Emmys 2011 - Dramaserien

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Es ist schön, wenn man über fast alle der Nominierten in einer Kategorie sagen kann, dass sie absolut verdient an dieser Stelle stehen. In diesem Jahr ist dies bei den Dramaserien der Fall und mit einer Ausnahme haben sich die besten Shows der Season durchgesetzt. Allerdings zeigt auch in diesem Jahr wieder einmal das Bild, dass im Dramabereich die Kabelsender den Broadcastsendern meilenweit voraus sind. Lediglich eine reine Broadcastshow hat es unter die Nominierten geschafft, denn "Friday Night Lights" ist seit seiner dritten Staffel auch offiziell in den Kabelmarkt übergewechselt. Nur "Good Wife" wahrt das Gesicht für die fünf großen Networks, und nicht nur das, es hat auch ausgesprochen gute Chancen, diesen so wichtigen und prestigeträchtigen Preis mit nach Hause zu nehmen.

Foto: Mad Men - Copyright: Frank Ockenfels/AMC
Mad Men
© Frank Ockenfels/AMC

Zuallererst gilt es aber natürlich den dreifachen Champion "Mad Men" zu schlagen. Zwar hat der eine ganz starke Season, wenn nicht sogar seine beste, hinter sich, aber noch nie war es für den Kritikerliebling so schwer wie in diesem Jahr, den Emmy wirklich zu gewinnen. Denn es sprechen doch einige Faktoren gegen die Serie, die zwar mit dem Inhalt und der Qualität wenig zu tun haben, aber dennoch nicht zu unterschätzen sind. Zum einen ist dies das erste Jahr, dass neue Folgen der Serie zum Abstimmungszeitraum fast ein Jahr zurück liegen und parallel dazu nicht gerade die neue Staffel läuft. Hier könnte sich ein Mechanismus à la "aus den Augen, aus dem Sinn" negativ auswirken. Auch die schlechte Presse rund um die zähen und schmutzigen Vertragsverhandlungen zwischen AMC und Serienschöpfer Matthew Weiner könnten sich negativ auf die Siegchancen von "Mad Men" auswirken, auch wenn die Serie weiterhin das beste Drama im TV bleibt. Vielleicht tritt auch in diesem Jahr der Fall ein, dass "Mad Men" den Hauptpreis erstmals verliert, dafür aber im Ausgleich die nominierten Schauspieler wie Jon Hamm und Elisabeth Moss in ihren jeweiligen Kategorien abräumen?

So können sich die unmittelbaren Konkurrenten durchaus Hoffnung machen. Da bietet sich natürlich "Boardwalk Empire" als Nachfolger an, die Serie spielt ähnlich wie "Mad Men" in vergangenen Zeiten und liegt somit ganz auf der Wellenlänge der Juroren. Aber ob die HBO-Show das Momentum des neuen, frischen Mitbewerbers aus dem letzten Herbst hat mitnehmen können, ist nicht sicher. Zwar hat die Serie mit insgesamt 18 Nominierungen auch auf ganzer Linie überzeugen können, aber gerade in den Darstellerkategorien ist die Ausbeute über die Anerkennung von Hauptdarsteller Steve Buscemi hinaus doch arg mager ausgefallen. Es bleibt also abzuwarten, ob man auch die nötige Durchsetzungskraft besitzt, gleich auf Anhieb einen Emmy als beste Dramaserie einzuheimsen.

Foto: Julianna Margulies, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies, Good Wife
© Paramount Pictures

Ein weiterer ganz heißer Anwärter ist "Good Wife", welches sich in Kritikerkreisen immer mehr im Aufwind befindet und sich was die Qualität angeht nicht hinter seinen Konkurrenten aus dem Kabelbereich verstecken braucht. Die Serie hätte es inhaltlich und handwerklich verdient, einen Emmy zu gewinnen und die vielen Nominierungen in den diversen Schauspielkategorien und auch in den Drehbuchbereichen zeigen, dass sie eine große Anzahl an Fans in der Jury hat. Es wäre zwar dennoch eine faustdicke Überraschung, wenn gerade "Good Wife" den Seriensieger "Mad Men" vom Thron stoßen würde, aber sicher keine unwahrscheinliche.

Die restlichen drei Dramaserien, die es in den Kreis der aus Emmy-Sicht besten Shows der Season geschafft haben, können dagegen nur auf ihre geringen Außenseiterchancen hoffen. So ist "Friday Night Lights" zweifelsohne eines der besten Dramen im Fernsehen und hat auch in seiner finalen Staffel diese Qualität halten können, aber die Serie kann es schon als Riesengewinn betrachten, überhaupt bis unter die Nominierten vorgestoßen zu sein. Die Show ist ein zu großer Underdog, hat immer noch das Manko einer Football-Serie und einem Setting und einer emotionalen Rohheit, die den Mitgliedern der Emmy-Jury doch zumeist abgeht. Die Chancen, dass sich die Standard-Hollywood-Klientel wirklich mit dieser Serie identifizieren kann, sind doch leider verschwindend gering.

Foto: Sean Bean, Game of Thrones - Copyright: Home Box Office Inc. All Rights Reserved.
Sean Bean, Game of Thrones
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Ebenso unwahrscheinlich ist ein Gewinn für die zweite HBO-Serie in der Runde, "Game of Thrones". Auch hier kann man wirklich froh darüber sein, dass man die Vorurteile gegen das Fantasy-Genre überwinden konnte und gleich auf Anhieb eine Nominierung erreichte. Zu mehr wird sich die Jury aber wohl schwer hinreißen lassen, dafür sind die Vorurteile gegen derartige Serien wohl doch zu groß, auch wenn "Game of Thrones" ohne Zweifel mit den besten Dramen im TV konkurrieren kann. Man darf sich dabei natürlich nicht von Schwertkämpfen und Drachen und Schattenwölfen abschrecken lassen. Die Zurückhaltung bei den Creative Arts Emmys gegenüber der Serie, die trotz zahlreicher Nominierungen nur einen Gewinn für den besten Vorspann verbuchen konnte, sind auch ein schlechtes Omen.

Die sechste Serie im Bunde ist die einzige, über deren Berechtigungsgrund man streiten kann und welches nahezu keine Chance auf einen Gewinn hat. Denn auch die größten "Dexter"-Fans müssen wohl zugeben, dass die Show nicht unbedingt unter die Top 6 der vergangenen Season gehört. An dieser Stelle müsste der Gerechtigkeit halber eigentlich "Justified" stehen, welches einen riesigen Qualitätssprung in seiner zweiten Staffel vorgelegt hat und zweifelsohne besser als "Dexter" war. Auch Shows wie "Treme", "Rubicon" und "Terriers" hätten qualitätsmäßig einen Platz in dieser illustren Runde verdient, waren aber schon vor der Bekanntgabe der Nominierungen in derartigen Außenseiterpositionen, dass ihre Auslassung wenig überrascht.

Die Nominierungen in der Übersicht:


Cindy Scholz - myFanbase

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