Bewertung

Review: #9.23 Wunder werden vielleicht doch wahr

Foto: Jared Padalecki, Supernatural - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Jared Padalecki, Supernatural
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Wieso erst jetzt? Das ist die Frage, die ich mir während des Schauens dieser Finalepisode konstant gedacht habe. Wieso wurden erst gegen Ende der Staffel die richtigen Geschütze aufgefahren und die Spannung angezogen? Ähnlich wie schon im letzten Jahr entfaltet das Staffelfinale einen Sog und plötzlich ist man ganz überrascht darüber, wie mitreißend "Supernatural" noch sein kann. Es ist zwar nicht alles Gold, was glänzt, aber es hätte um Längen schlimmer - sprich enttäuschender - enden können.

"One would imagine the least best better."

Für die Verhältnisse der Serie ist die Folge sehr ereignisreich und hätte vom Inhalt her auch locker auf zwei Episoden verteilt werden können. Das unterstreicht den Eindruck, dass die neunte Staffel schon eher die Zügel hätte einziehen können und dem Zuschauer keine Füllerepisoden hätte präsentieren müssen. Naja, aber letztlich heißt es wohl, besser spät als nie und so bekommt man kurz vor knapp noch einiges geboten.

Das Staffelfinale punktet unter anderem durch Metatron, der sich im Vergleich zu einem Dick Roman aus Staffel 7 stetig gesteigert hat und zu einem würdigen Endgegner wurde. Seine verschrobene Art macht ihn interessant und im Gespräch mit Dean offenbart sich außerdem seine Wut auf Gott und der daraus resultierende Anspruch, es besser machen zu wollen. Ob seine Intentionen schließlich zu ehrenvolleren Taten geführt hätten, lässt sich sicherlich anzweifeln, aber durch sein Handeln als Wunderheiler wurde er zumindest noch vielschichtiger. Natürlich geht es ihm hauptsächlich darum, Anerkennung zu gewinnen und machtvoll zu sein, aber er hat durchaus eine Affinität für die Menschen. In seine Darstellung floss außerdem immer eine Portion Humor mit ein und gerade das Weglassen einer zwingend ernstzunehmenden Darstellung hebt ihn hervor.

Während Metatron seine Machtausübung genießt, machen sich alle Sorgen um Dean, er selbst eingeschlossen. Damit ist der ältere Winchester nicht ganz der DarkDean geworden, den ich mir bereits ausgemalt hatte, aber das tut der Sache eigentlich keinen Abbruch. Die Auswirkungen des Kainsmal bleiben nach wie vor sichtbar, sein Hunger nach dem Töten beängstigend und eigentlich mag man nur den Kopf schütteln, wenn Dean erneut bereit ist, trotz ungeahnter Konsequenzen, gegen Metatron in den Kampf zu ziehen. Jeder weiß eigentlich, dass das nicht gut enden kann und dennoch scheint es keine andere Lösung zu geben.

Unter diesen Umständen hat mir vor allem Sam sehr gefallen, dem die Sorge um seinen Bruder immer im Gesicht stand und der die deutlich schöneren Akzente setzen konnte. Alles was er will, ist, dass er gemeinsam mit Dean den Kampf beschreitet und sie als Team arbeiten. Der Klinsch ist zwischen den beiden nur deswegen entstanden, weil Dean ihm sein Vertrauen nicht ausdrücken kann beziehungsweise ihm das Gefühl gibt, nicht ebenbürtig zu sein. Und entweder hat der ältere Winchester das immer noch nicht begriffen oder er verdrängt bloß die Wahrheit. Ab diesem Punkt ist es zwar schwer zu sagen, inwiefern die "erste Klinge" für seinen Egotrip verantwortlich ist, doch so oder so bleibt der Bruderkonflikt in seinen Grundzügen auch noch nach dieser Staffel bestehen.

"You have to believe me, when I suggested you take on the Mark of Cain I didn't know this was going to happen. Not really. I mean I might not have told you the entire truth. But I never lied, I never lied, Dean. That's important. It's fundamental."

Das Überraschendste an der Folge passiert in den letzten Minuten und dazu trägt auch Crowley einen großen Teil bei. Wie Sam es selbst so treffend ausdrückte, entwickelte sich zwischen dem Dämon und Dean eine Art Bromance in dieser Staffel, die für so einige tolle Szenen sorgte. Und die zehnte Staffel verspricht, dass es davon noch mehr geben wird. Aber erstmal der Reihe nach...

Dean sorgt genauso wie bei Abaddon dafür, dass Sam zurückbleibt und er alleine mit der "ersten Klinge" in den Kampf zieht. So geschieht es ihm vielleicht recht, dass er gegen Metatron so gut wie gar keine Chance hat, da Castiel und Gadreel nicht rechtzeitig die Engelstafel zerstören können, die für Metatrons Kräfte sorgt. Mit einer Leichtigkeit schlägt der selbsternannte Gott Dean windelweich und der Anblick ist dann doch sehr erschreckend. Dass Dean zunächst nicht viel ausrichten kann, das hat mich nicht weiter überrascht, doch kurz darauf stockte mir der Atmen. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass Dean in der letzten Sekunde noch als Sieger aus dem Kampf hervorgeht, stattdessen bekommt er aber eine Engelsklinge in die Brust gerammt.

Mit dieser Szene beginnt das Finale wirklich spannend zu werden, was vor allem durch Sams Auftauchen verstärkt wird. Dass einer der Brüder am Ende einer Staffel im Sterben liegt oder tatsächlich stirbt, sollte eigentlich nichts Neues sein und dennoch saugt man als Zuschauer solche Szenen förmlich auf. Vielleicht ist es einfach das Wissen, was man hat, dass es nun herzzerreißend zur Sache geht und dass die Schauspieler ihren Teil dazu beitragen. Besonders Jared Padalecki läuft zur Höchstform auf und seine Trauer berührt ungemein. Wie er Dean in den Armen hält, erinnert schmerzhaft an das Ende der zweiten Staffel, wo die Rollen allerdings vertauscht waren. In solchen Augenblicke wünsche ich mir, dass dem Zuschauer öfter solche emotional mitreißenden Momente geboten werden, deren Wirkung auf eine Folge sich sofort bemerkbar macht.

Man braucht kein langjähriger Zuschauer von "Supernatural" zu sein, um zu wissen, dass der Tod in einer übernatürlichen Serie selten das Ende bedeutet. Sobald Sam das Glas Whiskey hinunter gekippt hat, will er einen Deal mit Crowley eingehen oder irgendwas Halsbrecherisches tun, um seinen Bruder zurückzuholen. Erfreulicherweise ist das dieses Mal jedoch nicht die Lösung. In einer hervorragenden Endszene drückt Crowley dem noch leblosen Dean seine Sympathie aus und betont, dass er sich diesen Lauf der Dinge nicht gewünscht hat. Und während er mit seiner Erklärung beginnt, weiß man sofort, was als nächstes passieren wird. Dean öffnet die Augen und sie sind schwarz!

Randnotizen

Gadreel bekam einen würdigen Abschluss, indem er sich für ein höheres Ziel opferte und damit endgültig unter Beweis stellte, dass er ein guter Engel war. Er ist für Kevins Tod verantwortlich, was ihm die Brüder niemals verzeihen werden, aber dafür war er ein Schlüsselelement im Kampf gegen Metatron.

Castiel sieht sich nicht als Anführer und das ist auch ganz gut so. Die Engel müssen sowieso lernen, selbstständiger zu werden und nicht mehr irgendwelchen Anweisungen zu folgen. Was aber nun aus Metatron und dem Himmel wird, das wird sich in der nächste Season zeigen müssen.

Für Castiel steht ein Wettlauf gegen die Zeit bevor, da er dringend seine eigene Engelsaura wiederbeschaffen muss, um dem Tod zu entgehen. Das könnte durchaus spannend werden.

Obwohl Misha Collins bereits in dieser Staffel zum Hauptcast gehörte, war Castiel in sehr vielen Folgen abwesend. Mal schauen, ob sich das im nächsten Jahr ändern wird.

Engel lieben Büros. Anders kann ich es mir einfach nicht erklären, warum der Himmel, zumindest der Teil, den der Zuschauer zu Gesicht bekam, schon wieder einem Bürokomplex ähnelte.

Fazit

Das Ende hätte man eigentlich vorausahnen können, weil es eine logische Weiterentwicklung der Storyline darstellt, und dennoch traf es einen wie aus dem Nichts. Viele Fragen drängen sich jetzt auf, vor allem die, ob Dean ein richtiger Dämon ist? Oder ob er wieder zum Menschen wird, wenn er das Kainsmal verliert? Jedenfalls hat es Jeremy Carver ähnlich wie schon am Ende der letzten Staffel geschafft, dass ich wissen will, wie es weitergeht, obwohl die Serie für mich eigentlich schon zu lange läuft. Vor allem die Kombination zwischen Crowley und Dean kann jedoch viel hergeben und spannend inszeniert werden. Für das emotionale Kernstück war Sam für mich dieses Mal verantwortlich und was aus ihm und Dean wird, ist eine wesentliche, wenn auch stets überstrapazierte Frage. Das bleibt, trotz der positiven Aspekte, als Sorgenkind bestehen.

Alles in allem lässt sich sagen, dass die neunte Staffel gerade in Bezug auf das Verhältnis der Brüder ihre Schwächen offenbarte, doch ich muss auch gestehen, dass die Serie schon schlechtere Zeiten hatte. Die Staffelhandlung konnte zumindest überzeugen und auch Crowley stieg immer weiter in meiner Gunst auf. Er diente stellenweise als Trostpflaster für die misslungenen Momente in diesem Jahr. Und nun steht uns - so unfassbar es ist - die zehnte Staffel bevor, ein Meilenstein für jede Serie und so wie ich es mir zu Beginn dieser Season vorgenommen habe, werde ich ebenso die nächste Runde einfach auf mich zukommen lassen.

Lukas Ostrowski - myFanbase

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