Bewertung

Review: #1.08 Needs

Okay, ich glaube die Aussage, dass "Dollhouse" eigentlich sehr PotW-zentrisch – also sehr stark auf Einzelfolgen, die man auch ohne die vorherige oder darauf folgende Episode versteht, ruhend – sein soll, können wir jetzt wirklich begraben. Zum dritten Mal hintereinander wurde uns diese Woche eine Seasonarcfolge serviert – diesmal aber keine, die Spannung für das große Finale aufbaut, sondern eher so eine Art Zwischenfinale (dass diese beiden eigentlich gegensätzlichen Wörter ein echtes Wort ergeben ist die Schönheit der deutschen Sprache!). Und ein gutes noch dazu.

Alles auf Anfang

Ausgerechnet Dr. Saunders – die mir bislang sympathischste Angestellte des Dollhouses – denkt sich die eigentlich ultimative Tortur für die Dolls aus. Ihnen vorzugaukeln, dass sie etwas erreicht haben, nur um sie in ihren entspannten, konfliktfreien Ruhezustand zurückzusetzen ist meines Erachtens wahrlich unmenschlich. (Aber na ja, unmenschlich oder nicht für gute 50 Minuten war es wirklich die mitunter beste Unterhaltung, die uns diese Serie bislang beschert hat.) Wenn dieser Plan nun also aufgegangen ist, wurden diese Woche einige wirklich sehr interessante Storylines für einige Zeit begraben – sämtliche, sich zwischen den Dolls ergebenden Handlungsstränge die ja über Wochen aufgebaut wurden, sind hier mit einem Schlag vorbei. Sierra ist wieder gänzlich leer, die emotionale Spannung zwischen ihr und Victor ist weg und am wichtigsten: Echos Weltretterkomplex ist weg. Gut, das Letzte glaube ich nicht wirklich, aber dazu später mehr.

Eine kurze Bemerkung noch zu der zweiten Ebene dieser Storyline: Ich fand es dieses Mal wirklich schön, dass darauf verzichtet wurde uns den demetaphorisierten Inhalt mit einem Zaunpfahl so lange ins Gehirn zu prügeln, bis wir um Gnade winseln. Ein ganz großes Problem dieser Serie bislang war für mich immer, dass interpretierbare Hintergrundaussagen in jeder Folge immer und immer wieder hochgewürgt wurden, bis sie wirklich jeder verstanden hat. Dieses Mal ist es irgendwie nicht so (und es gab, um den bisherigen Folgen gegenüber fair zu sein, auch schon in den letzten zwei oder drei leichte Tendenzen in die Richtung eine Aussage einfach mal stehen zu lassen). Sehr elegant wird hier auf die Sinnlosigkeit jedes Schaffens hingewiesen, wenn niemand da ist um sich daran zu erinnern. Aber irgendwie eine sehr demotivierende Aussage: egal was du tust, es ist nur von Bedeutung wenn sich Leute daran erinnern. Naja, vielleicht auch ein bisschen Überinterpretation meinerseits, aber lasst mich! Hintergründige Lebensaussagen zu finden, die einem nicht vorgekaut wurden, war hier bislang nicht wirklich einfach, also nehme ich jede die sich auch nur in kleinster Weise andeutet.

Die traurige Prinzessin und ihr edler Ritter

Das Beste an dieser Folge war für mich (mal wieder) die Storyline um Sierra. Sie ist die Einzige, deren Einzug ins Dollhouse wirklich keinerlei freiwillige Züge gehabt zu haben scheint. Bei allen Anderen scheint zu einem gewissen Grad der Wunsch vorzuherrschen, irgendein einschneidendes, tragisches Erlebnis zu vergessen: Bei Echo der von ihrem Gerechtigkeitsdrang verursachte Tod ihres Freundes, bei November/Mellie der Tod ihres Kindes und bei Victor mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit irgendetwas Kriegsbezogenes. Nur ausgerechnet Sierra, die die eigentlich das Recht darauf hätte Dinge vergessen zu wollen, geht diesen Schritt nicht freiwillig. Es scheint als sei ihre Rolle, der Spielball von machtbesessenen Männern, nicht nur nicht durch den "reinigenden" Prozess des Wipes verschwunden (siehe Beweisstück A aus #1.06 Man on the Street), sondern als sei ihr Dasein als Active einfach die abgrundtiefst abscheulichste Weise das Nutzobjekt eines solchen Mannes zu sein. Unglaublich eigentlich, dass DeWitt sich darauf eingelassen hat Sierra als Active aufzunehmen, wo sie sich doch als ein solcher Menschenfreund versteht.

Auch die Geschichte um Victor und Sierra fand ich sehr schön; vor allem deshalb weil ich Enver Gjokaj zum ersten Mal eine Rolle wirklich abgenommen habe. Die beiden ergeben aber On-Screen in meinen Augen ein wirklich nettes Pärchen. Gut, es war jetzt nicht die ausgereifteste aller Liebesgeschichten (Anziehungskraft die selbst totalen Gedächtnisverlust übersteht... blabla-biddy-bla...) aber doch ganz nett, das auch zwischen Charas die ja eigentlich jede Woche andere sein sollen solche Chemie entstehen kann.

Schade um beide Storylines eigentlich, dass sie hier begraben werden. Sofern die Theorie vom Loop-Effekt richtig war. Auch schade um die Erkenntnis des Lebens, das November vor ihrer Aktivität hatte. Ich glaube zwar nicht, dass die allzu lange begraben bleiben, aber ich hätte sie gerne schon in den nächsten Folgen weiterverfolgt.

Weltretterin

Weit weniger überzeugend als die Geschichten um Sierra, Victor und November war die um Echo (wie immer). Dass sie auch ohne Erinnerungen im Herzen eine Weltretterin ist, die versucht alle zu befreien, bevor sie an sich selbst denkt... hmm, kommt mir doch etwas bekannt vor. Nun ja, auch wenn ihre Storyline mich nicht vom Hocker gerissen hat, so haben wir doch ein paar Nettigkeiten über Topher erfahren. Und mit dem "endlich kein Überstrapazieren der moralischen Kernaussagen" hatte ich mich wohl auch etwas zu früh gefreut – als Echo ihren "herzzerreißenden" Monolog über das Wegwischen von Personen und Seelen begann, war ich froh, dass ich noch nicht gefrühstückt hatte.

Fazit

Eine wirklich gute Folge über die Hintergründe der Kerndolls, die als Zwischenfinale der Charaentwicklungen gelten kann.

Noch letzte Woche hatte ich mich darüber aufgeregt, dass die Chance zur Charakterstudie leichtsinnig vergeben wurde, aber die wurde diese Woche nachgelegt. Neben den Dolls erfahren wir auch einiges über die anderen zentralen Charas (Topher, DeWitt, Saunders) und Alles in Allem ergibt die Folge ein rundes Gesamtes. Besonders gut fand ich, dass mir dann doch noch die Frage beantwortet wurde, die ich mir die gesamte Folge lang gestellt hatte: warum zum Teufel, sollte DeWitt dieses Risiko eingehen? Lediglich die Heldinnen-Geschichte war mir ein wenig zu abgedroschen, deswegen verweigere ich mal die volle Punktzahl.

Martin Schultze - myFanbase

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