Bewertung
Justin Chadwick

Schwester der Königin, Die

Um in dieser Welt voran zu kommen, braucht es mehr als Schönheit und ein freundliches Herz.

Foto: Copyright: 2008 Universal Studios
© 2008 Universal Studios

Inhalt

Die erste Frau von Heinrich VIII. sinkt in dessen Ansehen, da sie ihm offenbar keine Kinder mehr gebären kann. So kommt der Herzog von Norfolk auf die Idee, die ältere seiner beiden Nichten, Anne Boleyn, (Natalie Portman) mit dem König (Eric Bana) bekannt zu machen und so das Interesse an ihr zu wecken, so dass er sie zur Mätresse nimmt. Dieser Plan geht allerdings schief, da sich Heinrich VIII. bei einem Ausflug eine Wunde zuzieht, an der Anne zum Teil Schuld ist. Sein Blick fällt so auf ihre Schwester Mary (Scarlett Johansson), die vor kurzem geheiratet hat und die sich um seine Verletzungen kümmert.

Er beschließt, Mary an den Hof zu holen und macht sie schließlich zu seiner Geliebten. Sie wird von ihm schwanger und muss das Bett hüten. Anne nutzt diese Zeit, um den König erneut auf sich aufmerksam zu machen, was ihr auch schnell gelingt. Er verspricht schließlich, sich nicht weiter um Mary zu kümmern und sich von seiner ersten Frau scheiden zu lassen, damit er sie heiraten kann. Doch damit fangen Annes Probleme erst an...

Kritik

Natürlich ist die Geschichte um Heinrich VIII. und seinen unvernünftig vielen Ehefrauen den meisten bekannt und am besten mag man sich wohl, auch dank der Fernsehserie "Die Tudors", an seine zweite Frau Anne Boleyn erinnern. Sehr viel Neues liegt also nicht in der Hintergrundidee des Filmes, sondern eher darin, welchen Fakten man Bedeutung beimisst und welche man weggelassen hat.

Lag der Fokus der geschichtlichen Serie auf der älteren der beiden Boleyn-Schwestern, darf man sich hier an Marys Sicht der Dinge erfreuen, die betont naiv erscheint. Wo ihre Schwester schon zu Beginn der Geschichte nach höherem strebt als eine einfache Heirat, lässt Mary sich mit Freuden darauf ein. Als Anne aber die erste Begegnung mit dem König verbockt, dessen Mätresse sie werden sollte, muss die Schwester auf ausdrücklichen Wunsch des einflussreichen Onkels Thomas Howard ran, um die Stellung der Familie zu sichern. Und das als verheiratete Frau! Sehr sonderbar ist für mich an dieser Stelle auch, dass ihr Ehemann dies so einfach hinnimmt und offenbar so gar keine Eifersucht zeigt. Der Charakter erscheint mir ausgesprochen blass, was aber auch daran liegen kann, dass er eigentlich eher eine Randfigur ist und Mary in das Licht rückt, in dem sie erscheinen soll.

Da Mary und ihre Schwester sehr konträre Charaktereigenschaften haben, muss sich dies natürlich auch in ihren Ansichten widerspiegeln – wo Anne mit Freuden an den königlichen Hof zieht, fühlt sich Mary von ihrer Familie und letztendlich auch von ihrem Ehemann dazu genötigt. Scarlett Johansson ist diese Rolle der Mary förmlich auf den Leib geschrieben worden, so sehr geht sie in ihrem Charakter auf. Man nimmt ihr die Mary voll und ganz ab, jedoch liegen in der Darstellung dieser Person nicht viele Überraschungen. Doch vielleicht soll das auch nicht so sein? Denn wer eigentlich überraschen soll, ist Natalie Portman. Mary bleibt in ihren Verhaltensweisen weitestgehend gleich, doch Anne verändert sich wie ein Chamäleon, was diesen Film erst richtig interessant macht. Anne ist hochmütig, biedert sich an, wenn es sein muss, und ist durchaus verzweifelt. Zumindest gegen Ende, wo sie krampfhaft versucht, ihre Stellung am Hof zu wahren. Dies bringt sie dann auch in die Situation, die am Ende zu ihrer Hinrichtung führt.

Ganz großartig geschauspielert hat aber auch Kristin Scott Thomas, die die Mutter der Boleyn-Kinder darstellt. Natürlich versucht sie, den Anordnungen ihres Mannes und ihres Bruders zu gehorchen, dennoch hat sie durchaus ihren eigenen Kopf und kann sich in manchen Situationen nicht zurückhalten und sagt ihre Meinung. Das ist das, was mir an ihrem Charakter sehr gefällt. Wo ihrem Bruder in erster Linie das Ansehen am königlichen Hofe wichtig ist, ist es bei ihr ihre Familie und vor allem eben auch ihre Kinder.

Zu Eric Bana ist eigentlich nicht sehr viel zu sagen. Er ist eben da. Er spielt zwar eine sehr zentrale Rolle, macht diese aber nicht zu etwas besonderem oder etwas, woran man sich in Zukunft erinnern könnte. Seine Leistung ist eher schwach, was aber nichts ausmacht, da ja schon Natalie und Scarlett dem Film seine entscheidende Note geben.

Fazit

Wer sich vorab über die Besetzung gewundert hat und eher Natalie Portman als Mary und Scarlett Johansson als Anne gesehen hat, wird überrascht sein, wie gut diese Besetzung doch passt. Vor allem Fans der beiden kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten. Auch das Ende ist betont unblutrünstig gestaltet, sodass man eher unterhalten als geschockt wird. Wer Historienfilme mag, sollte diesen auf jeden Fall gesehen haben, aber auch für alle anderen ist er durchaus sehenswert.

Zur Buch-Rezension: "Die Schwester der Königin" von Philippa Gregory

Luisa Schmidt - myFanbase
13.06.2010

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