berichteten von ihrem Wikinger-Film, in den sie ihr ganzes Herzblut gesteckt haben, was nicht selten sogar lebensgefährliche Ausmaße annahm. Ken Duken spielt in "Northmen" nämlich Thorald, einen Bogenschützen, und bereitete sich auf diese Aufgabe vor, indem er sich an der Technik des Meisters Lars Anderson orientierte, der 10 Pfeile in 5 Sekunden abschießen kann. Eine Technik, die zu beherrschen, 30 Jahre Training erfordert. Ken trainierte also Tag und Nacht und brachte damit nicht nur seine Zimmernachbarn um den Schlaf, sondern, wie Tom Hopper erzählte, man musste auch am Set aufpassen, diesen Trainingspfeilen nicht in die Quere zu kommen. Schaut im Film mal genau hin, riet Tom anerkennend, Kens Geschwindigkeit beim Abschießen der Pfeile ist nicht in der Postproduktion entstanden! Die Fanherzen im Publikum gewannen die drei zudem damit, dass sich dafür einsetzten, dass die Fans ihre Fragen stellen konnten, was allem Anschein nach in ihrem moderierten Panel nicht so wirklich vorgesehen war, und mit kleinen Anekdoten, wie Schilderungen vom Dreh in Südafrika, wo sie sich immer in ihren Rollen wieder daran erinnern mussten "Wir sind in Schottland! Wir sind in Schottland!", wenn Schlangen und sonstige in Südafrika ansässige Tiere um sie herum kreuchten und fleuchten und wenn sie, wie es Tom passierte, versehentlich große Mengen Leitungswasser tranken, was ungefiltert gar keine gute Idee für unsere nicht stahlharten europäischen Mägen ist!

"Game of Thrones"-Panels

Foto: James Cosmo, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
James Cosmo, RingCon
© myFanbase/Nicole Oebel

Die "Game of Thrones"-Darsteller knüpften nicht unbedingt an ihren Spaßfaktor vom vergangenen Jahr an, was vielleicht vor allem daran lag, dass Loras (Finn Jones) seinen Renly (Gethin Anthony) nicht an seiner Seite hatte. Gespannt war ich in diesem Jahr vor allem auf Alfie Allen, Darsteller des Theon Greyjoy, der jedoch in seinem Solo-Panel relativ ruhig und beinahe schon ein wenig wortkarg wirkte. Seine Antworten kratzten nur an der Oberfläche und selten kam er richtig aus sich heraus. Eine viel größere Freude war es da, dem Panel des wunderbaren James Cosmo beizuwohnen. Der große, weißhaarige Mann, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Schauspieljubiläum feiert, riss jeden mit seinem strahlenden Lächeln mit und bedankte sich mehrfach für den herzlichen Empfang, der ihm vom RingCon-Publikum bereitet wurde. Er betonte, dass er eine solche Gemeinschaft wie die der RingCon noch nie zuvor auf einer anderen Convention erlebt habe. Und selbst wenn das für die treuen RingCon-Besucher ja eigentlich gar nichts Neues ist, so ist es trotzdem wunderschön, es von so einem tollen Mann und etablierten Schauspieler nochmal zu hören. Kein Wunder, dass ihm bei seinem Abschied mit Standing Ovations Dank gezollt wurde!

"Vampire Diaries"-Panels

Foto: Nathaniel Buzolic, Sebastian Roché, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Nathaniel Buzolic, Sebastian Roché, RingCon
© myFanbase/Nicole Oebel

Auf Sebastian Roché und Nathaniel Buzolic war ich besonders gespannt! Schließlich haben beide schon zahllose "Vampire Diaries"- bzw. "Supernatural"-Conventions bestritten und sind dort dafür bekannt, ihr Publikum absolut im Griff zu haben. Sebastian mit seinem oftmals nicht ganz jugendfreien und gelegentlich ans Anstrengende grenzenden Temperament, Nate mit seiner nahbaren und verbindlichen Art. Hier standen sie nun vor RingCon-Publikum und das ist schließlich was ganz anderes, als eine einzelne eingeschworene Fangemeinde vor sich zu haben. Nate hatte in der Pressekonferenz bereits zugegeben, dass er hofft, dass überhaupt drei bis vier Fans da sein werden, die ihn kennen. Die Sorge hat er sich umsonst gemacht, denn Sebastian und er haben das Publikum im Sturm erobert! Auch wenn es für viele überraschend kam, dass Sebastian in seinen Panels ungern für Fragen zu haben ist, sondern lieber singt, tanzt, durch den Saal läuft und im Grunde genommen am Stück schlüpfrige Witze reißt, so waren diese Leute sicher dankbar für Nates Anwesenheit, der sich ebenfalls durch den Saal bewegte und kurzerhand mit den Fans einstudierte "Shut up, Sebastian!" zu brüllen. Der Jubelsturm, der die beiden begleitete, ließ jedenfalls am Ende keinen Zweifel zu. Die beiden hatten den Saal gerockt!

Manu Bennetts Panels

Foto: Manu Bennett, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Manu Bennett, RingCon
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Manu Bennett hat so viel Charisma, dass es einem die Sprache verschlägt! Er ist ein Mensch, der in seinem 45-jährigen Leben schon so viel erlebt hat, dass es für zwei Leben ausreicht, und er teilt seine Geschichten gerne. Er spielt in "Spartacus" den unbesiegten Gallier Crixus, in "Arrow" den hochgefährlichen Deathstroke und in "Der Hobbit"" den kriegerischen Azog, und er spielt diese Figuren mit so viel Leidenschaft, verleiht ihnen so viel Tiefe, weil er wahrhaftig sein eigenes Herzblut in die Darstellung hineingießt. Wenn er am vordersten Rand der riesigen RingCon-Bühne vor dem gefüllten Saal auf und ab geht und mit seiner tiefen, warmen Stimme erzählt, wie er als Teenager zusammen mit seiner Mutter im Auto saß, als ein Betrunkener ihren Wagen rammte, durchläuft man als Zuhörer im Publikum alle Emotionen. Die Mutter starb und Manu selber wurde durch die Scheibe geschleudert, lag zwei Wochen im Koma, und als er mit den Wunden um sein Auge herum, die man heute noch als Narben sieht, aufwachte, saß an seinem Bett ausgerechnet der Schulkamerad, der ihm in der Schule das Leben zur Hölle gemacht hatte. Mit einem kleinen Lächeln schließt Manu seine Erzählung ab: Aus diesem Jungen wurde sein bester Freund und Manu war sogar sein Trauzeuge. Feuchte Augen, Mitgefühl, Gänsehaut, Rührung, Respekt.

Foto: Manu Bennett, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Manu Bennett, RingCon
© myFanbase/Nicole Oebel

Manu Bennetts Schilderungen vom Tod der Mutter und dem kurz darauf folgenden Tod seines Bruders, der ebenso bei einem Autounfall ums Leben kam und in Manus Armen starb, vom verzweifelte Vater, der Manu daraufhin auf ein knallhartes Internat für Maori-Jungen gab, in dem Manu gleich unter dem nächsten Schulhofschläger zu leiden hatte, und nicht zuletzt seine Schilderungen vom "Spartacus"-Set, als die gesamte Besetzung und alle Beteiligten an der Serie zusammensaßen und der Produzent die traurige Nachricht vom Tode des Hauptdarstellers Andy Whitfield überbringen musste, woraufhin alle Anwesenden gemeinsam ihre Trauer in einem gemeinsamen Haka, einem Maori-Kriegstanz, zum Ausdruck brachten, ziehen einem den Boden unter den Füßen weg. Aber Manu Bennett wäre nicht Manu Bennett, würde er einen nicht mit seinen starken Armen auffangen! Denn Manu erklärt seine Leidenschaft für die Darstellung seiner Charaktere genau damit: All diese tragischen Erlebnisse haben sein Leben geprägt und er hat sich dafür entschieden, seinen Gefühlen im Schauspiel Ausdruck zu verleihen. Spielt er also Crixus' Schmerz, Slade Wilsons Rachsucht und Azogs Wut, dann verarbeitet er damit seine eigenen Gefühle. Die Gefühle, von denen er sich in seinem privaten Leben nicht hat unterkriegen lassen, die er zur Grundlage seiner charismatischen Darstellung gemacht hat. Und zu hören, wie viel ihm das Feedback der Fans bedeutet, wie es ihn bewegt zu erfahren, dass er Menschen mit seiner leidenschaftlichen Darstellung in ihrem tiefsten Inneren zu berühren vermag, lässt es einem so warm ums Herz werden, als ginge die Sonne auf!

Foto: Manu Bennett, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Manu Bennett, RingCon
© myFanbase/Nicole Oebel

Und im nächsten Moment reißt Manu Bennett das verblüffte Riesenpublikum der RingCon wieder aus den Sitzen, als er zum gemeinsamen Haka aufruft. Ka mate, ka mate! Ka ora, ka ora! Werde ich sterben oder werde ich leben? Von der Woge der Emotion ergriffen, stürzt Manu sich ins Publikum, das tosend seine Haka-Rufe und -Gesten nachmacht, und führt die über die Grundlagen hinausgehenden Parts des Haka mitten in der Menge auf. Eine solche Energie ist einfach atemberaubend! Dreimal hat Manu Bennett uns an diesem RingCon-Wochenende zum gemeinsamen Haka eingeladen, im ersten Panel alle gemeinsam, im zweiten Panel zu drei Stämmen "gegeneinander", Na Arrow, Na Hobbit und Na Spartacus, und in der Closing Ceremony ein letztes Mal von der Empore aus, dort wo die Leute sonst etwas fern vom Geschehen sind. Ebenso sorgte Manu dafür, dass bei der Closing Ceremony die Stargast-Polonaise nicht nur auf der Bühne stattfand, sondern – zum ersten Mal in meinen fünf Jahren RingCon – unter größtem Jubel auch über die Empore und durch alle Gänge des Saals ging.

Foto: Manu Bennett, RingCon - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Manu Bennett, RingCon
© myFanbase/Nicole Oebel

Manu Bennett ist jemand, der einen beim Foto-Shooting, nachdem geknipst wurde, einen Moment länger festhält als nötig, in die Augen schaut, die Hand drückt, etwas sagt, und nicht nur froh ist, wenn es weitergeht. Der sich für die Autogramme ungeheuer viel Zeit nimmt, selbst wenn die Session offiziell schon beendet ist, der bei der RingCon die erste Partynacht bis in die frühen Morgenstunden mitgefeiert hat, für jeden ansprechbar und immer freundlich für eine Umarmung zu haben war. Der sich für seine Umgebung interessiert, das Con-Hotel verlässt, um sich in der Bonner Umgebung den Drachenfels und den Rhein anzuschauen, und der sich auf dem Hinweg zum Con-Hotel die deutsche Nationalhymne im Internet heraussucht, um diese fröhlich bei der Autofahrt zu üben und sie dann bei der Eröffnungsveranstaltung vorzutragen, wie auch sie in seinem Panel mit dem Publikum nochmal gemeinsam zu singen. Manu Bennett ist ein toller Mann und ein phantastischer Convention-Gast, den wir hoffentlich nicht zum letzten Mal auf der RingCon-Bühne gesehen haben! RingCon 2015 kann nicht schnell genug kommen!

Kostümwettbewerb

Nicole Oebel - myFanbase

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