Big Sky - Review Staffel 1B

"Big Sky" basiert auf einer amerikanischen Krimireihe von C. J. Box, weswegen sich Serienschöpfer David E. Kelley ausgeguckt hat, pro Staffel drei Kriminalfälle seinen Privatermittlerinnen Jenny Hoyt (Katheryn Winnick) und Cassie Dewell (Kylie Bunbury) anzuvertrauen. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die erste Staffel der ABC-Serie, die hierzulande auf Disney+ zu streamen ist, verkürzt worden, so dass insgesamt nur zwei Kriminalfälle dargelegt werden konnten. Über den ersten Fall habe ich hier schon meinen Eindruck hinterlassen, weswegen nun meine Einschätzung zum zweiten Fall folgt, der sich die Screentime mit Ronald Pergman (Brian Geraghty) teilt, der uns Zuschauer*innen nämlich weiterhin erhalten bleibt.
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Bleiben wir doch gleich mal bei Ronald. Dass er in der zweiten Staffelhälfte, obwohl ansonsten große Teile des Haupt- und Nebencasts ausgetauscht wurden, erhalten bleibt, ist definitiv ein cleverer Schachzug. Geraghty holt in seinem schauspielerischen Vermögen wirklich alles aus dieser widerlichen Figur heraus, die Ronald darstellt. Während eigentlich lange John Carroll Lynch als Rick Legarski als das größere Übel erschien, hat sich Ronald heimlich in seinem Schatten emanzipiert und hat ein Ausmaß in seinem Handeln gefunden, das nicht mehr zu entschuldigen ist. In der zweiten Staffelhälfte ist die Jagd nun richtig auf ihn eröffnet, auch wenn er doch einen Großteil alleine agieren darf und in dieser Zeit das perfekte Gegenstück mit Scarlet (Anja Savcic) geliefert bekommt. Mit ihrer dunklen Seite hat Ronald sicherlich nicht gerechnet, aber sie hat auch allgemein zwischen teuflisch und brav-naiv eine enorme Bandbreite abgebildet, was sie unberechenbar macht. Aber das passt eben zu ihm, denn auch Ronald ist weiterhin in seinen Taten nicht zu kalkulieren. Es gibt eigentlich nichts, was er nicht tun würde. Am Ende nimmt die Geschichte aber noch eine Wendung, die mir weniger gefällt, denn es werden deutliche Hinweise auf eine Organisation gegeben, die über allem schwebt und deren Ausmaß wohl in Staffel 2 näher zu ergründen sein wird. Aber mir hätte es doch besser gefallen, wenn das Kapitel Ronald irgendwann sein Ende findet, denn sonst wird die Faszination seines Charakters nur sinnlos ausgereizt.
Mit der Jagd nach Ronald bekommt auch Jerrie (Jesse Kames Keitel) eine größere Rolle zugeteilt. Sie durfte ohnehin als einzige der Entführungsopfer weiterhin in der Serie bleiben und sie steigt in der Privatdetektei von Jenny und Cassie ein. Das freut mich wirklich sehr für sie, zumal man als Zuschauer*in anschaulich dargelegt bekommt, wie sie die Erfahrungen ihrer Entführung verarbeitet und in neue Energien umsetzt. Zum einen will sie unbedingt anderen helfen, zum anderen hat sie sich als Lebensziel gesetzt, Ronald unbedingt stellen zu wollen. Dabei darf sie auch eine sehr toughe Art und Weise entwickelt, die gut zur von Jenny und Cassie bestimmten Atmosphäre stammt, weswegen sie eine tolle Ergänzung abgibt. Neu hinzu kommt auch Mark Lindor (Omar Metwally), in US-Marshall, der die Polizei vor Ort bei der Suche nach Ronald unterstützen soll. Er kommt ganz schön arrogant und überheblich an, aber auch er macht eine gute Entwicklung durch, denn er bekommt vorgelebt, wie hart und kompromisslos die beiden Privatdetektivinnen agieren, was ihn unweigerlich beeindruckt und was ihn mannschaftsdienlicher macht. Leider kommt das Miteinander nicht immer so gut heraus, weil Cassie und Jenny zwischendurch zu sehr mit den Kleinsassers beschäftigt sind und man so eigentlich zwei große Handlungsbögen hat, die parallel, aber nicht miteinander verbunden ablaufen. Das muss ich dieser zweiten Staffelhälfte wirklich zur Last legen, denn die erste Staffel war fokussierter erzählt. Nichtsdestotrotz hat Mark seinen Stempel hinterlassen und ich hätte nichts dagegen, wenn er der Serie erhalten bleibt. Nur seine angedeuteten Gefühle für Cassie gingen mir etwas zu schnell.
In der ersten Staffelhälfte habe ich kritisiert, dass das Privatleben von Jenny und Cassie noch viel mehr ausgearbeitet werden muss. Ironischerweise hat sich das in der zweiten Staffelhälfte sogar noch verschlechtert. Während von Cassie aus der Familie gar niemand mehr zu sehen ist, ist Jennys Sohn Justin (Gage Marsh) nur im Staffelfinale zu sehen. Dementsprechend war nicht viel Neues über die beiden herauszufinden. Natürlich bekommt man auch durch die Art und Weise, wie sie ermitteln und wie sie trotz der Liebe für den gleichen Mann enger und enger zusammenwachsen, einen intensiven Eindruck davon, wie sie ticken. Aber man hat als Zuschauer*in schon angedeutet bekommen, dass ihre Vergangenheit einige spannenden Geschichten bereithält, aber bislang macht "Big Sky" nicht den Eindruck, da tiefer eintauchen zu wollen. In dieser zweiten Staffelhälfte war durch die Kleinsassers und Ronald auch nicht viel Platz dafür, aber das darf auf Dauer nicht immer die Entschuldigung sein.
Kommen wir nun zu den Kleinsassers, eine Familie, bei der man schnell zum Fazit kommt, dass wir eine Gemeinschaft typischer Trump-Wähler präsentiert bekommen. Schon in der ersten Episode mit ihrem Auftreten ist klargeworden, dass mit dieser Familie nicht zu spaßen ist. Aber wie tief die Abgründe der menschlichen Seele bei ihnen ist, das war dann doch sehr schockierend. Der biblische Ausdruck Sodom und Gomorra trifft es hier wohl am besten. Ausgangspunkt der Handlung ist Blake (Michael Raymond-James), der älteste Kleinsasser-Sohn, der mit Jenny einst eine Beziehung geführt hat und sich an sie mit einer Bitte wendet, denn er ist wegen angeblicher Vergewaltigung eingebuchtet worden. Man merkt schnell, dass Blake trotz einer rauen Schale, der mit Abstand sympathischste Kleinsasser ist. Seine jüngeren Brüder John Wayne (Kyle Schmid) und Rand (Ryan Dorsey) sind dagegen schon ohne Worte. All das wird aber noch von ihrer Schwester Cheyenne (Britt Robertson) getoppt, die sich bei ihren Brüdern alles abgeguckt hat. Sie ist von ihrem Vater Horst (Ted Levine) für nichts vorgesehen, weil sie eine Frau ist, doch das kann Cheyenne nicht akzeptieren. Doch sie schreitet nicht instinktgesteuert zur Tat, stattdessen taktiert sie auf eine enorm intelligente Art und Weise, was an Psychospielchen erinnert. Insgesamt ist es definitiv ein Gewinn, dass auch für die zweite Staffelhälfte viele Serienstars gewonnen werden konnten, wo natürlich auch noch Michelle Forbes als Familienmutter und Sebastian Roché als korrupter Sheriff Wagy zu nennen sind. Das hebt die Qualität in der Darstellung dieser Familie, in der nichts unmöglich ist, erheblich. Aber ohne Frage sticht Robertson am meisten heraus. Bislang hat sie in ihrer TV- und Filmkarriere oft die Brave oder die Heldin gespielt, aber hier darf sie eine ganz andere Seite von sich zeigen und da hatte sie offenbar großen Spaß dran.
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Insgesamt sind die Ermittlungen rund um die Kleinsassers aber kein klassischer Kriminalfall. Da hat sich die erste Staffelhälfte doch ganz anders gestaltet. Die zweite Staffelhälfte nimmt sich sehr viel Zeit, die Kleinsassers in vielen Nuancen darzustellen, aber das lässt nicht viel Raum für typische Ermittlungsarbeit. Zumal die Kleinsassers ab einem bestimmten Punkt auch laut 'Hier' schreien, denn subtil ist ihr Handeln nicht mehr. Zudem ist deutlich zu merken, dass Jenny und Cassie immer wieder ins lebensgefährliche Situationen gedrängt werden sollen. Das war mir schon fast etwas zu viel, weil die Cliffhanger in der ersten Hälfte auf mehr unterschiedliche Figuren verteilt worden sind. Dennoch hat sich nichts an dem Bild geändert, dass die Serie sich selbst keine Grenzen setzt. Hier ist inhaltlich alles möglich und dann passt es auch, dass die Serie kein Schwarz-Weiß-Denken fördert, sondern hier werden Abgründe auch mal Abgründe sein gelassen.
Die Serie "Big Sky" ansehen:
Fazit
"Big Sky" tauscht Großteile des Casts für die zweite Staffelhälfte aus und kommt von Extraklasse zu Extraklasse. Dabei bleibt das Grundgerüst ähnlich, mit leichten Verschiebungen. Es ist weniger ein klassischer Kriminalfall mit den Kleinsassers, aber diese bieten so viele Abgründe, dass erneut ein unberechenbarer Eindruck bleibt, der den Unterhaltungswert der Serie entscheidend ausmacht. Deutlicher Kritikpunkt bleibt aber, dass Jenny und Cassie es verdient haben, dass in ihre Figuren endlich viel tiefer eingetaucht wird.
Lena Donth - myFanbase
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