Bewertung

Review: #1.04 Doppelleben

Foto: Karoline Eichhorn & Stephan Kampwirth, Dark - Copyright: Netflix
Karoline Eichhorn & Stephan Kampwirth, Dark
© Netflix

Der tiefe Einblick in das Jahr 1986 hallt noch immer nach. Man ist noch damit beschäftigt, die jüngeren und älteren Ichs der Figuren zu vergleichen und seine Vermutungen anzustellen, ob es unerkannte Verknüpfungen gibt, auf die bisher nur indirekt hingewiesen wurde. Genau aus diesem Grund gestaltet sich der Übergang in die vierte Episode der Staffel etwas holprig. Nahezu vergessen ist die Handlung von vor 33 Jahren, auch Familie Nielsen steht dieses Mal nicht im Vordergrund, weshalb man erheblich mehr Eingewöhnungszeit in die Erzählung von #1.04 Doppelleben braucht. Dieses Mal tauchen wir in den Alltag von Familie Doppler ein, die aus den Eheleuten Peter und Charlotte mit ihren beiden Töchtern Franziska und Elisabeth besteht. Es fällt schwer, sich von der Vergangenheit zu lösen und sich auf diese "neue" Familie zu konzentrieren. Dies liegt nicht nur am Bruch mit dem großen Fokus auf den Nielsens, sondern auch an der völlig bodenständigen Herangehensweise an Mikkel Verschwinden. Für uns Zuschauer ist mittlerweile klar, dass hier etwas Übernatürliches seine Hand im Spiel hat, weshalb es umso entschleunigender wirkt, Charlotte bei den polizeilichen Ermittlungen zu Mikkels Verschwinden zu sehen. Es ist zwar logisch, dass Pferd von dieser Seite aufzuzäumen, schließlich gibt es im vollkommen normalen Leben der Dopplers keinen Hinweis darauf, plötzlich nach einer Zeitreise zu suchen, dennoch befriedigt einen das Gesehene nicht recht.

Wir haben hier zum einen Charlotte, die das einzige Bindeglied zur vorangegangenen Episode darstellt, indem sie an die toten Vögel erinnert wird, die bereits vor 33 Jahren vom Himmel fielen. Schon damals wurde sie auf die Tiere aufmerksam, leider gingen ihre Nachforschungen früher nicht sehr tief. Es wirkt wieder wie ein Mix aus Fantasie und Ernst, dass die toten Vögel sowohl einen Zusammenhang zur Zeitreise als auch zum Atomkraftwerk aufweisen. Noch immer erscheint der Zusammenhang sehr abstrakt, es hilft dabei auch leider nicht, dass Charlotte selbst nicht ganz bei der Sache ist. Denn man greift nicht nur Charlottes Leitung der polizeilichen Ermittlungen auf, sondern bereitet mit ihren Eheproblemen und dem kurzzeitigen Verschwinden von Elisabeth auch noch zwei weitere Geschichten vor. Bereits der erste Blick auf Charlotte und Peter, die am Morgen aus verschiedenen Schlafzimmern treten, reicht aus, um dem Zuschauer zu zeigen, dass wir es hier mit einer zerrütteten Ehe zu tun haben. Zeichen dafür gab es bereits im Vorfeld, denn zwischen Peter und Charlotte herrscht eine Distanziertheit, die die beiden Schauspieler mit jeder Faser auszuströmen wissen. Ursächlich dafür ist Peters sexuelle Orientierung, über die er sich nicht ganz sicher zu sein scheint. Egal ob Peter nun homo- oder bisexuell ist, klar ist, dass er seine Bedürfnisse unterdrückt, damit seine Familie einigermaßen intakt bleibt. Klar ist aber auch, dass Charlotte ihm dies verübelt und zu ihrem Mann eine große Mauer aufgebaut hat. Das unterkühlte Verhältnis der Eheleute macht auch ihrer ältsten Tochter zu schaffen, die ziemlich verloren wirkt. Leider gelingt es auch an dieser Stelle nur schwer, den Zuschauer abzuholen, da Franziska bisher sehr abweisend wirkte und auch die Annäherung mit Magnus viel zu schnell ging, als dass man sich in sie hätte einfühlen können.

Zur Doppler-Familie gehört außerdem noch Elisabeth, von der wir erst jetzt erfahren. Die Beziehung zu ihrer Schwester ist nicht die beste und durch das hinterhältig anmutende Grinsen vom Streit über den Lippenstift steht man dem jungen Mädchen erst einmal skeptisch gegenüber. Mit ihrem Verschwinden kann man hingegen weit mehr anfangen und fragt sich, wie man dies in die Geschichte einordnen kann. Man ist bereits fleißig am Spekulieren, als man dann doch eine Enttäuschung erfährt. Denn Elisabeth ist keinesfalls wie Mikkel, Erik oder Mads verschwunden und möglicherweise durch die Zeit gereist. Der einzig interessante Aspekt, den ihr Verschwinden zurücklässt, ist die Erwähnung eines Namens: Noah. Der innere Ermittler möchte hier gern eins und eins zusammenzählen und diesen Namen dem Fremden zuordnen, doch die Episode lässt Zweifel daran, ob man damit tatsächlich richtig liegt. Denn der Fremde hilft Jonas ganz eindeutig dabei, das Geheimnis der Höhlen zu ergründen und einen Weg durch die Zeit zu finden, weshalb man sich fragt, weshalb er Jonas helfen und ein anderes Kind erführen sollte. Es drängt sich somit der Verdacht auf, dass wir es hier mit zwei Unbekannten zu tun haben, was die Serie noch mal um einiges spannender macht. Ist der Fremde vielleicht der gute Gegenpart zu dem Mann namens Noah? Und was hat es mit den Raider-Verpackungen auf sie, die immer wieder auftauchen? Sind sie ein Indiz auf eine Person oder doch nur auf die Zeit, aus der diese Person stammt? Kann man durch die Windener Höhlen beliebig 33 Jahre vor und zurück reisen? Wieder einmal gibt einem die Serie viele Fragen auf. Gut gelungen ist auch die zwielichtige Darstellung von Peter. Ganz eindeutig weiß er mehr, als er zu sagen bereit ist, obwohl er durchaus versucht scheint, Charlotte in ein dunkles Geheimnis einzuweihen. Was weiß er über die verschwundenen Jungen?

Kurze Eindrücke

  • Was ist Jonas' Antrieb? Warum will er das Geheimnis der Höhlen ergründen?
  • Nur kurz erhaschen wir einen Blick auf Katharina und Ulrich Nielsen. Beide wirken sehr distanziert.
  • Wieder einmal erscheint Helge sehr verdächtig.
  • Vielleicht ist es so, dass bei jedem Mal, bei dem ein Mensch durch die Zeit reist, Strahlung ausgesetzt wird, die die im Atomkraftwerk ablaufenden Prozesse widerspiegelt?
  • Was hat es mit Charlottes Taschenuhr auf sich?
  • Ist Yasin auf die gleiche Weise verschwunden wie Erik?

Fazit

Die Episode ist weniger rund, als wir es von den vorangegangenen gewohnt sind. Dadurch, dass Familie Nielsen zu Gunsten von Familie Doppler in den Hintergrund rückt, muss man sich erst einmal neu orientieren und dies nimmt viel Zeit in Anspruch. Obwohl man stellenweise die spannungsgeladene Atmosphäre wieder aufgreifen kann, hoffe ich, dass man nächstes Mal ein besseres Gleichgewicht findet.

Marie Florschütz - myFanbase

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