Bewertung
Barry Levinson

Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

"It's just about how to produce it."

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Inhalt

Die Story beginnt mit einer Affäre. Der Präsident der Vereinigten Staaten wird beschuldigt, eine Schülerin sexuell belästigt zu haben, und das zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen. Die Situation ist so heikel, dass es äußerstes Fingerspitzengefühl braucht, um die Wiederwahl des Präsidenten nicht zu gefährden. Conrad Brean (Robert De Niro) wird engagiert, um zusammen mit der Präsidentenberaterin Winifred Ames (Anne Heche) das Image des Präsidenten aufzupolieren. Die Situation lässt sich nicht wirklich retten, also wird ein großes Ablenkungsmanöver inszeniert. Was könnte größer sein, als ein Krieg? Doch gegen wen soll Amerika in den Krieg ziehen, um eine Affäre des Präsidenten zu vertuschen? Auch hier hat Conrad eine Antwort – ein Land, welches so klein und unbedeutend ist, dass niemand auf die Idee kommen würde, zu recherchieren, nach Antworten zu suchen. Ein Land, das 90 Prozent der Amerikaner noch nicht einmal kennen – Albanien. Doch wie inszeniert man einen Krieg ohne Krieg? Das ist eine leichte Übung, dazu ist eigentlich nur ein Filmproduzent nötig, in diesem Fall – Stanley Motss (Dustin Hoffman).

Motss ist begeistert von der Idee und produziert extra für die Medien ein Video, in welchem ein albanisches Mädchen – das eigentlich ein amerikanisches Mädchen ist (Kirsten Dunst) - mit einem weißen Kästchen vor einem Bomben-Inferno flieht. Das Video verfehlt seine Wirkung nicht und der Patriotismus der Amerikaner wird geweckt. Albanien versteckt Nuklearwaffen, also ist es die Pflicht der USA, den Frieden und die Demokratie in dieses Land zu bringen. Alle konnten getäuscht werden, mit einer Ausnahme – der CIA. Aber auch hier schafft es der Künstler Conrad Brean, sich und die Aktion herauszureden und ohne Konsequenzen weiterzumachen, obwohl die internationalen Beziehungen zu Albanien äußerst gefährdet scheinen und die internationale Gemeinschaft aufschreit. Doch die CIA macht einen besseren Deal mit dem gegnerischen Präsidentschaftskandidaten und dieser erklärt den Krieg im Fernsehen offiziell für beendet. Die Sache scheint verloren zu sein, doch dann kommt Motss auf die Idee, einen Helden zu kreieren, der hinter den feindlichen Linien zurückgelassen wurde. Auch auf diese Ente fallen die Medien und die amerikanische Bevölkerung rein und es entsteht fast eine Hysterie um den vergessenen Soldaten "Shoe", der jedoch nicht ganz das zu sein scheint, was er ist...

Kritik

Robert De Niro und Dustin Hoffmann in einem Film – das ist wie Weihnachten und Geburtstag zugleich. Beide sind in ihren Rollen sowohl überzeugend, als auch lustig und vor allem harmonieren sie miteinander, so dass dem Zuseher eigentlich nichts anderes übrig bleibt, als zu staunen. Anne Heche als kalte, berechnende, aber auch sorgende Karrierefrau und Mutter ist ein guter Ausgleich zu dem ansonsten männerdominierenden Film. Sie ist eine Art Balance und passt sehr gut ins Bild. Der Film verfehlt als gesamtes Meisterwerk seine Wirkung auf das Publikum nicht.

Die Satire beruht auf dem Werk "American Hero" von Larry Beinhart und ist eine Hommage an die mediengesteuerte Welt, in der wir leben. Der Regisseur Barry Levinson schafft es, in seinem Film zwei Welten total zu verschmelzen – Fiktion und Realität. Eine Meldung der Nachrichtenagentur ddp bringt dies auf den Punkt: "Man mag es schier nicht glauben, dass Barry Levinsons neuer Film 'Wag the Dog' lange vor der Lewinsky-Affäre fertiggestellt wurde. Es drängen sich so viele Parallelen zwischen filmischer Fiktion und Bill Clintons Sex-Nöten auf, dass man zu dem Schluss gelangt, der Drehbuchautor David Mamet habe vorab Insider-Informationen bekommen oder besitze hellseherische Fähigkeiten."

Tatsächlich ist man als Zuschauer völlig perplex und geschockt, wenn man sich die Ausmaße der Intervention der Medien ansieht, aber der Film macht auch bewusst, wie sehr wir gesteuert werden oder sein könnten, wenn dies alles wirklich wahr wäre. Und genau hier stecken wir in der Zwickmühle, woher wissen wir denn, dass wir gelenkt oder auch nicht gelenkt werden, wenn nicht durch die Medien... es ist ein Teufelskreis, auf den auch der Film keine adäquate Antwort bietet.

Eine interessante Facette des Filmes ist die Auswahl der handelnden Hauptpersonen. Man sollte doch meinen, in einem Film, wo es um eine Sex-Affäre des amerikanischen Präsidenten geht, sollte man diesen auch mal vor die Kamera bekommen, aber nein. Er agiert aus dem Hintergrund, und wenn er mal zu sehen sein sollte, sind nur Schatten und Umrisse zu sehen. Barry Levinson vermittelt somit ein Gesamtbild der amerikanischen Politik, indem der Präsident eigentlich nicht einmal die dritte Geige spielt. Er ist eine Marionette gelenkt vom eigenen Stab in Zusammenarbeit mit den Medien, um eine Illusion zu schaffen, die ihm seine Macht ein klein wenig länger sichert. Im Großen und Ganzen ein hervorragender Film, der ein wenig hinter die Kulissen blickt, obwohl man wahrscheinlich auch den Film als Medium sehen kann, und so wären wir wieder da, wo wir angefangen haben...

Fazit

Erstklassige Satire mit Charme, Witz und großartigen Schauspielern!

Maja Zaric - myFanbase
21.02.2009

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