Bewertung

Review: #12.22 Was uns ausmacht

Foto: Jared Padalecki & Jensen Ackles, Supernatural - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Jared Padalecki & Jensen Ackles, Supernatural
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Der Name ist Programm bei #12.22 Who We Are und so beschäftigt sich die Folge noch einmal gründlich mit dem Hauptthema der zwölften Staffel: Familie. Ob nun im Kleinen mit den Winchesters, oder im übertragenen Sinn mit der Gemeinschaft der amerikanischen Jägern – es geht gerade auch bei Sam und Dean darum, sich klar zu werden, was für sie wirklich wichtig ist. Und dabei wird mal eben so nebenbei auch noch das Hauptquartier der britischen Men of Letters zerstört. Endlich.

"I want you to follow me."

Letztlich war Ketchs genialer Plan, die Brüder gemeinsam mit Toni im Bunker verrotten zu lassen wie zu erwarten ein Reinfall. Trotzdem waren ihre Ausbruchsversuche sehr amüsant anzusehen, vor allem weil Dean endlich, endlich seine tolle Kanone abfeuern darf. Immerhin haben wir so ein echt schönes Gespräch zwischen den beiden Brüdern mitbekommen. So wird klar, dass Sam den Men of Letters nur deswegen so vertraut hat, weil es der leichte Weg war. Schnell und effizient die Monster vernichten und dabei selbst keine große Verantwortung übernehmen. Eigentlich verständlich bei ihrer Vorgeschichte, die hin und wieder von im wahrsten Sinne des Wortes apokalyptischen Konsequenzen durchsetzt war. Außerdem kommt bei Sam auch noch die Sache mit Azazel und der Dämonenarmee hinzu, die er ja eigentlich mal anführen sollte. Kein Wunder also, dass Sam wenig Lust hat, Anführer zu spielen. Und doch ist es genau das, was passiert. Denn ob Sam es nun will oder nicht – er ist der Richtige für den Job. Zusammen mit Dean kennt er sich am besten mit den Men of Letters aus und weiß, wie man die Jäger motivieren kann. Seine Ansprache hat wieder deutlich aufgezeigt, wo der große Unterschied zwischen den MoL und den normalen Jägern besteht: Bloßes schwarz-und-weiß Denken gegen die vielen Grauzonen, die einem im Umgang mit übernatürlichen Kreaturen so über den Weg laufen. Und die Rede zeigt Wirkung – bei den Jägern und bei Dean, der seinen kleinen Bruder mit so viel Stolz anschaut.

Der Angriff auf die Hauptzentrale der britischen Men of Letters läuft überraschend einfach ab. So einfach, dass man sich fragt, wieso das nicht schon viel früher getan wurde. Wie auch immer, es war eine unglaubliche Genugtuung dabei zuzusehen, wie diese ach so tolle und topausgerüstete Organisation von einer Hand voll bunt zusammengewürfelter Jäger niedergemacht wird. Besonders bei Dr. Hess, die ihren Hals noch retten will und plötzlich damit rausrückt, dass Luzifer frei ist. Und wieder ist es an Sam, eine Entscheidung zu treffen: Lassen sie sich doch noch einmal mit den MoL ein, um mit deren Unterstützung Luzifer entgegenzutreten, oder versuchen sie ihr Glück alleine? Doch Sam hat inzwischen eingesehen, dass eine Zusammenarbeit mit den Men of Letters – Vorteile hin oder her – es einfach nicht wert ist. Und so wird durch seine deutliche Abfuhr mit Dr. Hess auch noch der Kopf der Men of Letters umgebracht. Zwar gibt es noch mehr als genügend von ihnen in Großbritannien, doch hoffentlich lassen die unsere Jäger erst einmal in Ruhe.

"I hate you and I love you."

Während Sam den Action-Teil der Folge übernehmen darf, muss sich Dean mit ihrer gebrainwashten Mutter herumschlagen. Diese Aufteilung macht Sinn, immerhin hat Dean durch seine Kindheitserinnerungen doch noch eine andere Beziehung zu Mary. Von dem her muss er es einfach sein, der versucht, ihre Mutter zu retten. Und so wie Mary sich verhält, ist das auch dringend nötig. Natürlich lässt sich Dean nicht so einfach von Toni entmutigen, die meint, dass es schon zu spät ist. Er ist einfach nicht der Typ, der die Menschen aufgibt, an denen ihm etwas liegt. Also wird es Zeit für eine Reise in Marys Unterbewusstsein. So ähnliche Szenen hatten wir im Laufe der Serie schon ein paar Mal, ob nun durch Tod oder irgendwelche Wunderkräuter. Tatsächlich wacht Dean in einer Szenerie auf, die einen schon stark an seinen Himmel in #5.16 Sonnenfinsternis erinnert, samt Mum, die ihm Frühstück macht.

Nun ist es also an Dean, Mary irgendwie aus ihrer Lethargie zu reißen. Und da konnte Jensen Ackles mal wieder sein Talent für emotionale Szene zeigen. Es ist immer unglaublich mitreißend, wenn Dean seine sicher weggesperrten Gefühle zeigt, gerade, wenn es um die Familie geht. Also nutzt er die Gelegenheit und sagt Mary all das, was sich seit ihrer Rückkehr (und eigentlich seit ihrem ursprünglichen Tod) bei Dean angesammelt hat. All die Wut, all die Verzweiflung, all die Einsamkeit und Verantwortung, die ihm in so jungem Alter aufgezwungen wurde, als er Sam praktisch alleine aufziehen musste. Nicht zu vergessen Marys Deal mit Azazel in #4.03 Am Anfang war..., durch den sie Sam letztlich an den gelbäugigen Dämon verkauft hat, um John zu retten. Das hat Mary nicht nur das Leben gekostet, sondern bei Sam auch eine Kettenreaktion an traumatischen Erlebnissen ausgelöst, vom Dämonenblut bis zum Verlust seiner Seele. Und alles lässt sich irgendwie auf Mary zurückführen, auch wenn es nicht beabsichtigt war und das Schicksal und Himmel und Hölle sicher auch ordentlich mitgewirkt haben. Das alles ändert nichts daran, dass Dean inzwischen nicht nur von seinem Vater enttäuscht wurde, sondern ihm nun auch die idealisierte Vorstellung von seiner Mutter genommen wurde. Genau diese Tragik stellt Ackles wunderbar ergreifend dar, als Dean Mary gesteht, dass er sie trotz all dem Hass immer noch liebt. Immerhin haben sie alle ihre Deals gemacht, haben alle unmoralische Entscheidungen getroffen. Dean kann ihr verzeihen, denn er will einfach nur seine Mutter zurückhaben, Fehler hin oder her.

Marys Reaktion wird zwar ziemlich harsch von Ketchs Auftauchen unterbrochen, aber wie man gesehen hat, hat Deans Ansprache gewirkt: Mary rettet Dean in letzter Sekunde vor Ketch und erschießt ihn. Eine wunderbare Parallele zur letzten Folge, als sie noch auf Ketchs Seite stand und ihre Söhne mit der Waffe bedroht hat. Überhaupt ist es nur zu passend, dass es Mary ist, die Ketch umbringt. Schließlich hatten die beiden eine ziemlich komplizierte Beziehung. Die ist nun endgültig klargestellt: Mary wählt ihre Familie.

Apropos Familie: Den Winchesters ist inmitten all des Trubels sogar noch eine tolle Wiedersehensszene gegönnt. Mary ist wieder normal, beziehungsweise so normal, wie sie seit ihrer Auferstehung nun mal ist. Denn nach wie vor fällt es ihr nicht leicht, ihren Söhnen gegenüber zu treten. Schließlich sieht sie in ihnen nur all das, was sie im Laufe der Jahre erleiden mussten. Doch Dean hat recht: "Everything has made us who we are. We kick ass. We save the world." Damit kommt man wieder zum Grundmotiv der Staffel und eigentlich der Serie zurück. Egal, was Sam und Dean auch widerfährt, sie überstehen es und gehen stärker daraus hervor. Weder Himmel und Hölle, noch die Apokalypse oder die Finsternis konnten sie aufhalten. Und so verzeiht nicht nur Dean, sondern auch Sam Mary und die drei umarmen sich. Eine bedeutende Szene, auch wenn ein gewisses mulmiges Gefühl bleibt. Denn wann war dieser Familie schon mal etwas Glück vergönnt?

Randnotizen:

  • In dieser Folge gab es einen Haufen Rückbezüge auf frühere Staffeln: Die beiden Jäger, die Sam und Dean getötet haben, wodurch die beiden im Himmel gelandet sind, Kick it in the ass, die legendäre Bitch/Jerk-Verabschiedung von Sam und Dean...
  • Irgendwie hat mich die ganze Sache mit Sam und den Jägern ja an Harry Potter und Dumbledores Armee erinnert (War Sam nicht auch der Auserwählte??)
  • Jetzt tut mir Toni doch tatsächlich fast leid. Einen richtigen Redemption-Arc hätte ich echt nicht gebraucht, aber sie hätten ruhig mit einem Waffenstillstand auseinander gehen können.
  • Jody ist wie immer eine Freude! Ich bin schon sehr gespannt auf den Spin-Off!!

Fazit

Diese Folge glänzt durch die starken Auftritte von Jared Padalecki und Jensen Ackles. Dabei wurde das Thema der Staffel "Familie" wieder in den Fokus gerückt. So konnte die Jägergemeinde die Men of Letters vernichten, während die Winchesters ihre Differenzen beiseitegelegt haben. Trotzdem scheint alles etwas zu glatt zu gehen und ich bin mir sicher, dass wir uns im Finale auf einige unschöne Überraschungen gefasst machen müssen. Immerhin spukt Luzifer ja noch irgendwo herum und ist auf der Suche nach Kelly und Cas.

Denise D. - myFanbase

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