Bewertung
Saint Lu

Saint Lu

Im September war ich zu einem Showcase im Berliner Lido eingeladen. Veranstaltet wurde das Konzert für die österreichische Newcomerin Saint Lu. Stimmlich zeigte sich die Sängerin eine Stunde lang gewaltig und deutete an, welch Potential in ihr steckt. Die Songs selbst wirkten eher durchschnittlich. Doch wie klingt das Material denn nun auf CD gepresst?

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© Warner Music Group

Zunächst ist es erfrischend, festzustellen, dass die talentierte Sängerin mit ihrer Band nicht auf den 60s-Soul-Revivaltrend aufspringt und stattdessen eher rockiger und rauer daher kommt. Da gibt es an jeder Ecke musikalische Vorbilder aus längst vergangenen Zeiten zu hören. Bluesiger Hendrix da, kratzige und impulsive Joplin dort; und ab zu auch ein paar Instrumentalparts, die entfernt an Led Zeppelin erinnern lassen. Natürlich liegt der Anspruch nicht ganz so hochklassig, ist aber eine gelungene Abwechslung zum Radioalltag.

Radiotaugliche Hooklines gibt es selbstverständlich trotzdem auf die Ohren. Bestes Beispiel dafür ist die erste Single und gleichzeitig der Opener des Debütalbums der rassigen Sängerin. "Don't Miss Your Own Life" beginnt mit einem schicken Gitarrenintro, das zu den ruhigen Strophen übergeht. Diese vermittelt Saint Lu mit unglaublich viel Gefühl und vor allem einer sagenhaften Stimme, die sich irgendwo zwischen Gabriella Cilmi und Janis Joplin wiederfinden lässt. Der Refrain überzeugt mit ganz starker Melodie und stimmlicher Bestform. Was für ein klasse Stück zum Auftakt.

Generell wirkt das Album selten überproduziert und verliert dadurch nie den rockigen und authentischen Charakter. So dürfen "Rockstar Car" und "Lovesong" munter weiter rocken, allerdings mit unterschiedlicher Qualität. Kann erstgenannter Song nur durch Saint Lus dufte Stimme überzeugen, ist "Love Song" eine tolle Leistung der gesamten Studioband. Sowohl live als auch auf dem Album ist das Stück eines der besten im Repertoire der Österreicherin. Für den tollen Bandsong haben übrigens einige bekannte Musiker gesorgt: So finden sich u.a. der Drummer von Norah Jones, der Keyboarder von Joss Stone und der namenhafte Steve Sidwell (Bläser, Streicher), der schon für Robbie Williams und die Pet Shop Boys arrangierte, auf dem Album wieder.

Als interessante Randnotiz ist zu erwähnen, dass Saint Lu von Patrick Majer produziert wird, der seinerseits Mitglied von Wir sind Helden (Was machen die eigentlich gerade?) ist. Dass keine Mühen und Kosten gescheut wurden, beweist auch, dass der finale Schliff des Albums in den legendären Abbey Road Studios getätigt wurde. So entstanden grandiose Songs wie die Ballade "Here I Stand", die besonders von der ungewöhnlichen Stimme Saint Lus lebt. Schön und spärlich wurde ein Arrangement mit nettem Backgroundchor erarbeitet, das melodisch zu den absoluten Gewinnern des Albums zählt. Dass die Sängerin einige Jahre in den Staaten verbracht hat, hört man besonders schön an diesem herausragenden Track. Schon komisch, dass ausgerechnet eine Alpensängerin ein Album mit internationalem Sound vorlegen kann, während der Großteil der deutschen Produktionen konditionslos hinten anstehen muss.

Natürlich bestätigt sich der Live-Eindruck zu größten Teilen auch auf dem Album, denn nicht alle Stücke können überzeugen. "Ankle-Biter" ist beispielsweise ein gähnend langweiliges Stück, das zu viel will, aber zu wenig kann. Hörenswerter, dank der tollen Band und dem markanten Bläsereinsatz, ist das wieder rockige "What Is That Love", in dem sich die begnadete Sängerin richtig austoben kann. Ebenfalls hörbar, das lecker lockere Softrockstück "All That I Ever Wanted", das aber vermutlich einige Monate zu spät kommt für einen Sommerhit. Auch unter den restlichen Tracks lassen sich kaum Hänger finden, allerdings auch keine großen Höhepunkte.

Fazit

Nach Christina Stürmer kann Österreich mit Saint Lu eine weitere talentierte Künstlerin präsentieren, die ebenfalls ein deutlich höheres Niveau an den Tag legt als ihre Kolleginnen aus dem großen Nachbarland. Auf dem Debütalbum der Sängerin bekommt man einige herausragende Stücke geliefert, für die allein es sich schon lohnt, sich mehr mit der Musik von Saint Lu vertraut zu machen. Reinhören empfohlen!

Anspieltipps

Don't Miss Your Own Life

Here I Stand

Hörprobe

Hört bei uns in alle Lieder des Album "Saint Lu" rein. Hier geht es zur Hörprobe.

Artistpage

SaintLu.com

MySpace-Profil

Tracks

1.Don't Miss Your Own Life
2.Rockstar Car
3.Love Song
4.Ankle-Biter
5.Here I Stand
6.What Is That Love?
7.All That I Ever Wanted
8.All In One (Multifunctional Mum)
9.I Say Yeah, You Say No
10.Memory
11.Mister Blow

Christian Finck - myFanbase
19.11.2009

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