Bewertung

Review: #4.13 Krankhaft nett

Foto: Hugh Laurie, Dr. House - Copyright: 2007 Fox Broadcasting Co.; Art Streiber/FOX
Hugh Laurie, Dr. House
© 2007 Fox Broadcasting Co.; Art Streiber/FOX

Ironie ist doch immer wieder was Feines. Rotzfrech beginnt diese allererste "House"-Episode nach dem großen US-Autorenstreik, der monatelang die Fernsehindustrie lahm legte, mit einer Streikszene: die Krankenschwestern des Princeton-Plainsboro Teaching Hospitals streiken um höhere Lohne, natürlich mit passenden Schildern und bedruckten T-Shirts, wie es die Autoren auch getan haben. Das ist sicher nicht der Gag des Jahres, aber doch ganz putzig. Wie immer dient die erste Szene natürlich dazu, uns den Patienten der Woche vorzustellen, der diesmal Jeff heißt und so nett ist, dass es House ganz krank macht.

Strahlemann

Jeff erduldet Beschimpfungen und sogar körperliche Attacken mit großer Gelassenheit und Freundlichkeit, was sich House nur damit erklären kann, dass Jeff an einer Krankheit leidet. Das Team hält Nettigkeit nicht unbedingt für ein ernstzunehmendes Symptom, doch letztlich erweist sich der Riecher von House als richtig und Jeff wird wieder auf normal gestellt.

Man kann diesen Fall der Woche als unterhaltsam bezeichnen, allerdings mit der Gewissheit, dass es schon wesentlich bessere Fälle gab. Ingesamt ist der Fall Jeff eher unspektakulär. Die Durchsuchung von Jeffs Haus etwa, vorgenommen von Foreman und Kutner, präsentiert sich als kurze und bedeutungslose Szene, die man problemlos hätte weglassen können. Auch sonst gibt es in dieser Episode keine nennenswerte medizinische Action, also keine spannenden, emotionalen Eingriffe oder spektakuläre Untersuchungen. In der zweiten Hälfte der Episode wird öfter über Jeff geredet, als dass wir ihn wirklich sehen, so kam es mir zumindest vor.

Buhmann

Das Team glaubt, dass House an einer Krankheit leidet und mit Verständnis betrachtet werden muss. Wenn es jetzt bei jemandem klingelt, dann ist das nicht der Postbote. Ja, wir hatten schon einmal die Situation, dass House für schwerkrank gehalten wurde und es natürlich nicht war. Beim ersten Mal, in der Episode #3.15 Heiligt der Zweck jedes Mittel?, dachten Foreman, Chase und Cameron, dass House an Krebs leidet, nun glauben die neuen Assistenten von House plus Foreman, Chase und Cameron, dass House die Syphilis hat und aus diesem Grund der Mistkerl ist, den wir kennen und lieben.

Zwei gefälschte Krankheiten innerhalb von gut 22 Episoden sind zwar nicht alle Welt, aber besonders einfallsreich ist das Ganze auch nicht. Ich habe keine Sekunde geglaubt, dass House tatsächlich die Syphilis hat, und meiner Meinung nach hätten Foreman, Chase und Cameron auch wesentlich misstrauischer sein müssen. Ich finde es irgendwie witzlos, wenn das neue Team und das alte Team gleichermaßen auf House reinfallen. In meinen Augen dürfte das alte Team hier ruhig einen kleinen Vorsprung haben.

Geteilter Mann

House und Amber streiten um das "Sorgerecht" für Wilson, denn jeder der beiden will Zeit mit Wilson verbringen und ein Stückchen von ihm ab haben. Diese Nebenstory, die man allerdings auch guten Gewissens als zweite Hauptstory bezeichnen kann, da ihr viel Raum gewidmet wird, hat mir recht gut gefallen. House und Amber wirken - mal absichtlich mit passenden Sprüchen, mal eher unabsichtlich in ihrem Verhalten - wie ein geschiedenes Paar, das um das gemeinsame Kind streitet. Wilson lässt das alles mit großer Geduld über sich ergehen und ergreift keine Partei, was darauf hindeutet, dass es ihm mit Amber sehr ernst ist.

Zu der Idee, aus Amber und Wilson ein Paar zu machen, kann man die Autoren eigentlich nur beglückwünschen. In Amber hat die Serie endlich eine richtige Antagonistin zu House gefunden, die ihn nicht nur im Beruf, sondern vor allem im Privatleben fordert, die sich offen mit ihm anlegt, seine Pläne durchkreuzt und sozusagen in seinem Revier wildert, indem sie Anspruch auf seinen einzigen Freund erhebt. Das tut der Serie gut.

Maret Hosemann - myFanbase

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